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WM-Kommentar : Blatter und nichts als die Wahrheit

  • -Aktualisiert am

Joseph Blatter ist zu Besuch in Russland bei der Fußball-WM. Bild: dpa

Grüezi, ich bin’s, euer Präsident! Blatter besucht Putin und die WM. Obwohl er im Fußball noch lange gesperrt ist, grüßt „Very Important Sepp“ aus dem Stadion. Obacht! Da arbeitet einer an seinem Comeback.

          Grüezi, ich bin’s, euer Präsident! Am Mittwoch war der Sepp aus Zürich in Russland. Lange nicht gesehen, aber gleich wiedererkannt. Des Fußballs einstiger Sonnenkönig. Zumindest dachte Joseph S. Blatter viele Jahre, er wäre die glänzende Zentralinstanz des Weltkicks. So ganz falsch lag er nicht. Viele Fäden liefen bei ihm zusammen. Daran mag er sich in der Öffentlichkeit nicht mehr so recht erinnern. Aber am Mittwoch war es wieder zu erkennen: Der ehemalige Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) als besonders wichtige Person im Stadion? Ist er nicht für sechs Jahre bis einschließlich 2021 verbannt worden, nachdem die Fifa-Familie ihrem Patriarchen auf Druck der Öffentlichkeit auf die Schliche kommen musste?

          Sie hielt die Millionen-Zahlung an den ehemaligen französischen Mittelfeldstrategen Michel Platini für eine Art Veruntreuung. Jetzt ist er Persona non grata. Weshalb sich die Frage stellt, wie Blatter Joseph zu seiner Ehreneinladung kam. Schließlich ist die Fifa doch die Herrin des Turniers. Erinnern Sie sich noch an das Theater um den Kaiser vor vier Jahren? Hatte einen Befragungsbogen der Fifa-Ethiker nicht ausfüllen wollen, sich lange geziert, das Englisch-Lexikon nicht gefunden, die deutsche Version übersehen. Wie auch immer. Es setzte einen provisorischen 90-Tage-Bann. Bevor man einem Beckenbauer im Namen Blatters die Stadiontür versperren würde, tat der lieber so, als hätte er gar nicht kommen wollen.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Der Blatter aber will immer. Fifa-Macht, Fifa-Milliarden hin oder her; es gibt noch einen, dem sich Blatters Nachfolger Gianni Infantino so weit beugt, bis sich dessen Stiefelspitze in der polierten Glatze spiegelt: Putin. Der Kreml-Boss vergisst nie. Das sieht man schon an dessen Blick. Scharf und gespeist vom Datenträger eines KGB-Gehirns: Blatter, Joseph, da war doch was! Ja. 2010, WM-Wahl, Joseph zog die Fäden und Väterchen Russland aus dem Hut: „Bis zuletzt hatte Putin damals nicht daran geglaubt“, schilderte Blatter nun der dpa. Vielleicht war das die Geburtsstunde einer Männerfreundschaft. Eine richtige Wahl verschweißt auf ewig. Als Blatter auf die Kritik an den politischen Zuständen in Russland angesprochen wird, kontert er mit den „ganzen Aufständen“ in Brasilien: „In jedem Land, in dem eine WM stattgefunden hat, gab es viele Themen vorher.“

          In manchen auch nachher. In Deutschland zum Beispiel. Schön war’s, bis herauskam, dass der DFB Millionen an die Fifa zahlte für eine Show, die gar nicht stattgefunden hat. Blatter ist dazu am Mittwoch nicht gefragt worden. Er würde wohl auch nichts mehr dazu sagen. Mit 82 schaut er nur noch nach vorne. „Ich“, teilte er den Russen mit, „bin noch immer Präsident, aber eben suspendiert.“ Obacht. Da arbeitet einer an seinem Comeback. Wie steht er also zu den Deutschen? Blatter: „Deutschland kann alles, ehrlich.“ Also Schweden wegfegen, Südkorea, eins, zwei, drei ins Finale. Danke, Sepp. Weil du das sagst, empfehlen wir zum Dank ein Buch: „Ma Vérité“, von dir geschrieben und sofort zu verstehen: „Meine Wahrheit.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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