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Deutsche Eishockey Liga : Die Pinguine müssen ums Überleben kämpfen

  • -Aktualisiert am

Absturzgefahr: Pinguin Laurin Braun. Bild: Picture-Alliance

Das Krefelder Eishockey schien aus dem Gröbsten raus – doch die Corona-Krise trifft den Klub besonders hart. Potentielle Sponsoren der Pinguine haben nun eigene Sorgen.

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          Eigentlich, so dachten sie sich vor einigen Wochen bei den Krefeld Pinguinen, seien sie aus dem Gröbsten raus. „Im Februar war alles klar“, sagt Geschäftsführer Matthias Roos. Monatelang hatte ein Machtkampf unter den Gesellschaftern den Klub gelähmt. Doch nachdem die Firma Energy Consulting Europe und damit Mikhail

          Ponomarew endlich ausgestiegen waren, schien es wieder aufwärtsgehen zu können am Niederrhein. Neue Investoren stünden bereit, hieß es, die Zukunft des Standorts sei bald gesichert. Nicht mal der Saisonabbruch der Deutschen Eishockey Liga (DEL) wegen der Corona-Krise sollte daran etwas ändern. Die Pinguine hatten die Play-offs ohnehin verpasst, Einnahmen konnten gar nicht erst wegbrechen. Corona – das schien erst mal ein Thema der Konkurrenz zu sein.

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          Nun sieht das anders aus: Die Epidemie sorgt nicht nur für Probleme in der aktuellen Spielzeit, sie bedroht auch die Zukunft der deutschen Eishockeyvereine – vor allem von dem aus Krefeld. Denn die potentiellen Neu-Investoren leiden selbst und haben nun Abstand von ihrem Plan genommen, beim zweimaligen deutschen Meister einzusteigen. „Zwei mögliche Gesellschafter wollten dafür Geld nehmen, das sie im Aktienmarkt haben, der ist aber jetzt unten, deswegen machen sie das im Moment nicht. Drei weitere werden jetzt Arbeitnehmer entlassen müssen, da ist es natürlich schlecht darzustellen, Leute rauszuwerfen und Geld in die Pinguine zu stecken“, sagt Ross, der nun abermals auf der Suche nach Geldgebern ist, ohne die Eishockey in Deutschland nicht zu finanzieren ist. Bis Ende des Monats wollte er die neue Gesellschafterstruktur präsentieren. Doch ob das jetzt noch gelingt, steht mehr denn je in den Sternen.

          Auch ein Treffen der aktuellen Gesellschafter am Mittwoch brachte keine Lösung. Einige von denen wollen ihre Anteile abgeben, um den Weg für die Zukunft freizumachen. Aber an wen? Wer steckt derzeit Geld in einen Sportverein, wenn er selbst nicht weiß, wie viel er nach der Krise übrig hat? Das gilt genauso für Sponsoren. Und überhaupt: Wer weiß schon, ob im Herbst die nächste Saison beginnt? „Ich kann mich nicht hinstellen und sagen: Jawoll, ich gehe davon aus, dass wir im September ganz normal unseren Spielbetrieb starten und vor Zuschauern spielen dürfen. Und wenn ich das nicht kann, wird auch kein Werbepartner dabei sein und uns Geld geben. Je länger sich das hinzieht, desto mehr Vereine wird es treffen“, sagt Roos, der auch noch keine Tickets für die nächste Saison anbietet. Normalerweise startet der Dauerkartenverkauf bereits in der Vorsaison, die Einnahmen daraus – meist mehrere hunderttausend Euro – sind für viele Vereine wichtig, um über den langen Sommer zu kommen. Und dennoch verzichten die Pinguine derzeit darauf: „Wenn ich den Leuten jetzt das Geld aus der Tasche nehme, es dann aber keine Veranstaltung im September, Oktober oder November gibt, habe ich die Falschen abgestraft. Weil zurückgeben werde ich das Geld nicht, das wird dann ausgegeben sein.“

          Auch bei anderen Vereinen geht die Angst um. Unter der Woche hielten die Geschäftsführer der 14 DEL-Klubs eine Telefonkonferenz ab. Da sei klar zu erkennen gewesen, dass mehrere Teams nicht wissen, was sie tun sollen, wenn es im September nicht wieder losgehe, sagt einer, der dabei war, seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte: „Es gibt fünf Klubs, die eine Zeit ohne Eishockey hinkriegen würden, und dann gibt es neun Klubs, die sagen: Es wird bitter.“ Sicher seien lediglich die „großen vier“ aus Mannheim, München, Berlin und Köln sowie Wolfsburg – solange Geldgeber Volkswagen nicht plötzlich andere Pläne hat.

          Auch DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke bestätigt auf Nachfrage, dass die Stimmung unter den Klubvertretern „angespannt“ war, es gebe zwar „keine Panik, alle sind sehr konstruktiv und ruhig, aber allen ist schon bewusst, was auf uns zukommt: Keiner weiß, ob und wann es weitergeht und welcher Partner dann noch im Boot ist. Das große Problem ist die neue Saison, viel Geld ist schon verplant, weil ein Großteil der Verträge schon geschlossen sind.“ Sonderregeln soll es aber dennoch nicht geben. „Bei Lizenzprüfung werden wir keine Überschuldung zulassen.“ Auch nicht für die Krefeld Pinguine.

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