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FC Augsburg : Schuster und die passenden Schuhe

  • -Aktualisiert am

Verbindung, die noch wachsen muss: Dirk Schuster und sein neues Team. Bild: Imago

Solide Strukturen und etabliert in der Bundesliga. Der FC Augsburg ist der nächste Schritt für Trainer Dirk Schuster. Manches ist aber dennoch wie in Darmstadt – nur auf höherem Niveau.

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          Eigentlich hat es Dirk Schuster nicht mehr nötig, irgendetwas oder irgendjemandem nachzueifern. Dazu war er in der vergangenen Saison zu erfolgreich. Aber vielleicht hilft ihm bei seinem neuen Verein, einen Blick zurück in der Geschichte des FC Augsburg zu werfen, ins Jahr 2012, als Markus Weinzierl die Mannschaft übernommen hatte. Jener Weinzierl, über den Schuster nun respektvoll sagt, er habe „große Fußstapfen hinterlassen“. Damals hatte der so ähnlich über Vorgänger Jos Luhukay geredet und fand nach einer schwierigen ersten Saison dann doch noch die passenden Schuhe für die riesigen Abdrücke.

          Schuster hat es jetzt sicher etwas leichter als Weinzierl vor vier Jahren. Der FC Augsburg ist mittlerweile etabliert in der Bundesliga, wenngleich die Teilnahme an der Europa-League in der vergangenen Saison eher eine Ausnahme sein dürfte. Das „primäre Ziel“, sagt Schuster, „ist es, den Klassenerhalt zu schaffen. Alles andere wäre sehr vermessen und auch ein bisschen unrealistisch.“ Er findet solide Strukturen vor und mit Stefan Reuter einen tüchtigen und in der Branche mittlerweile anerkannten Manager. Für ihn ist es der nächste Schritt in seiner Trainerkarriere, denn er findet bei den Schwaben, was ihm Darmstadt nicht hätte bieten können. Und für den FC Augsburg ist der frühere Profi die fast logische Lösung nach Weinzierls Abschied Richtung Schalke 04.

          Dass der Trainerwechsel nun auch einen kleinen Umbruch mit sich bringt in der Mannschaft, war so wohl nicht geplant. Aber in den vergangenen Tagen hatte sich nacheinander die komplette Stammbesetzung in der Innenverteidigung verabschiedet. Zwar wussten die Schwaben um die Schwierigkeiten, die der Verkauf von gleich zwei Säulen mit sich bringen würde, denn der erst 20 Jahre alte Marvin Friedrich vom FC Schalke 04 ist eher als Perspektivspieler denn als Stammkraft vorgesehen.

          Aber beim FC Augsburg geht es wie bei Schusters früherem Verein Darmstadt auch immer ums Geld, wenngleich auf einem etwas höheren Niveau. Der Transfer von Ragnar Klavan zum FC Liverpool soll rund fünf Millionen Euro Ablöse eingebracht haben, der von Jeong-Ho Hong nach China laut „kicker“ sogar sechs Millionen Euro. Da der Vertrag mit Klavan im nächsten Jahr ausgelaufen wäre und der Spieler dann hätte ablösefrei wechseln können, willigten die Augsburger ein, zumal sie bereits einen neuen Innenverteidiger an der Hand hatten. Die Verpflichtung von Gojko Kacar wurde fast gleichzeitig mit der Bestätigung des Wechsels von Klavan verkündet.

          Augsburg bleibt sich bei der Spielersuche treu

          Die Philosophie von Schuster bei der Spielersuche ähnelt in einem Punkt ein bisschen der seines neuen Vereins. Beide haben gute Erfahrungen gemacht mit Spielern, die bei ihren Vereinen ausgemustert wurden. Deshalb ist es nicht überraschend, dass sowohl Reuter als auch der neue Trainer den Serben bereits länger im Fokus hatten. „Er ist genau das, was wir gesucht haben“, sagt Schuster. „Er ist vielseitig einsetzbar.“ Nicht nur in der Innenverteidigung, sondern auch im defensiven Mittelfeld. Kacar hatte sechs Jahre beim Hamburger SV gespielt, sich aber zunächst wegen vieler Verletzungen nicht durchsetzen können.

          Gojko Kacar wechselt nach sechs Jahren beim HSV und einem kurzen Intermezzo in Japan zu den Schwaben.

          Nachdem er zwischendurch für ein paar Monate nach Japan ausgeliehen worden war, erlebte er bei den Hanseaten dann doch noch ein kleines Hoch. Seine drei Tore am Ende der Saison 2014/2015 waren verantwortlich dafür, dass es der HSV überhaupt in die Relegation geschafft hatte. Aber das zählte ein Jahr später nicht mehr, der Verein wollte ihm in diesem Sommer keinen neuen Vertrag mehr geben. Dass er nun in Augsburg deutlich weniger verdient als zuletzt in Hamburg, stört den 29 Jahre alten ehemaligen Nationalspieler nicht. „Ich will glücklich sein. Geld allein macht nicht glücklich.“

          Es ist gut möglich, dass die Augsburger einen weiteren Spieler verlieren. Alexander Esswein zieht es zu Hertha BSC Berlin. Aber für diesen Fall hat der Klub bereits vorgesorgt. In Takashi Usami haben sie sich früh im Sommer einen Offensivspieler gesichert. Der 24 Jahre alte Japaner war nach mehr oder weniger erfolglosen Engagements beim FC Bayern und der TSG Hoffenheim wieder zurück in seine Heimat gewechselt und wagt nach drei Jahren bei Gamba Osaka nun einen zweiten Versuch. Bei Schuster ist er dafür sicher ganz gut aufgehoben.

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