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Formel 1 in Südkorea : Vettel übernimmt WM-Führung

Auf dem Podium jubelt nur einer: Vettel (Mitte) vor Teamkollege Webber und Alonso Bild: REUTERS

Perfekter Start, perfektes Rennen: Vettel überholt Webber schon vor der ersten Kurve. Mit dem Sieg in Südkorea übernimmt der Deutsche die WM-Führung von Alonso. Für Aufregung sorgt Kobayashi.

          3 Min.

          Er ist zurück an jenem Platz, an dem er sich am liebsten sieht: ganz vorne. Erstmals seit Mitte Mai führt Sebastian Vettel (Red Bull) nach seinem Erfolg beim Großen Preis von Südkorea am Sonntag wieder die Gesamtwertung in der Formel 1 an und macht sich auf, zum dritten Mal in Serie Weltmeister zu werden.

          Michael Wittershagen
          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Perfekter Start, perfektes Rennen. „Phantastisch, es war perfekt“, sagt der Fünfundzwanzigjährige. 215:209 – es sind nur sechs Punkte, die den Deutschen von Fernando Alonso (Ferrari) trennen, der Dritter wurde. Den Spanier bereitet aber etwas anderes Sorgen.

          Der Red Bull mit der Typennummer RB8 ist derzeit das bessere Auto, denn vor ihm kam auch noch Vettels Teamkollege Mark Webber ins Ziel. „Sie sind hart zu schlagen“, sagt Alonso. „Aber ich denke, dass wir noch schöne vier Rennen erleben werden.“ Vettel will sich nicht auf irgendwelche Spielchen mit seinem Gegnern einlassen: „Wir dürfen uns nur auf uns selbst konzentrieren.“

          Spannung beim Start. Als die Ampeln ausgehen, zieht Vettel schon auf dem Weg zur ersten Kurve an Webber vorbei, der von der Pole Position aus ins Rennen geht. Der Australier versucht zu kontern, doch Vettel behauptet seine Spitzenposition. „Es war eng zwischen uns“, sagt er später. „Aber es hat gereicht.“

          Hinter den beiden wird es turbulent. Alonso überholt Lewis Hamilton (McLaren) und kämpft als Dritter um Anschluss an die beiden Männer in Blau. Im Mittelfeld gibt es abermals Blechschäden, Reifenschäden und enttäuschte Gesichter - nur ist dieses Mal ausnahmsweise nicht Romain Grosjean (Lotus) beteiligt.

          Spaß auf dem Podium: Adrian Newey versucht sich vor dem Champagner zu schützen Bilderstrecke
          Spaß auf dem Podium: Adrian Newey versucht sich vor dem Champagner zu schützen :

          Vor der zweiten Kurve kommt Kamui Kobayashi (Sauber) mit qualmenden Reifen angeschossen und räumt gleich zwei seiner Gegner von der Strecke: Für Jenson Button (McLaren) und Nico Rosberg (Mercedes) ist das Rennen beendet, ehe es richtig Fahrt aufgenommen hat.

          „Idiot!“, funkt Button an seinen Kommandostand. Rosberg lässt seinen Ärger vor den Fernsehkameras raus: „So macht es keinen Spaß. Ich bin jetzt zum zweiten Mal abgeschossen worden“, sagt der Siebenundzwanzigjährige. „Einige gehen zu viel Risiko.“

          „Du wirst nicht merken, wenn es zu spät ist“

          Vorne kontrolliert Vettel das Rennen vom ersten Kilometer an, gibt Zwischengas, wenn es sein muss und hält seinen Vorsprung auf Webber so konstant zwischen fünf und zehn Sekunden. Das Problem ist ein anderes, der rechte Vorderreifen bereitet dem Kommandostand sorgen – und das Verhalten von Vettel im Cockpit. „Du wirst nicht merken, wenn es zu spät ist“, ruft ihm sein Renningenieur Guillaume Rocquelin zu.

          Die Angst vor dem Aus kurz vor dem Ende greift um sich. Nur einer kümmert sich nicht um Ansagen: der Fahrer. Seine letzte Runde ist seine schnellste Runde. Entsprechend groß ist die Freude bei den Verantwortlichen, als alles vorbei ist. „Wir wissen, was Sebastian am Ende eines Rennens macht“, sagt Teamchef Christian Horner.

          Funk bei Ferrari: „Du bist ein bisschen zu nahe“

          Auch die Kollegen von Ferrari haben viel Arbeit während dieses Grand Prix, weil sie fürchten, dass sich einer einmischen könnte, der mit der Angelegenheit um den Titelkampf überhaupt nichts zu tun hat: Felipe Massa. Im letzten Drittel des Rennens kommt der Brasilianer seinem Teamkollegen Alonso immer näher, und das sorgt für Beunruhigung.

