https://www.faz.net/-gtm-8em5g

2:2 gegen Augsburg : Darmstadt holt einen Punkt für Johnny

  • -Aktualisiert am

Im Geiste eines verstorbenen Freundes: Darmstadt 98 gedenkt des verstorbenen Johnny Heimes Bild: dpa

Darmstadt 98 widmet das Unentschieden gegen den FC Augsburg Jonathan Heimes. Er war für viele Spieler ein Vorbild. Sein Krebstod hat den gesamten Verein und dessen Anhänger tief bewegt.

          4 Min.

          Das letzte Wort vor diesem denkwürdigen Spiel hatte der Verein. Als sich die Teams von Darmstadt 98 und dem FC Augsburg am Mittelkreis zu einer Schweigeminute aufstellten, sagte der Stadionsprecher zwei Sätze, die viele Zuschauer schon in der Todesanzeige in der Lokalzeitung gelesen hatten: „Johnny, wir sind dankbar dafür, ein Teil Deiner Geschichte zu sein. Du wirst für immer ein Teil unserer Geschichte sein.“

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          In der folgenden Minute hätte man im Uraltstadion am Böllenfalltor eine Stecknadel fallen hören. Die „Lilien“ trauerten um Jonathan „Johnny“ Heimes, der nach langer Krebskrankheit am vergangenen Dienstag im Alter von 26 Jahren gestorben war. Der krebskranke Junge und der Bundesligaverein – es ist eine der erstaunlichsten Geschichten, die der Fußball hierzulande in den vergangenen Jahren geschrieben hat.

          „Ohne ihn in einer anderen Liga“

          Der Darmstädter Trainer Dirk Schuster hatte sie unter der Woche „nach dieser beschissenen Nachricht von Johnnys Tod“ noch einmal zusammengefasst. „Ohne ihn“, sagte er in seinem typischen Duktus, „wären wir heute in einer anderen Liga tätig.“ Nicht in der Bundesliga. In Liga drei vielleicht, irgendwo da unten, wo der Klub mit seinen bescheidenen Möglichkeiten ja auch hingehörte, wenn die Mechanismen im geschäftsmäßigen Fußball genau so funktionierten wie in anderen Wirtschaftszweigen.

          Doch der Fußball ist anders, manchmal jedenfalls, er lebt auch von Emotionen, vom eigentlich Unmöglichen, von „Wundern“, wie das gerne heißt.

          Kerzen für Johnny: Die Fans gedenken am Böllenfalltor Bilderstrecke

          Ein solches Wunder fand am 19. Mai 2014 im Bielefelder Stadion statt. Für Darmstadt 98 ging es um den Aufstieg in die zweite Liga, für Bielefeld darum, den Abstieg aus ihr zu verhindern. Die Arminia hatte das Hinspiel in Darmstadt 3:1 gewonnen, und die Sache war klar. Darmstadt 98 würde bleiben, was es war: ein armer, kleiner Drittligist. Doch es kam anders. Trainer Schuster verordnete seinem Team die Motivationsbändchen, mit deren Verkauf Jonathan Heimes Geld für die Kinderkrebsstation der Frankfurter Uniklinik sammelte (seit 2013 sind dabei mehr als 350 000 Euro zusammengekommen). „DUMUSSTKÄMPFEN. Es ist noch nichts verloren“ steht auf den Bändchen.

          Die Stimmung beim Training sei gedrückt gewesen, hatte Schuster unter der Woche gesagt. Gegen Augsburg aber, da war er sich sicher, werde es an Power und Motivation nicht fehlen. „Wir müssen in diesem Spiel wieder funktionieren“, sagte er, „wir müssen in Johnnys Sinn gewinnen. Er hätte sich nichts mehr gewünscht, als dass wir es am Ende der Saison geschafft haben, in der Bundesliga zu bleiben.“ Und so gingen die „Lilien“ in die Partie, die beide Teams mit Trauerflor bestritten. Darmstadt konzentriert, laufstark und beinhart wie immer, noch druckvoller als sonst, und es dauerte auf dem Anfang der Woche frisch verlegten Rasen nur zwölf Minuten, ehe sie Mario Vrancic aus kurzer Entfernung in Führung brachte.

          Es war das erste Tor für Jonathan Heimes, der vor seiner Krankheit nicht nur ein fabelhaftes Tennis- und Fußball-Talent gewesen war, sondern bis zuletzt auch ein wandelndes Sportlexikon. NBA-Basketball, Golf, Schwimmen, Triathlon, Boxen, egal was, er kannte sich aus. Vor allem natürlich im Fußball. Die Lage im Abstiegskampf der zweiten türkischen Liga – natürlich kannte er die, und es wunderte ihn immer ein wenig, dass sogenannte Fußballexperten von so vielem nichts wussten, dass er mit ihnen nicht vernünftig diskutieren konnte. Er selbst war mit zwölf Jahren Hessenmeister im Tennis gewesen, trainierte beim TEC Darmstadt mit Andrea Petkovic, war ein großes Talent, ehe er zwei Jahre später die Krebsdiagnose bekam: bösartige Tumoren im Kopf, später auch in der Wirbelsäule. Acht Operationen, 24 Chemotherapien, drei Hochdosis-Chemotherapien mit Stammzellenübertragung und 55 Bestrahlungen stand er durch mit einer unbeugsamen Liebe zum Leben. Auch eine Querschnittslähmung änderte nichts an seiner Überzeugung: Aufgeben ist keine Option.

          Weitere Themen

          Schlägerei nach Fußballspiel in Peru Video-Seite öffnen

          Fußballfeld oder Schlachtfeld? : Schlägerei nach Fußballspiel in Peru

          Im peruanischen Cusco kippte ein Pokalmatch direkt nach dem Abpfiff in eine Schlägerei um. Spieler und Fans des Verliererteams stürmten nach dem letzten Pfiff auf den Platz und griffen die Schiedsrichter sowie das siegreiche Team an.

          Topmeldungen

          Der Verleger Holger Friedrich hat sich gleich in mehreren Punkten verrechnet.

          „Berliner Zeitung“ : Verleger Friedrich hat sich verspekuliert

          Stasi-Vorwürfe, Interessenkonflikt und nun auch noch eine Abfuhr des Berliner Senats. Für den IT-Millionär Holger Friedrich erweist sich sein Investment in den Berliner Verlag als echtes Problem. Sein Geschäftsmodell steht in Frage.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.