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3:1 gegen Bremen : Leipzig jagt nur den Ball

  • -Aktualisiert am

Die Mannschaft inklusive Maskottchen jubeln über den Führungstreffer zum 1:0 von Keita. Bild: dpa

Acht Spiele in der Bundesliga – und immer noch ungeschlagen: Aufsteiger RB Leipzig klettert auf Platz zwei nach dem 3:1-Sieg über Bremen.

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          Der Mann des Tages freute sich politisch korrekt, und deshalb nahm Naby Keita, der zwei Tore beim 3:1-Sieg von RB Leipzig über den SV Werder Bremen erzielt hatte (42./74. Minute), das Wort „Bayern-Jäger“ erst gar nicht in den Mund. „Zweiter Platz, das ist toll. Aber wir sind nicht hier, um den Bayern Konkurrenz zu machen, mit ihnen können wir uns nicht messen“, sagte der Guineer in aller Bescheidenheit.

          Andererseits: Die Leipziger sind seit dem Sonntagnachmittag tabellarisch gesehen erster Verfolger des Meisters mit nur zwei Punkten Rückstand. Daraus aber wollte niemand, der bei RB eine wichtige Rolle spielt, etwas Spezielles ablesen. Da erst der achte Spieltag der Fußball-Bundesliga vorbei ist, legte der Leipziger Sportdirektor Ralf Rangnick Wert auf die Feststellung, dass die Tabelle „erst nach dem zehnten Spieltag Aussagekraft hat“. Ach so!

          Die Fans des Aufsteigers, der noch kein Spiel verloren hat, legten keinen Wert auf feinsinnige Unterscheidungen und feierten ihr Team, für das auch noch der ehemalige Bremer Davie Selke traf (90.+5), traf, frenetisch und diskutierten danach die rosige Lage des mit Millionen von einem österreichischen Brausekonzern gesponserten Klubs inklusive aller möglichen Jäger-Perspektiven. Dem hatte Trainer Ralph Hasenhüttl schon vor dem Duell mit den starken Bremern entgegengehalten: „Das einzige, was wir jagen wollen, ist der Ball.“

          Das taten die Sachsen auch am Sonntag wieder mit Hingabe und mussten dabei doch hart für den Sieg kämpfen, nachdem Werder kurz nach dem Leipziger 2:0 durch Gnabrys Tor (78.) den Anschluss geschafft hatte. Unbesiegt, das sind außer dem neuen Tabellenzweiten nur noch Tabellenführer Bayern München und der Ligavierte TSG 1899 Hoffenheim. Die Aussichten für RB Leipzig, eine fabelhafte Startsaison in der Bundesliga hinzulegen, stehen also gut. Aber auch die Bremer schlugen sich am Sonntag mehr als wacker beim Favoriten und waren in ein, zwei Situationen dicht an einer kleinen Überraschung.

          Der Doppelpack-Torschütze Keita. Bilderstrecke
          Der Doppelpack-Torschütze Keita. :

          Die Bremer, zuletzt nach zwei Siegen unter ihrem neuen Trainer Alexander Nouri von Platz 18 bis auf Rang 14 vorangekommen, hatten sich auch in der sächsischen Messestadt etwas ausgerechnet. „Handeln ist besser als hoffen“, gab Nouri vor der Reise nach Leipzig die Tagesparole aus. Entsprechend konzentriert und bissig traten die Bremer auch auf bis zur 42. Minute. Gegen die Fünfer-Abwehrkette von Werder fand RB keinen Weg zum Durchkommen. So entwickelte sich eine einseitige Begegnung, die an ihrer Chancenarmut litt. Lediglich Poulsen besaß schon nach fünf Minuten die Gelegenheit zum Führungstreffer für den hoch gehandelten Neuling, scheiterte aber mit seinem Schuss an Torhüter Wiedwald.

          Danach spürten die 42.558 Zuschauer in der ausverkauften Arena, wie viel Frust auf Seiten der immer wieder gebremsten Leipziger im Spiel war. Kaiser, Keita und Forsberg bekamen nach Fouls die Gelbe Karte vorgehalten. Als schon alles auf ein 0:0 zur Pause deutete, probierte es der 21 Jahre alte Guineer Naby Keita auf eigene Faust. Sein Solo vorbei an drei Bremern inklusive Torhüter Wiedwald veredelte der Mittelfeldspieler, eine der Triebfedern im Leipziger Spiel, zum 1:0 (42.).

          Nationalspieler Joshua Kimmich, jetzt eine jugendliche Größe des FC Bayern München, zuvor eines der großen Talente von RB, freute sich darüber auf der Tribüne. Dort saß auch der Juniorennationalspieler und olympische Silbermedaillengewinner Lukas Klostermann, dem im September das Kreuzband im rechten Knie riss. Der Westfale, ein A-Nationalspieler in spe, verlängerte am Wochenende seinen Vertrag mit den Leipzigern bis 2021.

          Nach dem Wechsel wurde die Auseinandersetzung offener geführt, und es fielen noch zwei Tore. Zunächst erhöhte Keita, so etwas wie der Mann des Tages, nach einer Flanke des eingewechselten früheren Bremers Davie Selke per Kopf auf 2:0 (76.). Wenig später machte Gnabrys Tor zum 1:2 (78.) das Spiel wieder spannend, ehe Selke in letzter Minute die Verhältnisse mit dem Treffer zum 3:1 endgültig regelte. Dennoch fand Trainer Hasenhüttl das ein oder andere Haar in der Suppe. „Über das Gegentor müssen wir einfach reden, das war die absolute Keule. Da müssen wir einfach cooler sein. Da geht den jungen Spielern manchmal noch der Gaul durch.“ Leicht fiel RB der mit dem Aufstieg auf Platz zwei verbundene Sieg nicht. Und das durfte auch als dickes Kompliment an die Adresse der Bremer verstanden werden.

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