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Formel 1 in Suzuka : Vettel holt auf

Er weiß, wie man Siege feiert: Vettel (im Foto links) nach seinem Erfolg in Suzuka Bild: dapd

Sebastian Vettel hat nach seinem Sieg beim Großen Preis von Japan nur noch vier Punkte Rückstand auf den WM-Führenden Fernando Alonso, der nur bis zur ersten Kurve kommt.

          3 Min.

          Gleich drei Sieger auf einem Podium, wann es hat das zuletzt geben? Nach dem Großen Preis von Japan war genau das der Fall: Sebastian Vettel (Red Bull) vor Felipe Massa (Ferrari) und Kamui Kobayashi (Sauber) – strahlende Gesichter, jubelnde Mechaniker und drei verschiedene Gründe zum großen Jubel. „Yes Baby“, schrie Vettel via Funk in Richtung Kommandostand, als er als Erster über die Ziellinie raste.

          Michael Wittershagen
          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Spätestens seit diesem Sonntag ist der Fünfundzwanzigjährige zurück im Titelkampf dieser Formel-1-Saison. Nur noch vier Punkte trennen Vettel (190) noch vom WM-Führenden Fernando Alonso (194), für den das Rennen nach einem Unfall schon in der ersten Runde beendet war. Mit Massa stand deshalb aus Sicht von Ferrari der falsche Mann in Rot neben dem Sieger aus Deutschland, doch für den Brasilianer könnte dieser zweite Platz das entscheidende Argument für einen neuen Vertrag bei der Scuderia sein. Für die größte Begeisterung allerdings sorgte Kobayashi bei seinem Heimrennen, Tausende Zuschauer auf der Haupttribüne erhoben sich von ihren Sitzen, spendeten ihm Applaus und skandierten: „Kamui! Kamui! Kamui!“

          Stellt die Konkurrenz in den Schatten: Sebastian Vettel Bilderstrecke
          Stellt die Konkurrenz in den Schatten: Sebastian Vettel :

          Suzuka – dieses Rennen garantiert Spannung seit Jahren. An diesem Wochenende zeigte sich dies schon nach nicht einmal einem Kilometer. Vettel zog von der Pole Position auf und davon, doch hinter ihm gab es Blechschäden und Enttäuschungen. Mittendrin: die beiden Lotus-Piloten. Kimi Räikkönen touchierte mit dem Frontflügel seines Boliden den Ferrari von Alonso, der Spanier rutschte mit einem Plattfuß hinten links von der Strecke, drehte sich und stieg frustriert aus dem Cockpit.

          Nur wenige hundert Meter danach fuhr Romain Grosjean ins Heck des Red Bull von Mark Webber, der Australier musste zum Service an die Box, konnte das Rennen als Letzter immerhin noch fortsetzen und beendete es als Neunter. Grosjean wurde von den Rennkommissaren mit einer Durchfahrtsstrafe inklusive zehn Sekunden Standzeit belegt. Freie Fahrt für den Weltmeister!

          Vettel bestimmte Takt und Tempo dieses Grand Prix, löste sich von seinen Jägern, indem er sofort mindestens eine halbe Sekunde pro Runde schneller war als alle anderen. Das sahen auch die Verantwortlichen am Kommandostand auf ihren Monitoren und funkten: „Die kommen nicht im Traum an unsere Rundenzeiten.“ Dem Weltmeister war es egal, noch zwei Umdrehungen vor dem Ende sicherte er sich die schnellste Rundenzeit des Tages und ignorierte dabei auch die Warnungen seiner Vorgesetzten: „Sebastian, sei vorsichtig!“, sagten sie. Doch der Deutsche wollte den Fuß einfach nicht mehr vom Gaspedal nehmen.

          „Wusstest du, dass es nicht Alonso ist, der hinter dir war?“, fragte ihn der ehemalige Ferrari-Pilot Jean Alesi als Interviewer auf dem Podium. Vettel lächelte – und Massa sprach. „Leider kann Fernando nicht hier sein, für ihn tut es mir leid.“ Alonso stand schon im Fahrerlager und suchte nach Antworten: „Das ist das Problem, wenn man in der Mitte startet. Das ist immer ein Risiko“, sagte der Einunddreißig-Jährige. „Jetzt ist es eine Mini-WM mit fünf Rennen. Man muss versuchen, einen Punkt mehr zu holen, als der, der hinter dir ist.“

          Kobayashi wehrt Button ab

          Sein Teamkollege Massa war einer der Profiteure vom Chaos in der Startphase. Als Elfter gestartet, kreiste er nach der frühen Safety-Car-Phase und dem ersten Reifenwechsel in der zwanzigsten Runde auf einmal als Zweiter um den Kurs und gab diesen Platz bis zum Ende nicht mehr her. Kobayashi hingegen musste sich bis zum letzten Meter gegen die Angriffe von Jenson Button (McLaren) wehren, nicht einmal eine halbe Sekunde trennte beide nach rund 307 Kilometern.

