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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Handball Montpellier unter Manipulationsverdacht

 ·  Der französische Handballmeister steht unter Manipulationsverdacht. Mehrere Spieler, darunter der Welthandballer Nikola Karabatic, sollen in einen Wettskandal verwickelt sein. Trotz der Aufregung holt das Team in Flensburg einen Punkt.

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© REUTERS Ein schwerer Schlag für den Handball: Nikola Karabatic (l.) soll in den Skandal verweickelt sein

Es ist ein ebenso sonderbarer wie spektakulärer Verdachtsfall von Spielmanipulation und familiärer Wohltätigkeit, der den französischen Handball aktuell erschüttert. Und eine trotz evidenten Verdachtsmoment eigenartige Geschichte. Acht aktive und ehemalige Spieler des Vorzeigeklubs Montpellier AHB sollen sich des Wettbetrugs schuldig gemacht und in der vergangenen Saison absichtlich ein Ligaspiel verloren haben, um ihren Angehörigen den Gewinn eines stolzen Sümmchens zu ermöglichen.

Dass es sich bei den Hauptbeschuldigten nicht um B-Spieler, sondern um echte Stars handelt, sorgt für eine besondere Pikanterie. Die Olympiasieger Nikola Karabatic und Samuel Honrubia - weltweit bekannt als integre Sportsmänner und in Frankreich Ikonen ihrer Profession - gelten den Franzosen in jeder Hinsicht als Vorbilder, denen die Öffentlichkeit einen Betrugsskandal nicht so recht zutrauen will.

Am 12. Mai dieses Jahres war Montpellier, das in den vergangenen 18 Spielzeiten 14 Mal den französischen Meistertitel gewann und an jenem Tag bereits abermals als Meister feststand, beim abstiegsbedrohten Klub Cesson-Sévigné angetreten. Entgegen allen Erwartungen verlor der vermeintlich überlegene MAHB die Partie 28:31. Noch verwunderlicher als das Resultat war jedoch die Höhe der auf die Niederlage und einen Halbzeitrückstand gesetzten Summen, die das Misstrauen von „Française des Jeux“ geweckt hatte. Der Wettanbieter meldete die Partie den Behörden, die wiederum Untersuchungen aufnahmen und Erstaunliches aufdeckten: Ehefrauen, Freundinnen und Verwandte der Spieler hatten damals mit Wetten auf einen Halbzeitrückstand an drei verschiedenen Orten mehr als 200.000 Euro gewonnen.

Brüder Karabatic unter Verdacht

Das Eigenartige daran: Mit den Brüdern Karabatic, Honrubia und zwei weiteren Stammkräften des MAHB hatten am besagten Mai-Abend fünf von acht Hauptverdächtigen gar nicht in Rennes in der Halle gestanden, sondern waren verletzt daheim geblieben. Ihre Mannschaftskameraden mussten an ihrer Stelle verlieren.

Zwar sind insgesamt zehn Spieler und Verantwortliche verdächtig, passiv oder aktiv an der Spielmanipulation mitgewirkt zu haben, dennoch wittern Verschwörungstheoretiker bereits die Affäre in der Affäre. Auf die zahlreichen offenen Fragen will die Kriminalpolizei schon an diesem Freitag Antworten finden. Am Mittag kehrt der Klub aus Deutschland zurück, wo er am Donnerstagabend gegen die SG Flensburg-Handewitt trotz der AUfregung ums Team ein 37:37-Unentschieden im Auftaktspiel in der Champions League erkämpft hat. Erste Festnahmen und Vernehmungen sind angeblich schon vorgesehen, bevor Montpellier am Sonntag im Liga-Spitzenspiel der ersten Saisonhälfte auf Paris Saint-Germain trifft.

Trainer Patrice Canayer befürchtete daher wohl nicht zu Unrecht, dass die Aufregung in seinen Reihen den Parisern in die Karten spielen und eine Wachablösung begünstigen könnte. PSG hat nach großzügigen Investitionen des neuen qatarischen Eigners, der bereits den Fußballspielern der Hauptstadt auf die Beine half, zum Großangriff auf den Meister geblasen. Auch Montpelliers stellvertretender Bürgermeister Patrick Vignal wunderte sich öffentlich darüber, dass die neuesten Details des möglichen Betrugsvorfalls ausgerechnet „in dieser doppelt wichtigen Woche“ und am Vorabend des Spiels gegen Flensburg an die Presse durchsickerten.

Empörung und Unterstützung

Der Zeitpunkt hätte wahrlich unglücklicher kaum sein können. Schon vor der Partie gegen die Flensburger hatte vor dem Mannschaftshotel der Südfranzosen Belagerungszustand geherrscht, und Canayer hatte erdenkliche Mühe, den Aufruhr vor der Begegnung zu dämpfen. „Es erstaunt mich sehr, dass die Angelegenheit ausgerechnet in dieser Woche so breit aufgerollt wird und dass scheinbar außer Acht gelassen wird, dass die Unschuldsvermutung auch für Sportler gilt“, betonte Canayer, der mit Montpellier 2003 die Champions League gewonnen hatte. Der 51-Jährige genießt im Land des Olympiasiegers höchstes Ansehen und warf den Ermittlern vor, der Presse anstandslos Namen „unbescholtener“ Spieler zum „Fraß vorgeworfen“ und so deren Konzentration vor der Partie empfindlich gestört zu haben.

Auch bei Kollegen und Spielern anderer Klubs stoßen die Vorwürfe auf Empörung. Unterstützung und Loyalität wurde dem Verein bereits landesweit öffentlich versichert. Eine Rufschädigung dürfte letztlich noch das kleinste Problem des MAHB sein, der außer sportlichen auch schwere rechtliche Konsequenzen befürchten muss. Außer Geldstrafen droht schlimmstenfalls ein Zwangsabstieg und den Beschuldigten ein Freiheitsentzug bis zu drei Jahren. Der Präsident des Klubs, Rémy Lévy, hatte daher bereits am Dienstagabend einen Krisenstab einberufen und angekündigt „mit aller Macht um die Ehre der Spieler zu kämpfen“.

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