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Ski Langlauf : Ein Norweger soll den Deutschen helfen

  • -Aktualisiert am

Neue Trainer, neue Impulse - auch für Nicole Fessel Bild: dpa

Der Ski-Langlauf war bislang eine deutsche Sorgen-Sportart. Mit Torstein Drivenes soll sich das jetzt ändern. Denn wer könnte besser Impulse setzen, als Entwicklungshelfer aus der Langlauf-Nation Norwegen?

          2 Min.

          Am Samstag war Torstein Drivenes noch voll des Lobes für Nicole Fessel. „Das war ganz stark von Nikki“, befand der neue Trainer der deutschen Skilangläuferinnen nach dem vierten Platz der Oberstdorferin beim Weltcup-Sieg der Norwegerin Therese Johaug in Lillehammer. Am Sonntag, nach Platz sechs der Frauen-Staffel - Sieger selbstverständlich Norwegen - sah die Welt nicht mehr so rosig aus. Kein Wunder, wenn man im Quartett den Anspruch hat, um das Podium mitzukämpfen.

          Drivenes wäre dem gerne gerecht geworden, gerade bei seinem Heimspiel. Lillehammer ist seine Heimat, hier kommt er her, hier hat er sechs Jahre als Cheftrainer beim Lillehammer Skiclub gearbeitet, bevor es ihn in die Schweiz zog. Seit Sommer ist der Norweger, gerade einmal 30 Jahre alt, Bundestrainer der deutschen Langläuferinnen, angetreten, um neue Impulse in eine deutsche Sorgen-Sportart zu bringen. Wer könnte das besser als ein Entwicklungshelfer aus der Langlauf-Nation Norwegen, die die Szene mit ihrer Dominanz fast erdrückt. Man braucht sich nur die Weltcup-Ergebnisse des Wochenendes anzuschauen: Egal ob Skiathlon (Martin Johnsrud Sundby), oder Staffel (Norwegen I vor Norwegen III und Norwegen II), ob Männer oder Frauen: Der Sieger kam stets aus Norwegen. Und doch sagt Drivenes: „Deutschland ist eine wichtige Langlaufnation, und für mich als Trainer ist es deshalb eine große Herausforderung.“

          Torstein Drivenes
          Torstein Drivenes : Bild: dpa

          Er muss das nicht allein tun, denn sie haben im Deutschen Skiverband einen Schnitt gemacht, nach dem Rücktritt von Cheftrainer Frank Ullrich im Frühjahr, der die öffentliche Kritik seines Sportdirektors nicht auf sich sitzenlassen wollte. Selbst wenn sie nach der medaillenlosen WM in Falun und den Rückschritten bei den Männern - keiner war unter den Top 50 im Gesamt-Weltcup - durchaus berechtigt war.

          Es ist ein Neubeginn. Dem Modell Biathlon nachempfunden. Kein Cheftrainer mehr, stattdessen eine enge Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen. Mit einer einheitlichen Konzeption, mit zwei Trainern, die sich ständig austauschen. Für die Männer ist jetzt Janko Neuber zuständig. Der Sachse, 44 Jahre alt, hat früher Spitzenläufer René Sommerfeldt trainiert, war von 2010 bis 2012 für die DSV-Frauen zuständig und ist seit langem am Stützpunkt Oberwiesenthal tätig. Drivenes sagt: „Janko hat viel Erfahrung, kennt sich total aus im deutschen Langlauf. Ich kann viel von ihm profitieren, und ich hoffe, er auch von mir.“ Neuber wiederum schätzt den „Input aus Norwegen, um den Horizont zu erweitern und wieder in die richtige Richtung zu kommen.“ Der Oberwiesenthaler findet, dass die deutschen Langläufer zuletzt den Trend der Weltspitze zu höheren Trainingsbelastungen „etwas verpasst“ haben. „Wir müssen uns schrittweise, Jahr um Jahr an die Belastungen der Weltspitze herantasten.“ Mit einer einheitlichen Trainingsphilosophie, die auch von den Heim- und Stützpunkttrainern mitgetragen werden soll. Beim Skiathlon hatten zumindest Jonas Dobler (Rang 15) und Florian Notz (16.) ihr Potential angedeutet, während die Staffel an Position zehn enttäuschte.

          Und immer wieder geht der Blick hinüber zu den Norwegern. Und was sie den Deutschen voraushaben. Natürlich die Breite - ein unerschöpfliches Reservoir an Weltklasse. Aber Neuber stellt auch fest: „Die Norweger sind viel selbständiger als unsere Athleten. Torstein sagt immer, dass der Athlet in Norwegen fast der eigene Trainer ist. Der Trainer lenkt nur, so dass sich der Athlet nicht verrennt. In Deutschland macht der Trainer die Ansage.“ Drivenes ist da vorsichtiger, weil er das nicht als Kritik an den deutschen Langläufern verstanden haben will. Aber auch er sagt: „Wenn man langfristig denkt, bin ich zu hundert Prozent überzeugt, dass die Selbständigkeit der Athleten der Schlüssel zum Erfolg ist.“ Jeder muss wissen, was er tut, warum er es tut, und wo genau er hinwill.

          Dabei geht es gar nicht so sehr um Umfänge, sondern mehr um Inhalte. Sundby und Northug, die norwegischen Langlauf-Größen, „fokussieren sich nicht auf die Anzahl ihrer Trainingsstunden, sondern was sie in den Stunden inhaltlich machen. Du musst mit 100 Prozent Qualität und Konzentration trainieren, jede Stunde, jeden Tag, jeden Monat. Das ist unsere Herausforderung“, sagt Drivenes. Auch Neuber ist optimistisch. „Wir haben auch in Deutschland Talente. Und in unserem Ausdauersport kann man mit Fleiß und akribischer Arbeit extrem viel erreichen.“

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