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Polizeischikane in Istanbul : Andere Länder, andere Methoden?

Genau beobachtet: Auch im Stadion wurden die Anhänger von Borussia Mönchengladbach nie aus den Augen gelassen. Bild: dpa

Fans von Borussia Mönchengladbach sind in der Türkei von Polizisten drangsaliert worden. Wegen christlicher Symbole auf ihren Fahnen – sagen sie. Das Verhalten der türkischen Ordnungskräfte hat jedoch einen besonderen Hintergrund.

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          Was in Deutschland für Aufregung gesorgt hat, war in der Türkei und den türkischen Medien überhaupt kein Thema. Am Donnerstagabend hatte die Polizei in Istanbul vor dem Spiel von Basaksehir gegen Mönchengladbach Vereinsfahnen der Gästefans konfisziert, andere Borussen-Fans mit Trikots aus Mönchengladbach wurden des Stadions verwiesen. Die Begründung sei gewesen, dass das Stadtwappen Mönchengladbachs ein Kreuz enthalte.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Der Verein Basaksehir wehrt sich gegen diese Darstellung. Dergleichen habe er nicht beobachtet, sagte ein Sprecher des Vereins der F.A.Z. Im Stadion habe er während des Spiels im Gästeblock zudem zahlreiche Fahnen der Gästemannschaft gesehen, die es offenbar ins Stadion geschafft hätten. Am Verhalten der Polizei sei nichts auszusetzen, sagte er. Sie habe vielmehr auch in diesem Fall für die Sicherheit der Gästefans gesorgt, indem sie geprüft habe, ob sich in der Gruppe tatsächlich nur Fans aus Mönchengladbach befunden haben. Die Kritik aus Mönchengladbach wies er als „aufgebauscht“ zurück.

          Gesetz gegen Flaggen und Poster

          Soweit die Darstellung des Vereins. Mutmaßlich prallten vor dem Stadion von Basaksehir Istanbul zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander. Die Fans aus Mönchengladbach hatten wohl erwartet, dass sich die türkische Polizei vor einem Fußballspiel wie deutsche Polizisten verhalten würden. Die türkische Polizei geht jedoch anders als die deutsche vor. Seit mehreren Jahren kontrolliert sie die die Fangruppen beider Seiten sehr genau, scharf und teilweise ruppig. Denn die Ultras vieler türkischer Fans sind dafür bekannt, dass sie Meinungsverschiedenheiten untereinander auch mit Gewalt austragen können.

          Aufgebracht: Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl, hier im April, sprach nach dem Spiel in Istanbul von „grotesken Szenen“.

          Verschärft prüft die Polizei die mitgebrachten Flaggen und Poster, seit die Ultras vor allem der drei traditionsreichen Istanbuler Klubs Galatasaray, Besiktas und Fenerbahce bei den Gezi-Protesten des Jahres 2013 eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hatten. Daher hat die türkische Regierung die Polizei angewiesen, zu verhindern, dass in den Stadien politische Parolen verbreitet werden könnten.

          Es gibt dazu auch ein Gesetz. Es verbietet ausdrücklich das Mitbringen von Flaggen und Postern, die einen politischen Inhalt haben, zu einer sozialen Diskriminierung aufrufen oder einen rassistischen Inhalt haben. Zuletzt sind bei Vereinen, deren Fans als links gelten, vor mehreren Jahren in Stadien noch Poster mit politischem Inhalt gezeigt worden. Daher wird das Gesetz seit etwa fünf Jahren scharf durchgesetzt. Von religiösen Symbolen wie dem Kreuz ist in dem Gesetz aber nicht die Rede.

          Letztlich käme es darauf an, wie die Polizei das Gesetz auslege, sagte der Sprecher von Basaksehir. Das gilt als Schwachpunkt. Denn die Polizisten, die in der Türkei zu Fußballspielen abgeordnet werden, sind unerfahren und meist nur knapp über 20 Jahre alt. Sie gelten als nationalistisch und religiös. Möglicherweise hätten daher Polizisten, nachdem die Situation bereits eskaliert war, auf das Kreuz im Stadtwappen der Gäste hingewiesen, was zu einer weiteren Eskalation geführt habe. Auch türkische Vereine beklagen jedoch, dass die Polizei vor Spielen die Fans beider Mannschaften zu scharf kontrolliere. Neu ist aber, dass die türkische Polizei gegen die Fans einer ausländischen Mannschaft derart ruppig vorgeht.

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