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1:2 in Leipzig : Bayern München verliert erstmals seit November

Leipziger Freude: RB hat Bayern München besiegt Bild: dpa

Seit November war Bayern München ungeschlagen. Nun hat es den designierten Meister in Leipzig trotz Führung erwischt. Die Meisterschaft gibt es dank Naby Keita und Timo Werner nun wohl doch erst nach Ostern.

          3 Min.

          Jupp Heynckes war schon im Kabinengang verschwunden, als Trainer Ralph Hasenhüttl auf den Platz gerannt kam, seine Spieler umarmte und den ganz besonderen Moment so lange wie möglich genießen wollte. RB Leipzig hatte es im vierten Duell seiner kurzen Bundesligageschichte geschafft, zum ersten Mal gegen den FC Bayern München zu gewinnen. Nach drei Niederlagen war Leipzig am Sonntagabend ein verdienter 2:1-Sieger nach Toren von Naby Keita (37. Minute) und Timo Werner (56.), nachdem Sandro Wagner die Bayern früh in Führung gebracht hatte (12.).

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Wir haben nicht so in unser Spiel rein gefunden. Leipzig hat gut gepresst und schnell in die Spitze gespielt. Wir hatten nicht so die Ruhe. Das haben sie mit ihren schnellen Leuten ausgenutzt“, sagte Torwart Sven Ulreich nach der zweiten Niederlage unter Heynckes, der auch von einem verdienten Sieg der „überragenden Leipziger“ sprach.

          Bundesliga

          Nach der Länderspielpause können die Bayern das nächste Spiel aber womöglich schon gleich wieder zu einer schönen Feier nutzen – gegen Borussia Dortmund würden sie, wenn Schalke patzt, bei einem Sieg deutscher Meister.

          Leipzig wiederum krönte die bisher erfolgreichste Woche des Jahres: Nach dem Einzug ins Viertelfinale der Europa League ein Sieg gegen die Bayern, mit dem sie dem Einzug in die Champions League wieder ein Stück näher kamen. „Wir hätten nur ein paar Tore mehr schießen könne“, sagte Sportdirektor Ralf Rangnick. „Aber der Gesamtauftritt war klasse.“

          Forsch auch ohne Forsberg und Werner

          Die Voraussetzungen für RB Leipzig, am 27. Spieltag ausgerechnet gegen den Meister den Anschluss zu halten, waren vorab eigentlich ziemlich ungünstig. Schalke, Dortmund und Frankfurt hatten ihre Spiele allesamt gewonnen und den Vorsprung auf den Tabellensechsten zunächst ausgebaut. Und zwischen dem Spitzenspiel gegen den FC Bayern und dem Einzug in das Viertelfinale der Europa League in Sankt Petersburg lagen auch nur 72 Stunden. Wegen dieser Belastung verzichtete Hasenhüttl zunächst auf Werner und Forsberg, ließ aber sein Team in einem neuen und besonders forschen 3-4-3-System auf die Münchner los.

          Doch schon nach neun Minuten schien dieser Plan halbwegs dahin. Sabitzer musste wegen Verletzung am Sprunggelenk ausgewechselt werden, für ihn kam Werner. Ein echter Kaltstart für den Nationalspieler bei eisigen Temperaturen. In der zwölf Minute folgte der nächste Rückschlag. Müller hatte mit einem klugen Pass Raum und Zeit für James geschaffen, dessen perfekte Flanke am Fünfmeterraum Wagner fand, der keine Mühe hatte, den Ball unbedrängt mit dem Kopf zum 1:0 ins Tor zu bringen. Erste Chance, erstes Tor – das war auch meisterliche Effizienz eines FC Bayern, der ebenfalls nicht mit seiner Top-Startelf angetreten war. Davon konnte sich Leipzig etwas abschauen.

          Da schien noch alles normal zu laufen: Sandro Wagner (links) bringt die Bayern in Führung Bilderstrecke
          Bundesliga : Bundesliga

          An Engagement ließen es RB trotz des Dämpfers nicht fehlen. Nur drei Minuten nach dem Rückstand tauchte Poulsen nach einem schönen Zuspiel über das halbe Feld alleine vor Ulreich auf, aber der Däne blieb beim Abschluss nicht cool genug. Leipzig kam danach regelmäßig zu Chancen. In der 27. Minute lenkte Ulreich einen Freistoß von Bruma in höchster Not mit einer Hand noch über die Latte, im Anschluss klärte Süle im Fallen einen abgefälschten Schuss von Werner vor der Linie. Leipzig setzte in dieser Phase die Bayern immer wieder unter Druck und dominierte die Partie eindeutig. Aber RB machte weiterhin zu wenig aus seinen Möglichkeiten, die sich unter anderem Poulsen (32. und 34.) boten.

          Keita trifft zum Ausgleich

          In der 37. Minute belohnten sich die Sachsen schließlich doch noch. Erst wurde ein Schuss von Werner noch von Süle geblockt, aber im zweiten Versuch war Keita aus kurzer Entfernung zum 1:1 erfolgreich. Spätestens mit dem verdienten Ausgleich legte die Partie weiter an Rasse und Klasse zu, weil nun auch die Bayern wieder etwas mehr wagten. Am Ende der ersten Halbzeit standen gleichwohl 12:1 Torschüsse für Leipzig – eine Statistik, die noch eindrucksvoller wirkte als die tatsächliche und mitunter klare Überlegenheit von RB. Man konnte es allerdings auch anders sagen: viel Leipziger Aufwand für wenig Ertrag.

          Auch nach dem Wechsel änderte sich an der Spielverteilung wenig. Leipzig blieb überlegen, trat aber etwas zurückhaltender und abwartender auf. Aber nach 56 Minuten zeigte die Mannschaft, was sie am besten kann: schnell attackieren. Keita fing im Mittelfeld einen Ball von Hummels ab, spielte in die Tiefe auf Werner, der im Sprint die Übersicht behielt und den Ball an Ulreich vorbei in die hintere Ecke jagte. Das 2:1 war Werners erster Treffer in der Bundesliga nach zuvor 543 torlosen Minuten. Kurz vor Schluss wurde der starke Werner unter dem Jubel der Zuschauer wieder ausgewechselt, zur Sicherheit, weil es in einem Muskel gezwickt hatte.

          Die Bayern wiederum wehrten sich. Hummels scheiterte aussichtsreich an Torwart Gulacsi (62.). Unmittelbar zuvor hatte Werner allerdings schon eine gute Chance auf das zweite Leipziger Tor verpasst. Und so ging es weiter, ein packendes Hin und Her im neuen Bundesliga-Prestigeduell. Laimer brachte einen guten Konter nicht erfolgreich zum Abschluss (66.), im Gegenzug scheiterte Vidal mit einem Kopfball. Zwanzig Minuten vor Schluss wollten die Bayern mit Lewandowski neben Wagner in der Spitze den Druck weiter erhöhen und den Ausgleich erzwingen. In der vergangenen Saison hatten die Bayern in einer spektakulären Partie aus einem 3:4 in der Nachspielzeit noch einen 5:4-Sieg gemacht. Aber diesmal blieben alle Bemühungen erfolglos. RB Leipzig hat in seiner zweiten Saison ganz offensichtlich dazugelernt gegen den großen Meister.

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