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Börse in Krisenzeiten : Anleger müssen Geduld haben

Bald wieder hoch hinaus? Bild: AFP

Viele Börsianer scharren mit den Hufen, einige sind schon wieder im vollen Kauftrab. Das ist vielleicht ein wenig früh.

          2 Min.

          Nach einer Erholungsstrecke von nunmehr acht Tagen ist die Stimmung am Aktienmarkt aktuell wieder gedämpfter. Das ist vielleicht natürlich. Denn während sich die Pandemie-Situation in den Vereinigten Staaten zuspitzte, entspannte sich die Börse – nur um dann festzustellen, dass wohl doch nicht alles ausgestanden ist und die Rezession doch etwas länger dauern und schwerer ausfallen könnte als erhofft.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es wäre historisch auch wahrhaft der kürzeste Bärenmarkt aller Zeiten geworden. In der Vergangenheit dauerten kurze Bärenmärkte sieben bis acht Wochen, mit unterschiedlichem Ausgang. Sie wurden immer wieder durch eine Rally unterbrochen. Allerdings war die Erholung der vergangenen Tage nicht so stark, dass dadurch der Bärenmarkt technisch beendet worden wäre – wir sind also noch mittendrin.

          Üblicherweise enden Bärenmärkte erst dann, wenn die Stimmung völlig am Boden ist. Und das ist sie definitiv nicht. Bislang sähen noch zu viele in dem Einbruch eine Einstiegschance, schrieb unlängst Wieland Staud, technischer Analyst und F.A.Z.-Kolumnist. Tatsächlich ist dies immer wieder zu hören und zu lesen.

          Den Kunden sei klar, dass die Krise jetzt gute Einstiegschancen biete, heißt es von einem Hamburger Family-Office. „Inmitten jeder Krise liegen auch Chancen“, schreibt Mark Heslop, der die europäische Wachstumsaktienstrategie von Jupiter Asset Management mit verantwortet.

          Da es unmöglich sei, den exakten Tiefpunkt des Marktes vorherzusagen, sei es vernünftig, sich in den kommenden Monaten schrittweise und systematisch in den Markt einzukaufen. Investoren sollten darauf vertrauen, dass auch diese Talfahrt vorbeigehen wird und sich die Märkte langfristig immer wieder erholen – oft eher früher als später, schreibt Evelyne Pflugi, Leiterin der Anlagestrategie der Singularity Group. Und das sind nur einige Stimmen aus dem Markt.

          Blickt man auf historische Erfahrungen, so ist man geneigt davon auszugehen, dass der Markt angesichts dieser Stimmung derzeit noch nicht wieder auf die Füße kommen kann. Im Januar 2001 titelte eines der damals gängigen Anlegermagazine „Die Jagd geht los!“ und bildete Börsianer in Kriegsbemalung ab.

          Das Magazin war nicht allein mit dieser Auffassung. Die Jagd ging auch los, allerdings anders als gedacht – und am Ende desselben Jahres stand der Dax 20 Prozent niedriger.

          Seitdem haben sich die Märkte aber stark verändert. Sie werden von Notenbanken und Regierungen unterstützt, und der Handel läuft in hohem Maß automatisiert und passiv ab. Man mag sich damit nicht wohl fühlen, aber die Finanzmärkte haben den Charakter einer Maschine gewonnen, die reich macht. Eine Krise wird zum Betriebsunfall – und zur Einstiegschance.

          Andererseits erinnert dies stark an den berüchtigten Satz: „This time is different“ – diesmal ist alles anders. Bisher erwies sich noch jedes Mal, wenn diesem Satz Glauben geschenkt wurde, dass doch alles nicht so anders war als früher.

          Was denn nun stimmt, ob die Märkte sich fundamental verändert haben oder ob doch dieselben übergeordneten Muster gelten, muss sich erst noch zeigen. Und das heißt wiederum, dass sich die Märkte tatsächlich noch immer neu sortieren müssen.

          An dieser Stelle erinnert der derzeitige Bärenmarkt abermals an den des Jahres 1987. Auch da waren der Programmhandel vergleichsweise neu, man glaubte sich durch die Portfolio-Absicherung geschützt – und dies hatte die Marktteilnehmer sorglos gemacht.

          Der Bullenmarkt war ihnen so selbstverständlich wie Anfang des Jahres 2020 die „Fear of missing out“, die Angst, Kursgewinne zu verpassen. Und dass die Risikomanagementstrategien überaltert sind – diese beruhen auch heute noch auf den Erfahrungen von 1987 – haben Risikomanager schon seit Jahren beklagt.

          Anleger sollten daher eher abwarten, bis sich die Märkte neu sortiert haben. Der Mittwoch dieser Woche etwa stellte mit einem Minus von aktuell 4 Prozent nur zu deutlich unter Beweis, dass das eben noch nicht der Fall ist.

          Der aktuelle Bärenmarkt ist jetzt 43 Tage alt. In 29 Tagen, also Anfang Mai, wird er nicht mehr der kürzeste an den deutschen Börsen sein. Vielleicht sollte man solange noch abwarten und beobachten.

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