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Investmentfonds : Hauptsache billig ist nicht zwingend der beste Weg

Bild: F.A.Z.

Immer stärker zeigt sich der Druck auf die Gebühren von Investmentfonds. Der Fondsdienstleister Moventum sieht dies zwiespältig. Und auch Internet-Plattformen unter Zugzwang.

          Eines der Dinge, die Privatanleger an aktiv verwalteten Fonds am meisten stören, sind ihre vergleichsweise hohen Kosten. Verwaltungs-, Management-, Depotbank-, Service- und andere Gebühren summieren sich mitunter auf 2,5 Prozent, die erst einmal erwirtschaftet sein wollen, um das Vermögen nicht schrumpfen zu lassen. Institutionelle Anleger haben es etwas besser, sie zahlen für ihre Fondsanteile immerhin keine Bestandsprovisionen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und so stellt sich immer wieder die Frage: Geht das nicht billiger? Wer nicht zu Fonds greifen will, die bloß einen Index nachbauen, für den lautet die Antwort nein. Indes nicht so ganz. Seit etwa drei bis vier Jahren gibt es Fondstranchen, die ohne Bestandsprovisionen auskommen, sogenannte „Clean Shares“. Diese wurden im Zuge der Umsetzung der Richtlinie Mifid geschaffen, die Transparenz in die Kostenstrukturen bringen soll.

          Wer allerdings hofft, jetzt Fondsanteile billiger bekommen zu können, wird enttäuscht. „Es gibt keine Bank, die Clean Shares für Endkunden anbietet“, sagt Michael Jensen, Leiter der Vermögensverwaltung der Luxemburger Moventum. Die Fondsdienstleistungsplattform bietet zwar die Verwaltung von „Clean Shares“ an. Die Adressaten dieser Dienstleistung sind jedoch spezifisch Honorarberater.

          Diesen bietet Moventum die Möglichkeit, Kundenanteile auch ohne Bestandsprovisionen zu verwalten. Schließlich ist das ja genau der Grund, warum es Honorarberater gibt: Sie erhalten keine Provisionen, sondern werden von den Kunden direkt bezahlt. Diese individuellen Gebühren verwaltet Moventum mit.

          Bestandsprovisionen als Auslaufmodell

          Aber Jensen macht Privatanlegern Hoffnung. „Die Tage der Bestandsprovision sind mittelfristig gezählt. Mit der Umsetzung von Mifid II wird sich das rasch ändern. Wir glauben, dass es künftig deutlich weniger solcher Depots geben wird.“ Das Kostenargument werde wohl auch erst in im Zuge einer Seitwärts- und Abwärtsbewegung voll zum Tragen kommen. Druck werde es vor allem von Seiten vermögender Kunden geben. „Sogenannte High-End-Kunden und Unternehmen akzeptieren keine Kostenquoten von zwei Prozent und mehr.“

          Jensen begrüßt diese Entwicklung grundsätzlich, seien doch die Gebühren und Ausgabeaufschläge zu einem wesentlichen Teil für die oft schwache Wertentwicklung der Fonds verantwortlich. Clean Shares seien da ein richtiger Schritt. „Die Macht hat immer der Vertrieb. Der gibt den Vermögensverwaltern vor, welche Gebühren möglich sind.“

          Nachteile auch für Anleger

          Jensen warnt aber, die Vorteile zu überschätzen. Da Honorarberater ja Gebühren verlangten, müssten Clean Shares nicht in jedem Fall billiger sein. Zudem hätten sich bei der Einführung in Großbritannien negative Effekte gezeigt: „Zum einen wurden andere Gebühren erhöht. Zum anderen wurde die Beratung für Kunden eingestellt, die weniger als 100.000 Pfund anzulegen hatten. Hauptsache billig, ist eben auch nicht immer der allein selig machende Weg.“

          Kosten sind in der Fondsbranche derzeit ein großes Thema. Denn während Anleger die Leistungen immer günstiger haben wollen, verteuert sie die Regulierung. „Vor einigen Jahren konnten sie einen Luxemburger Publikumsfonds noch mit zwei Leuten und einem einstelligen Millionenvolumen kostendeckend betreiben. Heute brauchen sie unter anderem einen Compliance-Officer und einen Risk-Manager, so dass das Mindestvolumen deutlich über 20 Millionen Euro liegen sollte, um diesen profitabel zu fahren.“

          ETF-Advisors unter Umsatzdruck

          Für Plattformen, die über das Internet kostengünstige ETF-Investments anbieten, sei das Fehlen einer Vertriebsstruktur eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit. Denn aufgrund der niedrigen Gebühren benötigten die Anbieter zwingend ein hohes Geschäftsvolumen, hätten aber kein Vertriebsnetz. „Die Kosten für Google-Anzeigen je Neukunde sind enorm“, sagt Jensen. Deswegen rechnet er auch damit, dass in einer Krise viele dieser Anbieter aus dem Markt ausscheiden werden, wenn sie nicht mit etablierten Gesellschaften oder Banken kooperierten.

          „Deswegen sollte man sehr langfristige Investments eigentlich besser bei ersten Adressen tätigen. Wenn kleine Anbieter in einer Krise verschwinden, kann das unter Umständen teuer werden.“ Zum einen könnten Depots als Sondervermögen einige Zeit unbetreut bleiben und damit nicht verfügbar sein. Zum anderen könnten sie abgewickelt werden, was eine teure Neuanlage erforderlich machen kann.

          „Bei einer Fondsanlage muss man sich unbedingt genau anschauen, in was man investiert. Nicht jeder ETF ist auch gleich billig.“ Aber auch die Struktur sei wichtig: Wenn etwa ein Fonds nur eine Handvoll Investoren habe, könne es für andere Anleger teuer werden, wenn ein Investor unvermittelt aussteige und die Transaktionskosten gemäß Prospekt umgelegt werden.

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