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VfB entlässt Trainer Wolf : Stuttgarter Rückfall in alte Muster

Hannes Wolf ist nicht länger Trainer beim VfB Stuttgart. Bild: dpa

Der VfB Stuttgart und Hannes Wolf gehen getrennte Wege. Ein Nachfolger soll schon in den nächsten Tagen präsentiert werden. Die Probleme bei den Schwaben werden dennoch bleiben.

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          Plötzlich ist es doch ganz schnell gegangen in Stuttgart nach der bitteren 0:2-Heimpleite gegen die Königsblauen aus Schalke. Nach der siebten Niederlage im achten Spiel haben sich der Aufsteiger und sein Trainer Hannes Wolf voneinander getrennt, in gegenseitigem Einvernehmen, wie es in solchen Fällen so oft heißt. Nach intensiven und emotionalen Gesprächen, die bis tief in die Nacht gedauert haben sollen, sei man „gemeinsam zu der Überzeugung“ gekommen, den eingeschlagenen Weg nach dem Abstieg in die zweite Liga 2016 und dem direkt geglückten Wiederaufstieg 2017 nicht mehr miteinander weiterzugehen, präzisierte Sportvorstand Michael Reschke. Wie aus dem Vereinsumfeld zu hören ist, war es Wolf selbst, der am Ende des Gesprächs den entscheidenden Satz gesprochen haben soll. Nach dem Motto: dann ohne mich.

          Bundesliga

          Das Verhältnis zwischen den beiden Machtfiguren beim VfB war seit einiger Zeit schon zerrüttet. Spätestens seit der von Reschke nach der 2:3-Pleite in Mainz vor einer Woche öffentlich vorgebrachten Kritik am Spielsystem des jungen Trainers aber schien die einst reibungslose Zusammenarbeit in ihren Grundfesten erschüttert. „Wir müssen uns in dieser Woche zusammensetzen, um uns taktische und spielerische Änderungen zu überlegen“, hatte der 60 Jahre alte Manager gesagt, noch verärgert und enttäuscht über die harmlose Vorstellung der Schwaben gegen den FSV. Zwar versuchte er im Nachgang vehement, diesen indirekten Vorwurf an der Arbeitsweise des 24 Jahre jüngeren Trainers zu zerstreuen. Doch der Unfriede war gesät. Mit Kritik an seiner Arbeit oder gar einer Einmischung von außen ist Wolf schon zu den Zeiten, als er noch Trainer im Jugendbereich bei Borussia Dortmund war, nicht immer gut zurechtgekommen. Und in Stuttgart war diese von Reschke vermutlich aus Überzeugung vorgebrachte Kritik, die nur aus Kalkül anschließend verharmlost wurde, nun das Zünglein an der Waage.

          Unmittelbar nach dem Schlusspfiff am Samstagabend, als der VfB abermals den Eindruck einer ideen- und konzeptlosen Mannschaft vermittelte, die den Herausforderungen in der Beletage des deutschen Fußballs nur ungenügend gewachsen zu sein scheint, hatte Reschke seinem Trainer noch den Rücken gestärkt. Man werde gemeinsam in die Vorbereitung auf das kommende Spiel gegen Wolfsburg am nächsten Samstag gehen, sagte der Rheinländer auf die Frage nach Wolfs Zukunft in Stuttgart. Dann aber folgte das gemeinsame Gespräch mit dem wohl für alle überraschenden Ende. „Leider waren in den letzten Wochen die Ergebnisse und zuletzt auch die Spiele nicht mehr gut genug“, sagte Wolf zu den Trennungsgründen. Auch wenn er sich mit seinem Ko-Trainer Miguel Moreira, der den Verein ebenfalls verlassen wird, bis zum Spiel gegen Schalke auf einem „guten Weg“ gesehen habe.

          Vorbereitet waren sie beim VfB nicht auf diese Entwicklung. Fast eineinhalb Jahre war Wolf Trainer in Stuttgart – länger als viele seiner Vorgänger. 14 Mal wurde dieser Posten in den letzten zehn Jahren neu besetzt. Und mit der Arbeit des 36-Jährigen aus Bochum waren die Verantwortlichen gerade nach der Zweitligameisterschaft in der vergangenen Saison lange Zeit mehr als zufrieden. Mit Wolf sollte eigentlich ein neuer Weg beschritten werden. Nun scheinen sie beim VfB jedoch in ihre alten Muster zurückgefallen zu sein.

          Wer die Mannschaft übernehmen wird, ist derweil noch unklar. „Sie können uns dahingehend vertrauen, dass wir ihnen noch diese Woche eine Lösung präsentieren können“, sagte Präsident Wolfgang Dietrich am Sonntag. Allerdings ist der Markt an verfügbaren und gleichzeitig geeigneten Kandidaten derzeit eher überschaubar. Schon der Hamburger SV musste in der vergangenen Woche einige Kompromisse eingehen, um einen Nachfolger für den entlassenen Markus Gisdol zu finden. Am Cannstatter Wasen wird die Suche gewiss nicht leichter fallen. Als Favoriten auf den vakanten Posten gelten Markus Weinzierl und Andries Jonker.

          Fest steht allerdings, dass es der Neue nicht einfach haben wird mit dem kriselnden Klub. Weil der VfB mit lediglich 20 Punkten auf dem 15. Tabellenplatz steht, drei Punkte vor Werder Bremen auf dem Relegationsrang. Und weil der Kader nur bedingt für den Kampf um den Klassenverbleib gerüstet scheint. Neben Nationalspieler Mario Gomez wurden in der noch bis zum Mittwoch laufenden Transferperiode bislang lediglich Erik Thommy vom FC Augsburg und der erst 19 Jahre junge Jacob Bruun Larsen aus Dortmund geholt. Beides sind keine Spieler, die in den kräftezehrenden und gelegentlich zermürbenden Kellerduellen unmittelbare Besserung versprechen. Zumal Bruun Larsen nur für ein halbes Jahr ohne Kaufoption ausgeliehen ist und den Stuttgartern nicht dauerhaft helfen können wird.

          Dieser Wechsel wurde insbesondere auf den Wunsch von Wolf hin realisiert, der einen großen Wert darauf gelegt hatte, formbare Spieler um sich zu scharen und sie mit der von ihm bevorzugten Identität zu impfen. Dennoch war er nie ein Trainer, der mit seiner Arbeit oder Ergebnissen sonderlich beeindruckt hätte – im Gegensatz etwa zu Schalkes Domenico Tedesco, dessen Team nach dem Sieg durch die Treffer von Naldo (14. Minute) und Amine Harit (19./Foulelfmeter) den Platz in den internationalen Rängen festigte. Wolf war einer, der einen bestimmten Plan verfolgte auf und neben dem Platz. Von diesem Plan ließ er sich jedoch zu keinem Zeitpunkt abbringen. Und dieser Plan hat nun nicht mehr gepasst zur aktuellen Situation beim VfB. Vielmehr hätte es in den vergangenen Wochen einer anderen Mentalität bedurft, widergespiegelt in der Aufstellung und Spielweise, im öffentlichem Auftreten und in den Transferaktivitäten. Dies ist aber nicht geschehen. Deshalb muss sich jetzt Reschke, der verbliebene starke Mann beim VfB, als umsichtiger Konstrukteur eines neuen Stuttgarter Weges beweisen.

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