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DFL-Chefin muss gehen : Donata Hopfen beklagt mangelnden Rückhalt

  • Aktualisiert am

Wird abgelöst: Donata Hopfen Bild: picture alliance/dpa

Die Deutsche Fußball Liga vollzieht einen Führungswechsel: Nach weniger als einem Jahr Amtszeit verliert Geschäftsführerin Donata Hopfen ihren Posten – und äußert sich in den sozialen Netzwerken.

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          DFL-Aufsichtsrat Oliver Leki schlenderte mit Rollkoffer ins Hotel, während Gremien-Chef Hans-Joachim Watzke dort noch beim Krisengipfel des DFB mit Hansi Flick diskutierte. Knapp drei Stunden später verkündete Watzke, dass die Deutsche Fußball Liga und Geschäftsführerin Donata Hopfen zum Jahresende die Zusammenarbeit beenden.

          Der derzeit beim SC Freiburg angestellte Leki und Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt sollen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur nun als Doppelspitze interimsweise die DFL-Führung übernehmen.

          Multi-Funktionär Watzke war am Mittwoch gleich doppelt als Krisenmanager gefragt. Während Flick nach dem Treffen mit Watzke und DFB-Präsident Bernd Neuendorf weitermachen darf, kam für Hopfen das Aus. Die DFL beendete das Dienstverhältnis mit der 46-Jährigen „einvernehmlich“, wie es in einer Mitteilung hieß. 

          „Intensive Monate“

          Grund für die Trennung seien unterschiedliche Vorstellungen über die weitere strategische Ausrichtung der Gesellschaft, hieß es weiter. Hopfen hatte den Vorsitz des Gremiums erst zu Jahresbeginn als Nachfolgerin von Christian Seifert angetreten.

          Watzke ließ sich in der Mitteilung pflichtschuldig mit netten Worten zitieren: „Ich bedanke mich bei Donata Hopfen für ihren großartigen Einsatz und die intensiven Monate, in denen wir sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet haben.“ Die erste Frau an der Spitze eines großen deutschen Fußballverbandes hatte aber offensichtlich Probleme mit den Bundesliga-Managern um Watzke. 

          „Ich bin dankbar für die Zeit und die Arbeit mit den Clubs und meinem Team“, wird Hopfen in einer Mitteilung der DFL zitiert. „Das war eine intensive Zeit, ich habe viele großartige Menschen kennen und schätzen gelernt. Ich gehe in dem Bewusstsein, die richtigen Dinge angestoßen zu haben.“

          Kurz darauf äußert sich Hopfen selbst im sozialen Netzwerk LinkedIn und beklagt mangelnde Rückendeckung: „Ich bin in diesen Job, wie viele vor mir, von außen gekommen, als Nicht-Fußballer, als Frau mit einem klaren Plan, wie die DFL in die Zukunft geführt werden kann: Digital, International und mit starken Partnern und Gesellschaftern“, heißt es in dem Statement.

          Und weiter: „Eine solche Transformation ist ein Kraftakt und erfordert Mut. Oft agiert man auf neuem Terrain, positive Ergebnisse zeigen sich meist erst sehr viel später. Für all das braucht man einen langen Atem, den Rückhalt und das gemeinsame Agieren aller Stakeholder. Dieses habe ich am Ende nicht mehr gespürt.“

          Die Liga hat Probleme

          Zur neuen Saison soll die Geschäftsführung wieder neu verteilt werden. Leki und Hellmann sollen bis dahin die Geschäfte führen. Offiziell ist diese Regelung aber noch nicht. So oder so hat die neue Führung jedoch viele Dinge zu erledigen.

          Die hinter den Kulissen schon seit Monaten geführten Diskussionen um die erst im Januar dieses Jahres gestartete Hopfen zeigen, dass die Liga viele Probleme zu bewältigen hat.

          Die Unterschiede zwischen den Branchengrößen wie Bayern München oder Borussia Dortmund auf der einen Seite und Zweitliga-Aufsteigern auf der anderen sind naturgemäß groß, die Bedürfnisse sehr unterschiedlich. Zu den schwierigen Aufgaben der DFL-Führung gehört der Interessenausgleich, der nach dem Ausstieg des allseits angesehenen Hopfen-Vorgängers Christian Seifert nicht einfacher geworden ist.

          Das Dauerbrenner-Thema 50+1 hat weiter großes Streitpotenzial. Das Kartellamt drängt auf Klärung. Die Behörde hat nicht grundsätzlich etwas gegen die nur in Deutschland geltende Einschränkung für Investoren, sondern gegen die Ausnahmeregelung für die drei Bundesligaklubs Bayer Leverkusen, TSG 1899 Hoffenheim und VfL Wolfsburg. Das Problem stammt noch aus der Zeit von Seifert, ist aber immer noch nicht geklärt. Unter Hopfen war keine Lösung in Sicht.

          Das wichtigste Thema der DFL ist die Inlandsvermarktung, die derzeit 1,1 Milliarden Euro pro Spielzeit bringt. Die Klubs wollen nach dem Rückgang der Einnahmen infolge der Corona-Krise beim nächsten Vertrag wieder mehr.

          Im ersten Quartal 2024 ist die Ausschreibung der audiovisuellen Medienrechte geplant, aber zuvor sind mehrere Schritte notwendig - wie zunächst die Abstimmung mit dem Kartellamt. Das wäre die erste große Aufgabe von Hellmann und Leki.

          Eine weitere Baustelle nach der kurzen Hopfen-Ära ist der Investoren-Einstieg. Die DFL arbeitet derzeit daran, dass ein Teil der Medienrechte an Investoren verkauft werden kann - so wie es andere Ligen bereits getan haben. Das Projekt ist allerdings umstritten.

          Die von Hopfen im September angekündigten Regionalkonferenzen hat es bisher nicht gegeben. Es gibt eine Arbeitsgruppe. Eine Mehrheit für dieses Milliarden-Projekt ist bei den 36 Klubs nicht erkennbar.

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