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Frauenfußball : Meister und Enttäuschte

Irgendwie ging vieles daneben: FFC-Torhüterin Desiree Schumann verliert mit ihrem Team 1:2 Bild: picture alliance / Camera4

Neue Zeitrechnung im Frauenfußball? Während der VfL Wolfsburg die Meisterschaft feiert, verspielt der FFC Frankfurt sein Mindestziel Champions League am letzten Spieltag.

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          Am Ende lagen die Spielerinnen des FFC Frankfurt minutenlang auf dem Rasen. Die Enttäuschung über das bittere Saisonende in der Frauenfußball-Bundesliga mit einer 1:2-Niederlage gegen den FC Bayern München nach Toren von Sarah Hagen (31. Minute) und Lena Lotzen (41.) sowie dem späten FFC-Anschlusstreffer durch Lise Overgaard Munk (85.) lähmte die Akteurinnen. In der letzten Partie verspielte das mit Nationalspielerinnen und Weltmeisterinnen gespickte Starensemble somit vor mehr als 3000 Zuschauern die Chance, eine missratene Saison nach zwei Trainerentlassungen doch noch versöhnlich zu beenden.

          Siegerinnenlächeln: Der VfL Wolfsburg feiert die erste Meisterschaft

          Durch die Niederlage rutschte der einstige Vorzeigeverein des deutschen Frauenfußballs noch vom zweiten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt hätte, auf Rang drei ab. Vor den Frankfurterinnen beendeten der VfL Wolfsburg, der am Sonntag die bereits seit Wochen sichere Meisterschaft feierte, und Potsdam ab. Zum vierten Mal innerhalb von fünf Jahren ist der dreimalige Europapokalsieger nun bei den Spielen der Champions League nur Zuschauer. „Das 0:1 hat uns vom Kopf her blockiert“, sagte Interimstrainer Sascha Glass, der nach zuvor vier Siegen im letzten Spiel vor seinem Schritt zurück ins zweite Glied beim FFC erstmals eine Niederlage hinnehmen musste. „Mir tut es leid für den Verein.“ Der steht nun bei der Suche nach einem neuen Trainer vor der schweren Aufgabe, den namhaftesten Kandidaten eine Spielzeit ohne den sportlichen Anreiz einer Europapokalteilnahme schmackhaft machen zu müssen.

          Manager Siegfried Dietrich versuchte zwar unmittelbar nach dem Spiel Optimismus zu verbreiten. Aber auch er kam nicht umhin einzugestehen, dass „wir die Saisonziele ganz klar nicht erreicht haben“.

          Eigene Fehler

          Gegen Bayern München lag es wie so oft in dieser Saison vor allem daran, dass der FFC eine starke Anfangsphase nicht mit einem Tor krönte. Bei der besten Gelegenheit scheiterte die Japanerin Kozue Ando an Bayern-Torfrau Kathrin Längert. Anschließend wurde der FFC, bei dem Dzsenifer Marozsan auf der ungewohnten Position im defensiven Mittelfeld nicht ansatzweise so gut Akzente setzen konnte wie in den Vorwochen als Spielmacherin, von Minute zu Minute nervöser und bereitete die Gegentreffer mit individuellen Fehlern selbst vor.

          Vor dem 0:1 durch einen wunderschönen Schlenzer von Sarah Hagen unterlief Saki Kumagai ein folgenreicher Fehlpass, vor dem zweiten Gegentreffer ließ sich Babett Peter von Laura Feiersinger ausspielen, die Lena Lotzen bediente. Schon da war die Qualifikation für die Champions League quasi verloren, die sich zeitgleich Turbine Potsdam durch einen Sieg in Gütersloh sicherte. Turbine-Trainer Bernd Schröder kommentierte das überraschende Ende vieldeutig. „Über die Saison kriegt man, was man verdient. Das hat sich Frankfurt selbst zuzuschreiben.“

          Sandra Smiseks bitterer Abschied

          So bitter die Spielzeit für den FFC und seine Spielerinnen auf dem Rasen endete, so traurig war auch das Nachspiel. Noch auf dem Platz ließ Sandra Smisek ihrem Ärger freien Lauf. „Ich war sehr traurig, dass nach 21 Jahren Bundesliga und acht Jahren beim FFC der Verein nicht der Öffentlichkeit mitgeteilt hat, dass das heute mein letztes Spiel sein würde. Es wären sicher noch viele gekommen, um sich von mir zu verabschieden“, sagte die 35 Jahre alte Stürmerin. „Ich habe diesen Verein geliebt und acht Jahre meine Knochen dafür hingehalten, und dann so ein Abschied.“ FFC-Manager Dietrich begründete den Verzicht auf eine Pressemitteilung zum Karriereende seiner Spielerin damit, dass er die Konzentration des Teams auf das Spiel nicht habe stören wollen. „Es gingen Mannschaftsinteressen über Einzelinteressen“, sagte Dietrich.

          Unruhe brachte die Causa aber wohl dennoch: Die Enttäuschung über das unwürdige Karriereende der mit zwei Weltmeistertiteln gekrönten und 133 Mal in der Nationalelf eingesetzten Spielerin war auch im Mannschaftskreis ein Thema. Einige Mitspielerinnen hatten wie zum Protest ein Abschieds-Shirt mit den Worten „Happy Smi‘s End 1992-2013“ unter dem Trikot, das sie nur wegen der Niederlage nicht der Öffentlichkeit präsentierten. „Das ist bedenklich, wenn eine so große Spielerin nach mehr als 20 Jahren so ihre Karriere beenden muss“, sagte Saskia Bartusiak. Die Worte lassen tiefe Gräben zwischen Vereinsführung und Team erahnen.

          Immerhin hatte Sandra Smisek zum Schluss noch ein paar Tipps für Manager Dietrich parat. „In den vergangenen Jahren war das wichtigste Kriterium bei der Spielerinnensuche das Nationaltrikot“, sagte Sandra Smisek. „Es ist aber eben nicht so, dass man zehn Nationalspielerinnen nimmt und dann alles gewinnt. Es fehlt die Mischung. Wir haben manche Positionen dreifach besetzt, aber wir sind mit nur zwei Innenverteidigerinnen in die Saison gegangen.“ Vielleicht nimmt sich der FFC die Worte ja zu Herzen. Dann hätte das trostlose Ende einer enttäuschenden Saison vielleicht noch was Gutes.

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