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Skisprung-Trainer : Österreicher wissen’s einfach besser

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Deutsches Fähnchen im Wind, österreichische Staatsbürgerschaft: Der Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster ist einer von vielen „Gastarbeitern“ Bild: Reuters

Die Trainer aus den Alpen geben bei den Skisprung-Teams den Ton an. Sie haben die bessere Ausbildung – und die bessere Strategie. Auch beim Springen von der Großschanze an diesem Donnerstag?

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          Die finnischen Organisatoren haben jedem Wettkampftag der Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Lahti einen besonderen Namen gegeben: Tähtien Torstai - Donnerstag der Stars, so heißt der heutige. Beim Skispringen von der Großschanze (17.30 Uhr / Live in der ARD) haben die Finnen allerdings nur einen ehemaligen Star zu bieten. Janne Ahonen hatte extra für die Heim-WM zum dritten Mal seinen Rücktritt vom Rücktritt verkündet.

          Und auch im Alter von 39 Jahren ist der fünfmalige Weltmeister noch der beste finnische Skispringer. Aber mit Platz 25 auf der Normalschanze am vergangenen Samstag springt er wie all seine Teamkollegen nur hinterher.

          Sechs Nationaltrainerposten in Hand von Österreichern

          Weil die einst so erfolgreichen Finnen, die so lange in der Weltspitze mitmischten, endlich wieder an alte Zeiten anknüpfen wollen, verpflichteten sie vor dieser Saison erstmals einen ausländischen Nationaltrainer: Andreas Mitter. Und sie holten ihn aus einem Land, das derzeit in der Skisprung-Szene außerordentlich in Mode dafür ist: Österreich.

          Sechs Österreicher haben derzeit einen Posten als Nationaltrainer. Neben Mitter sind das Werner Schuster in Deutschland, Alexander Stöckl in Norwegen, Stefan Horngacher in Polen, Richard Schallert in Tschechien und Heinz Kuttin in Österreich.

          „Am Trainerturm wird nur noch derjenige verstanden, der österreichischen Dialekt spricht“, witzelt deshalb Michael Hayböck, der österreichische WM-Zweite im Mixed-Team. Von den derzeit zehn besten Springern im Gesamtweltcup werden acht von einem Österreicher trainiert. Bei den Top-Nationen haben also außer in Slowenien nur Österreicher das Sagen. Und ihre Bilanz in diesem Winter ist imposant: Bei 17 der bisher 21 Weltcup-Springen hatte der Gewinner einen Trainer aus Österreich - nur nicht bei den vier Siegen des Slowenen Domen Prevc.

          Österreicher in österreichischen Diensten: Heinz Kuttin betreut die Springer seines Heimatlands
          Österreicher in österreichischen Diensten: Heinz Kuttin betreut die Springer seines Heimatlands : Bild: Reuters

          Warum sind die Trainer aus den Alpen also so gefragt? „In Österreich ist seit den neunziger Jahren eine unglaubliche Skisprungkultur mit enorm großen Erfolgen gewachsen“, sagt Horst Hüttel. Der Sportliche Leiter für Skispringen und Nordische Kombination des Deutschen Ski-Verbands (DSV) verpflichtete 2008 Schuster als Bundestrainer. „Es gab in Österreich einfach viele Leute mit viel Wissen“, betont Hüttel. „Und weil die alle nicht in ihrem Heimatland Cheftrainer werden konnten, sich aber auch weiterentwickeln wollten, sind sie nach und nach ins Ausland gegangen.“ Von den Erfolgen der Österreicher wollten eben auch die anderen Nationen profitieren.

          Denn ihre Dominanz war in den vergangenen Jahren nahezu erdrückend. All die österreichischen Siege bei der Vierschanzentournee, Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen fußten und fußen noch immer auf der Strategie, dass die Athleten schon im Kindesalter gefördert werden und dass der Verband, die Stützpunkte und die Vereine einem einheitlichen Konzept folgen - vom Nationalteam bis zu den Junioren.

          „Wir haben wirklich eine sehr gute Trainerausbildung genossen“, sagt Stöckl. Der 43-Jährige ist seit 2011 Nationaltrainer der Norweger. Wie die meisten der österreichischen Trainer, die derzeit einen Chefposten im Ausland innehaben, arbeitete Stöckl zuvor am Skigymnasiums Stams in Tirol. „Dort gab es einen sehr guten Austausch, wir waren ständig auf der Suche nach Weiterentwicklung“, betont er. „Es war für mich auch wichtig, dass ich in Stams zunächst jüngere Skispringer zwischen 14 und 19 Jahren betreut habe. So sieht man, wo ein Athlet herkommt und worauf es in der Grundausbildung ankommt.“

          All dieses Wissen half Stöckl dabei, in Norwegen ein neues Skisprung-System aufzubauen. Bevor er dort anfing, gehörten die Norweger nicht mehr zur absoluten Weltspitze, ähnlich war es bei Schuster in Deutschland. „Ich hatte zwar keine Erfahrung als Cheftrainer, aber ich wusste, wo man ansetzen muss, um dann konstant gut zu springen“, sagt Stöckl.

          Nur die Slowenen haben eine andere Identität

          Auch Schuster stellte im DSV vieles um und führte die deutschen Skispringer zu zahlreichen Erfolgen. Der 47-Jährige hat zu den vielen österreichischen Nationaltrainer aber noch eine andere Sichtweise. „Für meinen Geschmack sind die Österreicher fast schon überdurchschnittlich repräsentiert“, betont Schuster. „Ich finde es auch sehr spannend, wie es die Slowenen angehen. Sie springen anders, legen wert auf andere Sachen und haben eine eigene Identität.“

          Zu Gast in Norwegen: Alexander Stöckl
          Zu Gast in Norwegen: Alexander Stöckl : Bild: Picture-Alliance

          Doch so sehr sich nun die von Österreichern betreuten Nationen in vielen Bereichen angleichen mögen, sie sind eben meist erfolgreich. Darum erhielt auch der erst 35 Jahre alte Mitter, der die Österreicher Hayböck und Weltmeister Stefan Kraft in jungen Jahren gefördert hat, die Chance als Chefcoach in Finnland. Mitter änderte bereits viel, doch er muss auch stets die Erwartungen nach schnellen Erfolgen bremsen. „Potential ist da“, sagt er. „Es braucht aber Zeit. Man kann keine Wunder bewirken.“ Das schaffen also auch die Österreicher nicht.

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