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Plus 10 Prozent : Freenet-Einstieg treibt Ceconomy-Kurs

  • Aktualisiert am

Freenet zahlt 8,50 Euro pro Ceconomy-Aktie. Bild: ddp

Der Mobilfunkanbieter hat sich mit 9 Prozent am Mutterkonzern von Media Markt und Saturn beteiligt. Das lässt die einen Papiere in die Höhe schnellen – die anderen hingegen rutschen ab.

          Der Einstieg des Mobilfunkanbieters Freenet bei der Muttergesellschaft der Elektronik-Discounter Media Markt und Saturn, Ceconomy, beschert deren Aktienkurs am Montag ein deutliches Kursplus. Ceconomy legen knapp 10 Prozent auf 7,85 Euro zu. Damit setzen sie sich an die Spitze des MDax. Freenet-Papiere rutschen hingegen an das TecDax-Ende und verloren 4,2 Prozent auf 21,74 Euro.

          Über eine Kapitalerhöhung sichert sich Freenet rund 9 Prozent an Ceconomy, wie beide Unternehmen am Freitag nach Börsenschluss überraschend mitteilten. Der strategische und finanzielle Nutzen für Freenet halte sich in Grenzen, schrieb Commerzbank-Analystin Heike Pauls. Das werfe Fragen über die Kapitaldisziplin des Unternehmens auf.

          Auch den hohen Kaufpreis bezeichnete ein Börsianer als ungewöhnlich. Denn für die Beteiligung zahlt Freenet mehr, als die Ceconomy-Aktie zuletzt wert war. Pro Aktie legt Freenet 8,50 Euro auf den Tisch, der Schlusskurs hatte im Xetra-Hauptgeschäft am Freitag bei 7,138 Euro gelegen. Freenet-Chef Christoph Vilanek nannte den Preis angemessen. Ceconomy will den Erlös aus der Kapitalerhöhung in Höhe von rund 277 Millionen Euro zur Stärkung der eigenen Bilanz verwenden und damit die eigene Strategie weiter umsetzen.

          CECONOMY ST

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          Ähnlich wie Commerzbank-Analystin Pauls hegt auch Joshua Mills von Goldman Sachs Zweifel an der strategischen Bedeutung des Geschäfts. Freenet ist ein großer Mobilfunkanbieter ohne eigenes Netz, der Leitungen bei den Netzbetreibern Vodafone und Deutsche Telekom mietet und auf dieser Basis eigene Mobilfunkverträge vertreibt.

          Freenet und Mediamarkt bzw. Saturn verbindet eine langjährige Partnerschaft. Die Freenet-Tochtergesellschaft Mobilcom-Debitel verkauft seit mehr als 25 Jahren in den Elektronikmärkten eigene Mobilfunkverträge. Freenet-Chef Vilanek sprach daher von wichtigen Impulsen sowohl für das Mobilfunkgeschäft als auch für das TV- und Digital-Lifestyle-Business. Mills vermutet hingegen, dass die Kooperation unter Druck stehen könnte und sich Freenet womöglich bei seinem wichtigsten Handelspartner absichern wolle.

          Ceconomy wiederum erhöht mit dem Schritt das eigene Kapital um 10 Prozent unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre. Die Mehrheitsaktionäre Haniel, die Meridian-Stiftung, Beisheim sowie der Aufsichtsrat hießen den neuen Großaktionär willkommen, sagte Ceconomy-Vorstandschef Pieter Haas. Abgeschlossen werden soll die Transaktion bis August.

          FREENET AG NA O.N.

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          Der Konzern, der aus der Aufspaltung der früheren Metro Group hervorgegangen ist, hatte die Märkte bereits Mitte Juni über die Absicht einer Kapitalerhöhung informiert. Das hatte den Aktienkurs schwer unter Druck gebracht.

          Den Erlös aus der Kapitalerhöhung will Ceconomy unter anderem zur Stärkung der eigenen Bilanz nutzen. Geld verbrennen derzeit die Problemmärkte Schweden und Russland. Für Russland hat Ceconomy aber eine Lösung gefunden. Das Geschäft geht an die russische Safmar-Gruppe, zu der auch der Ceconomy-Konkurrent M.Video gehört. Zugleich erhält das Unternehmen einen Anteil von 15 Prozent an M.Video und kann so an der Entwicklung des aktuellen russischen Marktführers weiter teilhaben. Zusammen kostet dies den Konzern gut 250 Millionen Euro.

          Zur Strategie gehören auch Zukäufe. Analysten erwarten, dass Ceconomy über kurz oder lang seinen Anteil am französischen Händler Fnac Darty aufstockt oder die Erben des verstorbenen Minderheitsaktionärs Erich Kellerhals aus dem Unternehmen herauskauft.

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