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Richard Freitag : Der Skisprung-Tüftler

  • -Aktualisiert am

Suche nach dem Adrenalin-Kick: Richard Freitag. Bild: dpa

Richard Freitag hat seine Technik verändert, er springt flacher ab und damit weiter. Damit ist er auf einem höheren Niveau, aber noch längst nicht da, wo er hin will.

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          Wenn Richard Freitag über Kuusamo erzählt, gerät er sofort ins Schwärmen. Von der Rukatunturi-Schanze habe man bei Sonnenschein einen wunderbaren Ausblick auf die traumhafte Landschaft, sagt er: „Man kann dann ewig weit schauen. Echt schick ist das, nicht nur für Naturburschen.“ Allzu oft passiert das allerdings nicht zu dieser Jahreszeit in Nordfinnland - nur 60 Kilometer südlich des Polarkreises. Dafür gibt es jetzt einfach zu wenige Sonnenstunden. „Die Stirnlampen sind in Kuusamo Pflicht“, sagt Freitag.

          An diesem Freitag (16.30 Uhr/Eurosport und ARD) und Samstag (16 Uhr/Eurosport und ARD) stehen in Kuusamo die nächsten beiden Einzelspringen des noch jungen Winters an. Es ist der Auftakt einer dreiwöchigen Weltcup-Tour durch Skandinavien und Russland. Erst kurz vor Weihnachten werden die Skispringer wieder in Mitteleuropa antreten, in Engelberg in der Schweiz, bei der Generalprobe der Vierschanzentournee. Freitag, der 24-Jährige von der SG Nickelhütte Aue, hat ein gutes Gefühl, er sagt: „Ich bin im Sommer einen großen Schritt weitergekommen.“

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          An seiner Heimschanze in Klingenthal zeigte der Sachse in der vergangenen Woche konstant starke Leistungen. Mit dem Team gewann er das Mannschaftsspringen und beim Einzelwettbewerb wurde er Vierter, nur 0,1 Punkte hinter Severin Freund, dem amtierenden Weltcup-Gesamtsieger. Dieser exzellente Auftritt überraschte viele Beobachter, in den vergangenen Jahren schwankten Freitags Leistungen sehr. Doch ihn selbst schien das gar nicht zu überraschen. Er setzte sein verschmitztes Grinsen auf und sagte: „Ich weiß, dass ich es kann.“ Und dann ergänzte Freitag, er sei nun auf jeden Fall auf einem höheren Niveau, aber noch längst nicht da, wo er hin wolle.

          Dieses Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten hat mit zwei Veränderungen zu tun: Er fühlt sich in seiner Sprungtechnik sicherer und er geht das Skispringen jetzt auch mental anders an. An der Technik feilte Freitag, weil er beschlossen hatte: „Willst du nicht weiter hinterherspringen, dann musst du etwas ändern.“ Und seien es nur Kleinigkeiten. Diesen Antrieb erwähnt besonders Bundestrainer Werner Schuster lobend. „Richard hat auf allen Ebenen geschaut, wie er sich weiterentwickeln kann, und hat die Sache selbst in die Hand genommen“, sagt der Österreicher.

          Immer für einen lockeren Spruch zu haben

          Herausgekommen ist eine etwas flachere Flugkurve. Als überragender Abspringer katapultiert sich Freitag nun am Schanzentisch nicht mehr so hoch. Dafür kommt er schneller in die Flugphase - und springt so weiter als zuvor. „Richard steht jetzt auf einem breiteren Fundament“, sagt Schuster. Bei Rückenwind war er mit seiner alten Technik schon immer gut. Nun komme er aber auch bei Aufwind besser zurecht, auch seine Landung sei nun sicherer. „Schon im Herbst habe ich von ihm ein paar Sprünge gesehen, die es in seiner Karriere so noch nicht gegeben hat“, betont Schuster.

          Aber nicht nur sportlich ist Freitag in einer neuen Phase seiner Laufbahn. „Ich mache mir weniger Gedanken über Ergebnisse“, sagt er. Einen lockeren Spruch haut er abseits der Wettbewerbe immer raus, der Wettkampfdruck beschäftigte ihn in den vergangenen Jahren aber doch mehr, als ihm lieb war. Schließlich wurde er nach seinen ersten Erfolgen vor vier Jahren sofort mit großen Vergleichen überfrachtet.

          Kam er doch im gleichen Krankenhaus zur Welt wie Jens Weißflog und Sven Hannawald, in Erlabrunn. „Ich gehe das jetzt ruhiger an“, sagt Freitag. „Ich schaue nicht mehr so tierisch auf das Podest. Ich will einfach bereit sein für die großen Flugmomente.“ Um diese neue Einstellung besser zu beschreiben, sucht er nach einem Vergleich. Und nach kurzem Überlegen findet er ihn: „Es ist vielleicht wie bei einem Schriftsteller. Ich will etwas Schönes zu Papier bringen. Und wenn ich damit zufrieden bin, ist es mir egal, ob jemand das noch liest.“

          Freitag lässt sich von hohen Erwartungen nicht mehr verrückt machen, er ruht nun mehr in sich. Einen Ausgleich dazu hat er aber auch schon gefunden: Auto- und Motorradrennen. Bisher nur als Zuschauer, im Sommer besuchte er Rennen am Sachsen- und Lausitzring sowie in Oschersleben. Doch Freitag ist davon so begeistert, dass er sich vorgenommen hat: „Bald will ich mal bei einem Autorennen mitfahren.“ Weil es in dieser Hinsicht für Athleten des Deutschen Ski-Verbands jedoch auch Einschränkungen gibt, konzentriert er sich jetzt umso mehr auf seine Hauptbeschäftigung. „Den Adrenalin-Kick“, sagt er, „hole ich mir erst mal beim Skispringen.“

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