https://www.faz.net/-gtm-8odgc

Aus für Trainer Schuster : Zu viel Darmstadt, zu wenig Augsburg

Aus und vorbei: Dirk Schuster wird als Trainer in Augsburg entlassen. Bild: dpa

Nach nicht einmal einem halben Jahr entlässt der FC Augsburg Trainer Dirk Schuster. In der Begründung des Vereins zur Trennung lässt sich erkennen, dass es nicht nur am sportlichen Misserfolg lag.

          2 Min.

          Bis Mittwoch war der FC Augsburg ein außergewöhnlicher Bundesligaklub: der einzige, der in fünfeinhalb Jahren erster Klasse noch nie einen Trainer entlassen hat. Nicht mal den jungen Markus Weinzierl schickte man weg, als er in seinem ersten Halbjahr in der Bundesliga bis Weihnachten 2012 nur neun Punkte aus siebzehn Spielen geholt hatte. Lieber entließ man den Manager. Weinzierl dankte es mit dem Klassenverbleib und mit einem Aufschwung, der im Februar 2016 bis in die K.-o.-Runde der Europa League führte. Nun ist sein Nachfolger Dirk Schuster, der den nach Schalke Abgewanderten im Sommer ablöste, trotz einer weit besseren Auftaktbilanz entlassen worden: vierzehn Punkte aus vierzehn Spielen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          In Augsburg geht man stiller und gelassener bei solchen Entscheidungen vor als an vielen anderen Standorten der Liga. Man hat keine aufgeregte Medienlandschaft zu bändigen und keine aufgeblähten Gremien, die die Pferde scheu machen. Wenn dieser Klub trotz noch passabler Tabellensituation und trotz mildernder Umstände durch großes Verletzungspech einen solchen Schritt vollzieht, muss es tiefere Gründe und Sorgen geben, auch und gerade bei der Mannschaft. Die Formulierung, mit der die Trennung von Schuster und seinen beiden Assistenztrainern offiziell begründet wurde, deutet sie an: Es gebe „unterschiedliche Auffassungen über die weitere sportliche Ausrichtung und die Art und Weise, wie der FCA Fußball spielen will“.

          Vorerst agiert Manuel Baum, Cheftrainer des Nachwuchses, ersatzweise als Cheftrainer der Profis. Der 37-Jährige, der das Team in den beiden letzten Spielen vor der Winterpause, Samstag gegen Borussia Mönchengladbach, drei Tage später in Dortmund, betreuen wird, ist seit 2014, so der Klub, „für eine enge Verzahnung zwischen Lizenz- und Nachwuchsabteilung sowie für die Umsetzung der Spielphilosophie des FCA im Nachwuchsbereich verantwortlich“.

          Es ist ein entscheidender Hinweis. Diese Spielphilosophie war unter Schuster nicht mehr erkennbar. Dem früheren Nationalspieler, der Darmstadt 98 aus der dritten in die erste Liga geführt und dort den Klassenverbleib durch eine gekonnte Guerrilla-Taktik mit langen Bällen, vielen Standards und beinharter Defensive geschafft hatte, gelang es nicht, die gewohnten Stärken der spielfreudigeren und vor allem in Heimspielen seit Jahren druckvoll auftretenden Augsburger zur Geltung zu bringen. Die Mannschaft erzielte unter ihm nur einen Heimsieg. Sie schoss nur elf Tore in vierzehn Spielen, weniger hat keine andere. Schuster und sein Fußball schienen nie recht angekommen beim neuen Klub: zu viel Darmstadt, zu wenig Augsburg.

          Viel schlechter hätte er es personell allerdings auch kaum erwischen können, vor allem in der Offensive. Caiuby ist seit dem zweiten Spieltag verletzt, Alfred Finnbogason seit dem sechsten, und Raúl Bobadilla hat seit September nur zehn Minuten spielen können – in denen er zum 2:0-Sieg in Ingolstadt Anfang November, dem letzten des Teams, ein Tor und eine Torvorlage beisteuerte. Seitdem hat der nahezu sturmlose FCA in vier Spielen nur noch ein Tor erzielt und vor allem bei der 0:1-Niederlage am Samstag in Hamburg eine desolate Darbietung geliefert.

          Es ist die bereits sechste Trainerentlassung der Saison in der Bundesliga. Keiner der sechs Klubs, die das letzte Tabellendrittel bilden, hat noch denselben Trainer, mit dem man in die Saison gegangen ist. Dabei war Schuster noch im August nach der Wahl durch Deutschlands Sportjournalisten als „Trainer des Jahres“ gekürt worden. Diese Auszeichnung, seit 2002 vergeben, hatten neben den Bundestrainern Jürgen Klinsmann und Joachim Löw ausschließlich Klubtrainer erhalten, die mit ihrer Mannschaft Meister oder wenigstens Zweiter der Bundesliga geworden waren. Schuster wurde es nach Platz vierzehn in Darmstadt. Nun ist er in Augsburg auf Platz dreizehn entlassen worden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Alexander Zverev ist bei den Australian Open auf dem Weg zu alter Form.

          Australian Open : Die neue wirkungsvolle Waffe von Zverev

          Nach einer schweren Zeit läuft es für Alexander Zverev bei den Australian Open wieder. Dabei hilft ihm die Macht der positiven Gedanken. Nun trifft er auf einen Gegner, den er bestens kennt – und der ein guter Freund ist.
          Gelände getroffen: Die amerikanische Botschaft am Fluss von Tigris in Bagdad, Irak.

          Irak : Rakete trifft amerikanische Botschaft in Bagdad

          Es ist nicht der erste Raketenangriff auf amerikanische Ziele in Irak: Doch nun hat eine Rakete das Gelände der amerikanischen Botschaft in Bagdad direkt getroffen. Mindestens drei Menschen sollen verletzt worden sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.