          Bange Blicke am Kommandostand von Sauber, schließlich war das Rennen für den zweiten Sauber-Fahrer Sergio Perez zu diesem Zeitpunkt längst beendet. Der Mexikaner wollte Lewis Hamilton (5./McLaren) überholen, geriet auf den Rasen und schleuderte danach ins Aus. Der dritte Platz von Kobayashi aber entschädigte das Team für diesen Fehler. Und vielleicht kann Sauber nun in den verbleibenden fünf Rennen sogar noch Mercedes angreifen und in der Konstrukteurswertung an den Stuttgartern vorbeiziehen. Beide Rennställe trennen lediglich zwanzig Punkte im Spiel um eine weitere Millionenprämie.

          Null Punkte für Mercedes

          Mercedes verlässt Japan ohne einen WM-Punkt. Für Nico Rosberg war das Rennen schon in der ersten Runde beendet, nachdem ihm Bruno Senna (Williams) in den Silberpfeil gekracht war. Der Brasilianer wurde danach mit einer Durchfahrtsstrafe belegt, den Deutschen allerdings konnte das nicht besänftigen: „Er hat mir das Rennen kaputt gemacht. Ich war schon in den Top Ten, da wäre was gegangen“, sagte Rosberg. Eine gewagte Prognose. Der Silberpfeil ist noch immer zu langsam im Vergleich mit seinen Gegnern.

          Michael Schumacher profitierte in Japan immerhin vom Pech der anderen und schob sich im ersten Grand Prix nach seiner Rücktrittankündigung zum Saisonende von Platz 23 noch auf Position elf nach vorne. „Wir haben ja hier schon Updates gehabt und werden sicher noch mehr bringen“, sagte Schumacher. Es gab angenehmere Themen, zum Beispiel den Angriff von Vettel, zum dritten Mal in Serie Weltmeister zu werden: „Vier Punkte? Mein lieber Gott, wer hätte das gedacht?“

          Grand Prix von Japan in Suzuka

          Ergebnis nach 53 Runden à 5,807 km = 307,471 km
          1. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull 1:28:56,242 Std. (Schnitt: 207,429 km/h);
          2. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 20,639 Sek.;
          3. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber + 24,538;
          4. Jenson Button (England) McLaren Mercedes + 25,098;
          5. Lewis Hamilton (England) McLaren Mercedes + 46,490;
          6. Kimi Räikkönen (Finnland) Lotus + 50,424;
          7. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 51,159;
          8. Pastor Maldonado (Venezuela) Williams + 52,364;
          9. Mark Webber (Australien) Red Bull + 54,675;
          10. Daniel Ricciardo (Australien) Toro Rosso + 1:06,919 Min.;
          11. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes + 1:07,769;
          12. Paul di Resta (Schottland) Force India + 1:23,460;
          13. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso + 1:28,645;
          14. Bruno Senna (Brasilien) Williams + 1:28,709;
          15. Heikki Kovalainen (Finnland) Caterham + 1 Runde;
          16. Timo Glock (Wersau) Marussia + 1 Runde;
          17. Witali Petrow (Russland) Caterham + 1 Runde;
          18. Pedro de la Rosa (Spanien) HRT + 1 Runde;
          19. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus + 2 Runden

          Ausfälle: Fernando Alonso (Spanien) Ferrari (1. Runde/Dreher); Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes (1. Runde/Kollision); Sergio Perez (Mexiko) Sauber (19. Runde/Dreher); Narain Karthikeyan (Indien) HRT (33. Runde/Defekt); Charles Pic (Frankreich) Marussia (38. Runde/Defekt)

          Schnellste Rennrunde: Sebastian Vettel (Red Bull) 1:35,774 Min.

          Pole Position: Sebastian Vettel (Red Bull) 1:30,839 Min.

          Fahrer-Wertung nach 15 von 20 Rennen:
          1. Fernando Alonso 194
          2. Sebastian Vettel 190
          3. Kimi Räikkönen 157
          4. Lewis Hamilton 152
          5. Mark Webber 134
          6. Jenson Button 131
          7. Nico Rosberg 93
          8. Romain Grosjean 82
          9. Felipe Massa 69
          10. Sergio Perez 66
          11. Kamui Kobayashi 50
          12. Paul di Resta 44
          13. Michael Schumacher 43
          14. Nico Hülkenberg 37
          15. Pastor Maldonado 33
          16. Bruno Senna 25
          17. Jean-Eric Vergne 8
          18. Daniel Ricciardo 7

          Team-Wertung nach 15 von 20 Rennen:
          1. Red Bull 324
          2. McLaren Mercedes 283
          3. Ferrari 263
          4. Lotus 239
          5. Mercedes 136
          6. Sauber 116
          7. Force India 81
          8. Williams 58
          9. Toro Rosso 15

          Nächstes Rennen: Grand Prix von Südkorea am 14. Oktober in Yeongam

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