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Formel 1 : Macht und Motoren

Alleinunterhalter: Die Silberpfeile von Mercedes dominieren derzeit die Formel 1. Bild: pixathlon / HZ

Die Formel 1 würde gern aggressiver, lauter und schneller werden. Doch bislang ist nur das Gezerre aggressiver, lauter und schneller geworden. Manche greifen gar zu martialischen Worten.

          Autodromo Carlos Pace, Interlagos, São Paolo, am späten Freitagnachmittag. Ein Gewitter kündigt sich an. Die Luft wird drückender über den Hügeln, in denen die traditionsreichste Autorennstrecke Lateinamerikas liegt. Seit 1940 werden hier Autorennen gefahren, der erste Große Preis von Brasilien wurde 1972 gestartet. Damals schon dabei: der McLaren-Rennstall.

          42 Jahre später fährt Jenson Button für den Rennstall und von Ron Dennis. An diesem Sonntag startet der Formel-1-Weltmeister von 2009 in seinen 283. Grand Prix. Button hat seit seinem ersten Rennen in Australien im Jahr 2000 schon bessere Zeiten erlebt. Weil die Saison erbärmlich verläuft für McLaren-Honda, vor allem aber, weil er schon in einer anderen Ära Formel-1-Pilot war.

          „Es ist frustrierend, dass es so leicht ist, eine bestimmte Geschwindigkeit mit den heutigen Autos zu erreichen“, sagt Button im Motorhome von McLaren. „Als ich anfing, war es eine ganz andere Rennklasse, so viel schneller. Mir gefällt das Fahrgefühl in den Autos nicht. So sollten sich Formel-1-Autos nicht anfühlen. 2005, 2006 - da fühlten sich die Autos nach Formel-1-Autos an. Jetzt schwebt man um den Kurs, es gibt nicht genug mechanische Haftung. Daran muss gearbeitet werden - da denkt jeder Fahrer gleich. 2017 dürfte es einen großen Schritt geben, ich hoffe, wir werden pro Runde fünf, sechs Sekunden schneller. Das sollte Formel 1 sein. Es kann doch nicht sein, dass wir im dritten Streckenabschnitt in Barcelona langsamer sind als die Autos aus der GP2-Serie. Das ist ja peinlich. Wir brauchen Veränderungen. Und die Formel 1 wird sich ändern. 2017 werden wir eine viel bessere Formel 1 haben.“

          Tatsächlich? Aggressiver, lauter, schneller soll die Formel 1 in 16 Monaten sein, wenn die Startampel zum ersten Rennen 2017 ausgeht. „Bald werden wir 1000 PS haben“, sagt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Gut möglich. Aber bislang ist allein das Gezerre um die Macht in der Formel 1 wieder aggressiver, lauter und schneller geworden. Als Button seine Enttäuschung über den rennfahrerischen Status quo formuliert, sitzt Helmut Marko ein paar Türen weiter im Motorhome von Red Bull.

          Motor von der Stange sorgt für Ärger

          Zuvor hatte er dem österreichischen Fernsehen versichert, Red Bull werde auch kommendes Jahr in der Formel 1 starten. Mit welchem Motor? „Über die exakte Motorenverteilung ist im Moment noch Stillschweigen vereinbart, also bitte etwas Geduld.“ Red Bull mit einem aktuellen Renault-Motor, der nicht Renault heißt, Schwesterrennstall Toro Rosso mit einem ein Jahr alten Ferrari-Motor, der ein Alfa-Romeo-Logo bekommt, so lautet das Gerücht des Wochenendes, dem in São Paulo die meisten glauben wollen.

          Tatsächlich aber ist für das Team, das binnen zwei Jahren vom Weltmeisterrennstall zum Mitläuferteam geworden ist, die Suche nach einem Ausweg aus der sportlichen Misere viel dringender. Es wird ihn frühestens 2017 geben. Deshalb unterstützt Red Bull Bernie Ecclestones Idee eines alternativen Antriebskonzepts, eines Motors ohne komplexen Hybridantrieb, der womöglich weniger Leistung hat, aber über die Regularien - leichteres Gewicht, Wiedereinführung eines Tankstopps - zum Schrecken für die Werksteams werden könnte.

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