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Energiebilanz des Wintersports : Partyspaß und Klimakiller

Feuer frei fürs „Wintergame“: ein ziemlicher Aufwand für ein einfaches Ligaspiel. Bild: dpa

In jeder größeren Stadt gibt es mittlerweile Wintersportevents mit künstlichem Schnee oder Eis. Das ist Verschwendung pur. Und die öffentliche Wirkung, die davon ausgeht, ist hochproblematisch.

          Derzeit kann man sich vor Wintersportereignissen kaum retten. Der Biathlonzirkus jagt von einem Weltcup zum nächsten, in Kitzbühel schießen Waghalsige auf Skiern die Streif runter, die Slalom-Experten Felix Neureuther und der Österreicher Marcel Hirscher duellieren sich um jede Hundertstelsekunde. Zwischendurch rodeln Männer und Frauen durch die Eisbahn. Wer den regnerischen Winter in Deutschland vergessen will, braucht nur den Fernseher einzuschalten, und schon wird alles weiß.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Aber nicht nur das Fernsehen überträgt den Schnee, wenn er schon nicht fallen will, ins Land, auch zahlreiche Großevents sorgen für künstliche Winterfreuden: zum Beispiel der Biathlonwettbewerb „World Team Challenge“ (WTC) zum Jahreswechsel auf Schalke, eine reine Showveranstaltung, oder das „Wintergame“, ein Eishockeyspiel der Düsseldorfer EG gegen die Kölner Haie, das man zu Werbe- und Einnahmezwecken am 10. Januar im Fußballstadion von Fortuna Düsseldorf ausrichtete.

          Gigantischer logistischer Aufwand

          Wie nachhaltig ist das eigentlich? Ist es wirklich sinnvoll, in Zeiten eines angenommenen Klimawandels solche winterlichen Großevents zu inszenieren? Und wo liegen die Unterschiede zwischen Veranstaltungen wie der WTC und Biathlon-Weltcups etwa in Oberhof oder Ruhpolding?

          Der logistische Aufwand für die Showspektakel ist jedenfalls gigantisch. Die Biathlon-Laufstrecke auf Schalke wird mit 2500 bis 3000 Kubikmetern künstlichem Schnee gedeckt, hergestellt in der Skihalle Neuss. Über 40 Lastwagen transportieren ihn von dort in die Arena - Entfernung: 80 Kilometer - anschließend präparieren Mitarbeiter damit eine etwa 1,4 Kilometer lange Laufstrecke. Punkte für den Biathlon-Weltcup sammeln die Sportler darauf aber nicht, höchstens Sympathiepunkte.

          Das Wintergame verfolgten mehr als 50.000 Zuschauer, bislang Europarekord, aber die Arbeiter brauchten drei Wochen, um die Arena für das Eishockeyspiel herzurichten, 20 Lkw-Ladungen Sand für den Unterboden der Eisfläche und 40 Sattelschlepperladungen sonstiges Material. 90 Kilometer Kühlschlauch wurden unter der Eisfläche verlegt, 180.000 Liter Wasser verbraucht, insgesamt waren 2000 Mitarbeiter beteiligt. Die Pressemitteilung der DEG, in der diese Aufwendungen aufgelistet sind, liest sich wie eine einzige Materialschlacht. Für ein einfaches Ligaspiel.

          Alles eine Frage der Reisebilanz?

          Ob man das für nachhaltig hält, hängt davon ab, wie man Nachhaltigkeit definiert. Nimmt man die Energiebilanz als Bezugsgröße, sind Anreise und Übernachtung der Gäste entscheidend. Sie machen zusammen ungefähr 90 Prozent der Bilanz aus, sagt Ralf-Dieter Roth vom Institut für Natursport und Ökologie an der Deutschen Sporthochschule Köln; der Strom, den man zum Beispiel für die Erzeugung einer Eisfläche verbraucht, dagegen nur etwa acht bis neun Prozent.

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