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Nationalmannschaft : Panzer und Laubfrösche

Die Laubfrösche kommen: Im Fall der Niederlage können sich die deutschen Panzer in harmlose Amphibien Bild: adidas

Die Nationalmannschaft will seit Juni nur noch „Die Mannschaft“ sein. Das soll den Markenkern stärken, garantiert aber keine Tore. Für den Notfall hat sich das Team nun mit dem Ausweichtrikot einen Tarnanzug zugelegt.

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          Oliver Bierhoff hat in diesem Jahr einige Mühe auf sich genommen, um der Weltmeistermannschaft endlich mal einen schönen Spitznamen zu verpassen.  Die Engländer sind klangvoll die „Three Lions“ und die Spanier furchterregend die „furia roja“. Schöner als bei der „bafana bafana“ Südafrikas oder den „lions indomptables“ aus Kamerun geht es vermutlich nicht, aber das war offenbar nicht der Anspruch des Nationalmannschafts-Managers.

          Die Nationalmannschaft wurde also im Juni auf den Namen „die Mannschaft“ getauft, im DFB-Sprech natürlich stets in Kapitalen geschrieben – „DIE MANNSCHAFT“. „Mit dieser Bezeichnung wird der Markenkern in einen feststehenden Begriff gefasst“, teilte der DFB damals mit. Verstehen muss man solche Sätze ebenso wenig wie den vom Verband verwendeten Begriff „Wort-Bild-Marke“.

          „Mannschaft“ – das versteht der Fan

          Aber „Mannschaft“ – das versteht der Fan. Das ist Zusammenhalt, Teamgeist, Kampf bis zur letzten Sekunde. Übersetzt ist „Mannschaft“ auch gar nicht weit entfernt von der französischen „Équipe tricolore“, der italienischen „Squadra azzurra“ oder der brasilianischen „Selecao“ – es klingt eben nur etwas derber. Erfunden haben den Spitznamen die Franzosen, die die deutsche Auswahl schon früher „la mannschaft“ tauften.

          Das war dann natürlich nicht immer voller Hochachtung gemeint, sondern eher so, dass die deutschen Rumpelfüßler individuell nichts können, aber zusammen eben doch irgendwie immer ein Tor mehr schießen als die technisch und spielerisch brillanteren Franzosen. „Mannschaft“ war also eher ein Schimpfwort.

          Deutlich weniger aufregend: Das Heimtrikot ist klassisch Schwarz-Weiß Bilderstrecke

          Ist aber immerhin schon mal besser als „Panzer“, wie die italienischen und britischen Medien die Auswahl der besten deutschen Fußballspieler nannten, als die Akteure noch in Weiß spielten und weniger für Kurzpasswirbel denn Wucht und Robustheit im Zweikampf standen – samt eines auch „Walz aus der Pfalz“ genannten Hans-Peter Briegel. In den achtziger und neunziger Jahren war Deutschland auf diese Weise erfolgreich, später zu Beginn des Jahrtausends kamen die Kettenfahrzeuge auf den Rollrasen moderner Fußballarenen nicht mehr so recht voran.

          Nun aber kehrt die Nationalmannschaft zurück zu ihren Wurzeln: Mit feinem Spürsinn für die passende Terminierung hat der DFB drei Tage nach dem vom Sänger Cro gestalteten Heimtrikot just am 60. Jahrestag der Gründung der Bundeswehr am Donnerstag die neue Ausweich-Kampfkleidung seiner Eliteauswahl vorgestellt – in Nato-Grün standen die vom DFB-Ausrüster gebuchten Models also in Paris auf einem Laufsteg und zeigten das Shirt am Tag vor dem Testspiel gegen Frankreich (21 Uhr/ ARD und F.A.Z.-Liveticker).

          Der Weltmeister versucht es also fortan gelegentlich mit Tarnung, wenn das weiße Stammtrikot wegen Farbähnlichkeit mit dem gegnerischen Dress nicht genehmigt wird vom Schiedsrichter. Ist das ein geeignetes Mittel gegen tief stehende, defensive Gegner? Sehen die Innenverteidiger künftig den ins Nationalteam zurückgekehrten Mario Gomez nicht mehr, wenn er sich in Camouflage dem Tor nähert? Trifft der so lange verhinderte Torjäger dann plötzlich wieder für Deutschland und er wird, da der Ehrentitel Bomber auf ewig vergeben ist, doch noch zum Kanonier der Nation? Am Dienstagabend beim ersten Auftritt in Olivgrün gegen die Niederlande (20.30 Uhr/ ZDF und F.A.Z.-Liveticker) werden wir erste Hinweise erhalten.

          Für alle Fälle hat sich die Nationalmannschaft freilich ein Wendetürchen offengehalten: Sollte es trotz Tarnkleidung selbst für den Weltmeister mal eine Niederlage geben, dann lässt sich das Trikot auch andersherum anziehen. Dann werden die durch gegnerische Tore gedemütigten deutschen Kicker in Grasgrün ganz schnell zu „Laubfröschen“. Das ist dann aber wirklich mal ein schöner Spitzname für ein Nationalteam. Oliver Bierhoff hat seine Mission erfüllt.

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