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Frauenfußball : Im Kampf der zwei Welten

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Zerbrechliche Hoffnung: erfolgreiche Frauenfußballmannschaft mit Celia Sasic(Mitte) Bild: AP

Der FFC Frankfurt ist fast der letzte seiner Art in der europäischen Spitze: Für den reinen Frauenfußballklub wäre der Sieg in der Königsklasse Gold wert. Die Konkurrenz enteilt sonst noch mehr.

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          Der wahrscheinliche Abgang von Celia Sasic im Sommer hat den Entscheidern beim 1. FFC Frankfurt mal wieder vor Augen geführt, wie zerbrechlich eine erfolgreiche Frauenfußballmannschaft heute geworden ist. Jessica Fishlock, Veronica Boquete, Celia Sasic - es spricht viel dafür, dass von dieser zentralen, Weltklasse verkörpernden Achse von diesem Freitag an nichts mehr übrig sein wird im Frankfurter Trikot.

          Jessica Fishlock hatte nur einen Vertrag bis zum 1. April, die Waliserin ist zurück bei ihrem Arbeitgeber in der amerikanischen Profiliga. Die spanische Fußball-Globetrotterin Veronica Boquete wird aller Voraussicht nach ihre Reise anderswo fortsetzen. Und dass Celia Sasic gerne vertraglich ungebunden die Weltmeisterschaft im Sommer in Kanada spielen möchte, ist zur Unzeit, nämlich kurz vor dem Champions-League-Finale an diesem Donnerstag in Berlin gegen Paris St. Germain (18 Uhr/ live im ZDF und auf Eurosport), durch einen Bericht der „Frankfurter Rundschau“ öffentlich geworden.

          Für seine drei Großverdienerinnen mit dem großen Wirkungsgrad wird der FFC Ersatz suchen müssen. Neun von elf Spielerinnen aus der Startformation des Meisterschaftsfinals gegen Wolfsburg am Sonntag würden auch in der neuen Saison für den FFC spielen, sagte Trainer Colin Bell. Von einem Umbruch könne keine Rede sein beim Klub, der nach Rang drei in der Bundesliga die Qualifikation für den Europapokal nur mit einem Finalsieg am Donnerstag sichern kann.

          Dennoch ist einiges ins Rutschen gekommen in den vergangenen Jahren im immer noch überschaubaren, aber dynamischer gewordenen Frauenfußballgeschäft. Manager Siegfried Dietrich hat umdenken müssen, was mitunter ein schmerzhafter Prozess war. Dass die besten Spielerinnen früher oder später in Frankfurt landen, gehört der Vergangenheit an. Zumal das Modell, Jahr für Jahr den Kader mit fertigen Starspielerinnen zu füllen, in den Jahren seit dem letzten Triple von 2008 sportlich als gescheitert betrachtet werden kann.

          Quersubventionierte Frauenfußballabteilungen

          Nun kann der Klub zudem gar nicht mehr mithalten im Wettbieten mit den Frauenabteilungen der Männerprofiklubs aus München und Wolfsburg. „Der Frauenfußball bricht in zwei Welten auseinander“, sagt Dietrich. Die zweite Welt neben den künftig sechs Ablegern von Männer-Bundesligaklubs besteht vornehmlich aus ihm als Investor des FFC. Andere profitierten von der finanziellen Ausstattung und den professionellen Bedingungen, „während wir jeden Cent selbst erarbeiten müssen und an natürliche Grenzen stoßen“, so Dietrich. Der 57-Jährige will aber nicht den Anschein erwecken, dass er diese Entwicklung missbilligt. Sondern er will eintreten in den Wettbewerb mit eigenen Ideen. Und so schnell abrücken vom Traum, um jeden Titel mitspielen zu können, wollen die Frankfurter auch nicht. „Wir sind und bleiben konkurrenzfähig“, sagt Coach Bell.

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          Aber die Konkurrenz wächst. Paris St. Germain wurde mit arabischem Investorengeld aufgepäppelt. Fünf deutsche Spielerinnen kommen derzeit in Paris in Genuss der guten Verdienstmöglichkeiten, darunter die ehemalige Frankfurterin Lira Alushi. „Grundsätzlich finde ich es gut, wenn sich Investoren im Frauenfußball engagieren“, sagt Dietrich. Er selbst sei schließlich auch einer beim FFC. „Nur bringe ich nicht auf Scheich-Niveau Güter ein“, sagt er schmunzelnd. Die geänderte Transferpolitik ist Ausweis des Umdenkens beim FFC. Kamen im Vorjahr schon Spielerinnen wie Kathrin Hendrich und Marith Prießen, die in Leverkusen in der Bundesliga quasi flügge geworden waren, setzt der FFC dies auch vor der neuen Saison um.

          „Mit Qualität den Kader verjüngen“ sei das Ziel. Die ersten Verpflichtungen deuten darauf hin. Auch wenn es freilich für die neue Saison auch noch Qualität à la Fishlock/Boquete/Sasic braucht, um dem eigenen Anspruch gerecht werden zu können. Bei mittlerweile vier starken Mannschaften in Deutschland „kann es immer passieren, dass man nur Dritter oder Vierter wird“, sagt Bell: „Nur darf dann nicht alles kaputtgehen.“

          Der Champions-League-Titel wäre jedenfalls in der gegenwärtigen Lage Gold wert - mehr für das Selbstwertgefühl im Klub als aus monetärer Sicht. „Nur“ 250.000 Euro kassiert der Sieger des Wettbewerbs. Und davon müssten Reise- und Organisationskosten beglichen werden, erzählt Dietrich. „Das ist ein gigantischer Unterschied zu den Männern.“

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