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Vergabe der WM 2006 : FBI überprüft den Sommermärchen-Skandal

  • Aktualisiert am

Es war einmal ein Sommermärchen im Jahr 2006 ... Bild: dpa

Das deutsche WM-Sommermärchen beschäftigt nun offenbar auch die amerikanische Justiz. Parallelen zu illegalem Funktionärsverhalten in anderen Fällen sind augenscheinlich.

          Die Ermittlungen zur Vergabe der Fußball-WM 2006 nehmen international immer größere Dimensionen an. Nach der Frankfurter Staatsanwaltschaft und der Bundesanwaltschaft der Schweiz befasst sich nun einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ vom Samstag zufolge die amerikanische Bundespolizei FBI mit dem Skandal um das deutsche Sommermärchen. Die Zeitung beruft sich auf eine Fifa-nahe Quelle. Der Deutsche Fußball-Bund wollte sich zu der Darstellung nicht äußern, mögliche Ermittlungen staatlicher Stellen hatte der Verband bislang nicht kommentiert. Auch vom Weltverband gab es noch keine Reaktion.

          Die Schweizer Bundesanwaltschaft konkretisierte ihre Recherchen und bestätigte die Kooperation mit den deutschen Ermittlern. „Das deutsche Ersuchen wird von der Bundesanwaltschaft bearbeitet werden“, hieß es von der Behörde in Bern auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Samstag zu einem Rechtshilfeersuchen im Steuerstrafverfahren gegen ehemalige DFB-Funktionäre.

          Wie der WDR in seiner Sendung „sport inside“ am Sonntag berichtet, wollen die Schweizer Ermittler ihre Erkenntnisse zeitnah mit ihren deutschen Kollegen teilen. „Bereits in nächster Zeit“ würden in der Schweiz gemeinsam mit den deutschen Ermittlern Vernehmungen durchgeführt, sagte André Marty, Sprecher der Berner Behörde dem Sender. Man dürfe davon ausgehen, dass die deutschen Fahnder „nicht mit leeren Händen nach Hause reisen werden“. Wer in der Schweiz zu den Vorwürfen befragt werden soll, wurde nicht berichtet.

          Auch in den Vereinigten Staaten interessieren sich die Ermittler für die deutsche Zahlung von zehn Millionen Schweizer Franken, umgerechnet 6,7 Millionen Euro, im Vorfeld der WM 2006. Nach Darstellung des DFB überwies der ehemalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus diese Summe im Jahr 2002 für das WM-OK an den Weltverband Fifa. Wer genau das Geld erhielt, ist jedoch ungeklärt. 2005 soll das Geld an Louis-Dreyfus zurückgezahlt worden sein. Der Betrag wurde vom WM-OK zur Tarnung als Beitrag für eine Fifa-Gala deklariert, die später nie stattfand.

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          Dem FBI geht es wohl weniger um das Handeln deutscher Akteure wie OK-Chef Franz Beckenbauer oder dessen damaligem Vize Wolfgang Niersbach. Die Amerikaner ermitteln in einem Mega-Korruptionsskandal um illegale Provisionen für mehrere Dutzend Funktionäre primär gegen Akteure aus Ländern ihres eigenen Kontinents wie den früheren Fifa-Vize Jack Warner aus Trinidad und Tobago. Diese Geschäfte wurden angeblich auch über Konten in den Vereinigten Staaten abgewickelt und sind daher für die Amerikaner relevant.

          Das FBI wurde offenbar vor allem auf die deutsche Affäre aufmerksam, weil sie Parallelen zu einer dubiosen Zahlung von zehn Millionen Dollar von den Organisatoren der WM 2010 in Südafrika aufweist. Das Geld soll über Fifa-Konten an den korrupten Topfunktionär Warner geflossen sein. Mit dem inzwischen lebenslang gesperrten Warner hatte auch Beckenbauer kurz vor der Vergabe der WM 2006 einen zweifelhaften Vertrag unterzeichnet, der aber angeblich nie wirksam wurde.

          Der DFB stützt sich bei seinen Ermittlungen auf die private Kanzlei Freshfields. Diese soll ihre Ergebnisse bis Ende Februar vorlegen. Erst danach will der DFB über Konsequenzen für seine Verbandsarbeit entscheiden.

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