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Deutschland bei Handball-EM : Die schwierige Suche nach dem Licht

  • -Aktualisiert am

„Nicht überall erste Wahl“: Handball-Bundestrainer Christian Prokop, hier beim Spiel gegen Lettland, über sein Team Bild: WITTERS

Handball-Bundestrainer Christian Prokop spricht vor der EM-Hauptrunde in Wien ungewöhnlich deutlich die Defizite der Nationalmannschaft an. Nun drängt sich eine wichtige Frage auf.

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          Immerhin gab es eine Belohnung zum Abschluss. Der deutsche Teamkoch Nils Walbrecht bereitete Burger am Montagabend im Teamhotel neben dem Fußballstadion Rosenborg Trondheims zu. Der letzte Abend im dunklen Mittelnorwegen sollte – abseits des Sportlichen – in guter Erinnerung bleiben. Am Morgen nach dem ziemlich peinlichen 28:27-Sieg gegen die zweitklassigen Letten bei der Europameisterschaft machten sich die deutschen Handballprofis dann auf zum 35 Minuten außerhalb liegenden Flughafen Vaernes. Nach und nach schlenderten sie zum Gate in ihren dunklen Team-Anzügen und weißen Hemden – viele auch mit großen Kopfhörern.

          Um elf Uhr flogen sie dann per Charterflug nach Wien. Mit vielen Zweifeln. Und sicher war auch, dass sich alle freuten, Trondheim nach einer Woche und drei schwachen Auftritten wieder zu verlassen. Das hatten Spieler und Trainer schon am Montagabend zu verstehen gegeben: „Ein bisschen mehr Licht“, erhoffte sich Bundestrainer Christian Prokop. Mehr Zuschauer und eine bessere Atmosphäre erwartet Anführer Hendrik Pekeler in der Hauptrunde in Wien. „Wobei das keine Ausrede für unsere Leistungen sein soll.“ Tatsächlich waren die Spiele im Trondheimer Spektrum am Fluss Nidelva nicht besonders stimmungsvoll, bis Norwegen mit Sander Sagosen auftrat und 9000 Fans verzückte. Am Montagabend waren 3500 Zuschauer in der Arena.

          Unter falscher Flagge gesegelt?

          In der Hauptstadt Österreichs warten von Donnerstag an im Zwei-Tages-Rhythmus nun vier Gegner (jeweils im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM), und schon das erste Spiel gegen Weißrussland hat für Prokops Auswahl Endspielcharakter. Wird die vom erfahrenen Juri Schewzow betreute weißrussische Auswahl nicht besiegt, sind die Chancen auf das Halbfinale in Stockholm gleich passé. Am Samstag steht dann das Duell mit Kroatien an. Am Montag geht es gegen Österreich und am Mittwoch gegen Tschechien. „Ich möchte nicht von den Zielen abrücken, weil es die Mannschaft verdient, dass wir daran glauben“, sagte Prokop nach dem Zittersieg über die Letten. Aber wie schon zuvor erinnerte der Bundestrainer an einige verletzungsbedingte Ausfälle, die sein Team entscheidend schwächen: „Ich habe darum gebeten, dass die Erwartungshaltung realistisch bleibt. Und das haben wir natürlich auch jetzt in der Vorrunde gezeigt bekommen.“

          Prokop sprach nun die Defizite in der Mannschaft ungewöhnlich deutlich an. „Natürlich sieht man auch, dass wir noch nicht in den Leistungssphären sind, die man für ein Halbfinale brauchte“, sagte er. „Das ist jetzt nicht überall erste Wahl auf den Positionen, das ist klar. Aber das sind gute Jungs.“ So wird besonders Spielmacher Fabian Wiede vermisst, aber auch die Halbrechten Steffen Weinhold und Franz Semper. Aber: Ist der Deutsche Handballbund (DHB) sozusagen unter falscher Flagge nach Norwegen gesegelt? Ist mit diesem Team ein Platz unter den ersten Vier ein unrealistisches Ziel? Prokop baute insofern vor, indem er die Gründe nannte, warum es mit diesem Kader auf jeden Fall schwierig wird, nach Stockholm zu kommen. Anderseits sagte er auch, dass sein Team „jetzt“ noch nicht so weit sei, Spanien und Kroatien zu schlagen. Aber womöglich in ein paar Tagen? Oder in einem Jahr? Es blieb erst einmal ein diffuses Gefühl zurück von dieser deutschen Nationalmannschaft und ihrem Trainer.

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