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Skisprung-Kommentar : Freunds harte Landung eine Klasse tiefer

  • -Aktualisiert am

Ski abschnallen: Für Severin Freund ist die Vierschanzentournee vorzeitig beendet. Bild: EPA

Ein Jahrzehnt lang war Severin Freund das Gesicht des deutschen Skispringens. Nun muss er bei der Vierschanzentournee vorzeitig abreisen. Freund muss erkennen, dass die Rückkehr nach zwei Verletzungen vor allem eines erfordert.

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          Ende einer Dienstfahrt. Dass für Severin Freund schon zur Halbzeit der Vierschanzentournee Schluss ist, überrascht nicht. Zu groß ist immer noch der Rückstand, den der einstmals beste deutsche Skispringer derzeit zur Weltspitze aufweist. Zwei Kreuzbandrisse, annähernd zwei Jahre Wettkampfpause: Das kann selbst ein ausgewiesener Fachmann wie Freund nicht ungeschehen machen. Freund wusste um diese schwere Hypothek, und er wusste auch, dass ihm Bundestrainer Werner Schuster nur bis zu einem gewissen Punkt den Rücken freihalten würde.

          Dieser Punkt ist jetzt erreicht. Nach den ersten beiden Wettkämpfen der Vierschanzentournee haben auch die vielen Zuschauer an den ausverkauften Schanzen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen gesehen, dass ihr einstiger Liebling nicht mehr so hoch abspringt und so weit fliegt, wie es der Niederbayer viele Jahre lang gemacht und sein Publikum dabei verzückt hat.

          Lücke schwer zu schließen

          Mannschafts-Olympiasieger, Weltmeister, Gesamt-Weltcupsieger, Zweiter bei der Vierschanzentournee: Freund hat viel erreicht, sehr viel sogar. Ein Jahrzehnt lang ist er das Gesicht des deutschen Skispringens gewesen. Der 30-Jährige ist zu einem bewunderten Athleten aufgestiegen – und mit ihm auch sein Coach, der Medaillen- und Meistermacher Schuster.

          Freund hat jetzt erkannt, dass die Lücke nach den beiden verletzungsbedingten Rückschlägen doch nicht so schnell zu schließen ist. Dass Schuster zuletzt davon sprach, Optimisten den Zahn gezogen zu haben, Freund werde zur alten Größe wiederauferstehen, klang hart, entsprach jedoch den Fakten. Platz 36 in Oberstdorf, Platz 41 in Garmisch-Partenkirchen: Bezogen auf frühere Verhältnisse, waren dies nicht vorstellbare und vorzeigbare Resultate. Beide Male schaffte es der einstige Überflieger Freund noch nicht einmal, sich für den jeweils zweiten Durchgang zu qualifizieren, für den die besten dreißig Skispringer startberechtigt sind. Freunds Leistung stimmt nicht, also muss er Jüngeren wie Constantin Schmid den Vortritt lassen.

          Schritt für Schritt und nur nichts überstürzen – das war zumeist die Formulierung, die Freund mit einem Lächeln im Gesicht benutzte, als er professionell Rede und Antwort stand. Freund wird weiter im Fokus stehen – allerdings eine Klasse tiefer. Klingenthal statt Bischofshofen: Erstmals seit neun Jahren startet Freund an diesem Wochenende im Continental Cup. „Ich bin mir für nichts zu schade, und es wird auch kein Zuckerschlecken. Aber ich werde versuchen, dort an den richtigen Schrauben zu drehen.“ Zu wünschen ist es ihm.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

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