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Neuer VfB-Trainer Weinzierl : Im zweiten Anlauf dem Absturz entgegen

Markus Weinzierl war zuletzt Trainer bei Schalke 04. Nun übernimmt er beim VfB Stuttgart. Bild: AP

Der VfB Stuttgart und Markus Weinzierl kommen jetzt doch zusammen. Die Schwaben handeln schnell – das ist zumindest für den neuen Trainer gut. Doch gilt das auch für den Bundesligaklub?

          Nun also doch Markus Weinzierl. Der 43-Jährige galt schon vor der Verpflichtung von Tayfun Korkut als der eigentliche Favorit auf den Trainerposten beim VfB Stuttgart. Damals, im Januar dieses Jahres, als der Fußball-Bundesligaklub einen Nachfolger für den gescheiterten Hannes Wolf suchte, agierten die Schwaben jedoch zu forsch im Werben um den in Straubing geborenen Fußballlehrer. Der VfB wollte schneller zum Abschluss der Vertragsgespräche kommen, als es Weinzierl konnte, heißt es. Unter anderem, weil sich dieser noch nicht mit seinem vorherigen Arbeitgeber Schalke 04 auf eine Auflösung des ursprünglich bis Sommer 2019 gültigen Vertrages geeinigt hatte. Doch die Stuttgarter hatten es eilig. Und deshalb wurde stattdessen Korkut als Cheftrainer präsentiert.

          Auch jetzt, etwas mehr als acht Monate später, scheinen es die Schwaben eilig gehabt zu haben mit der Suche nach einem Nachfolger – nun für den am Sonntag entlassenen Korkut, der nach der 1:3-Niederlage gegen Hannover 96 seinen Posten räumen musste. Bereits zwei Tage danach verkündete der VfB: Es hat geklappt mit Weinzierl. Diesmal tatsächlich. Ein bis einschließlich 30. Juni 2020 gültiger Vertrag sei unterschieben worden, Verein wie Trainer seien glücklich über die Übereinkunft und die anstehende Zusammenarbeit. Am Mittwoch wird er offiziell vorgestellt, anschließend leitet Weinzierl erstmals das Training der Stuttgarter.

          Der Absturz droht

          Diese Eile erstaunt, ist mit Sportvorstand Michael Reschke doch ein Rheinländer in der verantwortlichen Position für derartige Personalentscheidungen. Doch mit der rheinischen Gelassenheit hatte es der 61 Jahre alte Manager in den vergangenen Wochen nicht so sehr. Die Erfolge blieben aus in der Bundesliga. Nur ein Sieg aus sieben Spielen, mit fünf Punkten Tabellenletzter: Der VfB ist in der zweiten Saison nach dem Aufstieg ein weiteres Mal an seinen zu hohen Zielen gescheitert. Reschke umschrieb diese im August gegenüber dieser Zeitung noch wie folgt: erst im Mittelfeld der Tabelle festsetzen, dann den Blick nach oben wenden. Zumindest für den Moment droht jedoch der Absturz. Der Gedanke an den abermaligen Gang in die Zweitklassigkeit schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Stuttgarter Talkessel. Weinzierl soll diesen Absturz verhindern.

          Man wolle den Markt mit der gebotenen Ruhe und Sorgfalt sondieren, hieß es zuvor von Reschke und dem Präsidenten Wolfgang Dietrich. Die Hoffnung: einen Trainer zu verpflichten, der die Entwicklung der Mannschaft weiter vorantreibt und schon das nächste Spiel gegen den Tabellenführer Borussia Dortmund (20. Oktober) nach der Länderspielpause leiten kann. Dass es nun doch so schnell gegangen ist, ist zunächst gut für Weinzierl, dem elf Tage Zeit für die Vorbereitung auf das wichtige Spiel gegen den BVB bleiben. Aber ist es auch gut für Reschke und den VfB?

          Andere Kandidaten für den Posten, etwa die ehemaligen Dortmunder Trainer Peter Stöger und Peter Bosz oder auch der frühere Leipziger Erfolgscoach Ralph Hasenhüttl, dürften sich nicht unbedingt aufgedrängt haben für den Schleudersitz an der VfB-Seitenlinie. Zehn Trainer hat dieser in den vergangenen fünf Jahren bereits verschlissen, Weinzierl, der früher einmal für den Stadtrivalen Stuttgarter Kickers (1999-2001) aktiv war, ist nun die Nummer elf. Er soll den Klub wieder zurückführen zu den Tugenden, die maßgeblich waren für den Erfolg in der zurückliegenden Saison, als der VfB aus der zweiten Liga kommend am Ende auf den siebten Tabellenplatz stand und das internationale Geschäft nur knapp verpasste: aus einer kompakten Defensive heraus mit jungen und mutigen Spielern im Mittelfeld schnell umzuschalten und Angreifer Mario Gomez in aussichtsreiche Abschlusspositionen zu bringen. Dies gelang Korkut zuletzt immer seltener, auch weil er zu oft auf die falsche – weil zu defensive – Grundordnung gesetzt hatte.

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          „Ich bin vom Potential der Mannschaft überzeugt“, sagt Weinzierl, der „darauf brennt“, die schwierige Aufgabe in Stuttgart anzugehen. Und Reschke ist sich sicher, den „richtigen Trainer“ gefunden zu haben, der „weiß, worauf es ankommt in dieser Situation“. Beide stehen aber vor einer Bewährungsprobe. Weinzierl muss zeigen, dass er nach seinen Erfolgen mit dem FC Augsburg und der durchwachsenen Zeit bei Schalke 04 auch mit dem sensiblen Umfeld beim VfB zurechtkommen kann. Und für Reschke gilt es, der mutigen Zielsetzung des Vereins endlich Taten folgen zu lassen.

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