          „Du bist ein bisschen zu nahe“, sagt sein Renningenieur Rob Smedley. „Ich denke, du kannst zwei oder drei Sekunden hinter ihm fahren – das sollte okay sein.“ Die Ansage ist eindeutig: Denke erst gar nicht darüber nach, dass du ihn überholen könntest! Massa wird Vierter.

          Hülkenberg: „Lewis hat versucht, mich rauszudrücken“

          Beeindruckend ist in Südkorea abermals die Leistung von Nico Hülkenberg (Force India), der Sechster wird. Das allein ist schon bemerkenswert. In Erinnerung aber bleibt vor allem ein Manöver des Fünfundzwanzigjährigen.

          In der 40. Runde überholt er innerhalb von zwei Kurven sowohl Romain Grosjean (Lotus) und Hamilton. „Ich habe meine Chance gewittert. Lewis hat versucht, mich rauszudrücken, ich habe dagegen gehalten und das hat geklappt“, sagt Hülkenberg später.

          Schumacher hat keine Chance und wird Dreizehnter

          Der Deutsche ist damit der bestplazierte Fahrer, der in einem Boliden mit Mercedes-Motor sitzt. Hamilton hat zunächst Probleme mit den Reifen, vier Runden vor Schluss verfängt sich ein grünes Tuch am Unterboden seines Boliden, der Brite wird Zehnter und ist damit immerhin noch vor seinem neuem Arbeitgeber im Ziel.

          Im Gegensatz zu seinem Teamkollegen übersteht Michael Schumacher (Mercedes) zwar die Anfangsphase des Rennens, hat danach im Mittelfeld aber keine Chance gegen Männer, die in einem Toro Rosso, Force India oder Sauber sitzen und wird Dreizehnter. „Es gibt Rennen, in denen einfach nichts zusammen passt, die man schnell abhaken muss. Dies war eines dieser Rennen“, sagte Schumacher anschließend.

          Grand Prix von Südkorea. in Yeongam

          55 Runden à 5,615 km/308,630 km:

          1. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull 1:36:28,651 Std. (Schnitt: 191,938 km/h)
          2. Mark Webber (Australien) Red Bull + 8,231 Sek.
          3. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari + 13,944
          4. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 20,168
          5. Kimi Räikkönen (Finnland) Lotus + 36,739
          6. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 45,301
          7. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus + 54,812
          8. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso + 69,589
          9. Daniel Ricciardo (Australien) Toro Rosso + 71,787
          10. Lewis Hamilton (England) McLaren Mercedes + 79,692
          11. Sergio Perez (Mexiko) Sauber + 80,062
          12. Paul di Resta (Schottland) Force India + 84,448
          13. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes + 89,241
          14. Pastor Maldonado (Venezuela) Williams + 94,924
          15. Bruno Senna (Brasilien) Williams + 96,902
          16. Witali Petrow (Russland) Caterham + 1 Runde
          17. Heikki Kovalainen (Finnland) Caterham + 1 Runde
          18. Timo Glock (Wersau) Marussia + 1 Runde
          19. Charles Pic (Frankreich) Marussia + 2 Runden
          20. Narain Karthikeyan (Indien) HRT + 2 Runden

          Ausfälle: Jenson Button (England) McLaren Mercedes (1. Runde/Kollision); Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes (2. Runde/Kollision); Pedro de la Rosa (Spanien) HRT (17. Runde/Defekt); Kamui Kobayashi (Japan) Sauber (17. Runde/Defekt)

          Schnellste Rennrunde: Mark Webber (Red Bull) 1:42,037 Min.
          Pole Position: Mark Webber (Red Bull) 1:37,242 Min.

          Fahrer-Wertung nach 16 von 20 Rennen:

          1. Sebastian Vettel - 215
          2. Fernando Alonso - 209
          3. Kimi Räikkönen - 167
          4. Lewis Hamilton - 153
          5. Mark Webber - 152
          6. Jenson Button - 131
          7. Nico Rosberg - 93
          8. Romain Grosjean - 88
          9. Felipe Massa - 81
          10. Sergio Perez - 66
          11. Kamui Kobayashi - 50
          12. Nico Hülkenberg - 45
          13. Paul di Resta - 44
          14. Michael Schumacher - 43
          15. Pastor Maldonado - 33
          16. Bruno Senna - 25
          17. Jean-Eric Vergne - 12
          18. Daniel Ricciardo - 9

          Team-Wertung nach 16 von 20 Rennen:

          1. Red Bull - 367
          2. Ferrari - 290
          3. McLaren Mercedes - 284
          4. Lotus - 255
          5. Mercedes - 136
          6. Sauber - 116
          7. Force India - 89
          8. Williams - 58
          9. Toro Rosso - 21

          Nächstes Rennen: GP Indien am  28. Oktober in Neu Delhi (10.30 Uhr)

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