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VfB Stuttgart : Weiter mit Kramny durch die Agonie

Vom Retter zum ratlosen Trainer: Jürgen Kramny kann mit dem VfB den Abstieg wohl nicht mehr verhindern Bild: dpa

An die Rettung glaubt beim VfB kaum noch einer, aber Trainer Jürgen Kramny steht auch beim Finale in Wolfsburg an der Seitenlinie. Die Tage des Führungspersonals sind so oder so gezählt.

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          Es ist keine zwei Monate her, da hatte Jürgen Kramny eine schöne Begegnung mit Mainz 05. Bei der 111-Jahr-Feier des selbsternannten Karnevalsvereins war der Trainer des VfB Stuttgart als einer der Helden des ersten Mainzer Bundesliga-Aufstiegs im Jahr 2004 zu Gast. Der Moderator begrüßte den einst in 197 Zweit- und 21 Erstligaspielen eingesetzten und später als A-Junioren- und Kotrainer beim Bundesligaaufstieg angestellten Kramny damals als den „Retter des VfB Stuttgart“.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der 44 Jahre alte Schwabe schien auf dem besten Weg, sich nach Jürgen Klopp, seinem Zimmerkollegen aus Spielertagen, als zweiter ehemaliger Mainzer Profi als Erstligatrainer – wenn auch auf bescheidenerem Niveau- zu etablieren. Er hatte sein Team, das er im Dezember als Siebzehnter vom gänzlich erfolglosen Vorgänger Alexander Zorniger übernommen hatte, bis auf Rang zehn der Tabelle geführt. Am Tag der Mainzer Feier hatte der VfB in zwölf Spielen unter Kramny 22 Punkte geholt und acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz.

          Nur noch ein Punkt

          Seit jenem 16. März hat das Team freilich nur noch ein Unentschieden erspielt. Nach der 1:3-Niederlage bei der nächsten, alles andere als schönen Begegnung Kramnys mit seinem ehemaligen Verein ist nun der zweite Abstieg nach 1975 kaum noch zu verhindern. Zu schwach präsentierten sich die Schwaben trotz einer frühen 1:0-Führung durch Christian Gentner (6. Minute). Nach dem 1:1 durch Yunus Malli (37.) fiel das brüchige VfB-Konstrukt, das Kramny nach dem 2:6-Debakel auf sechs Defensivpositionen inklusive des Saisondebüts von Schlussmann Mitchell Langerak runderneuert ins Spiel schickte, auseinander. Die Mainzer konterten den VfB anschließend nach Belieben aus und hätten mehr Tore als jene beiden durch Jhon Cordoba (53.) und Karim Onisiwo (77.) erzielen müssen.

          Der „Retter“ Kramny droht nun mit dem Tabellen-Siebzehnten unterzugehen - oder muss man sagen: Er darf mit dem Team untergehen. Der Klub sieht jedenfalls von einem weiteren Trainerwechsel ab. „Das ist eine brutale Geschichte“, sagte er mit gänzlich leerem Blick, ehe er mit schwacher Stimme und ohne jede spürbare Überzeugung Durchhalteparolen verbreitete. „Es ist aber noch nicht alles vorbei. Wir müssen uns an der Tabellensituation festhalten.“ Die bietet freilich kaum Anlass zur Hoffnung: Nur bei einem Sieg in Wolfsburg und einer Bremer Niederlage gegen Frankfurt am letzten Spieltag ist noch der Sprung auf Relegationsplatz 16 möglich. In Stuttgart glaubt freilich niemand mehr daran.

          Die entsprechenden Bilder für dieses trostlose Szenario lieferten die Fans im Anschluss an die Partie: Mehrere hundert Anhänger verschafften sich Zugang zum Platz durch die zur Deeskalation von den Ordnern geöffneten Fluchttore. Die Situation blieb, abgesehen von kleineren Scharmützeln zwischen einzelnen Stuttgarter Fans, weitgehend gesittet. Die Fans verschafften sich vor dem Spielertunnel nur in verbaler Form Luft mit Schmährufen wie „Vorstand raus“ oder „Außer Kevin könnt Ihr alle gehen“.

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