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Eiskunstlauf-EM : Mit Hochdruck ins Gute-Laune-Projekt

  • -Aktualisiert am

Große Pläne: Massot und Savchenko wollen es in Bratislava wissen Bild: dpa

Die Paarläufer Aljona Savchenko und Bruno Massot wollen bei der Eiskunstlauf-EM ihre erste Medaille gewinnen. Doch nach dem Ablauf von achtzehn Monaten Sperre schien das Comeback zuletzt abermals gefährdet.

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          Über Nacht hatte der Schmerz im Rücken nachgelassen, war die Sorge um den ersten Europameisterschaftsstart mit ihrem neuen Partner Bruno Massot der Vorfreude gewichen. „Ich bin superglücklich, dass alles geklappt hat“, sagte Aljona Savchenko am Donnerstag nach dem Training in der Ondrej-Nepela-Arena von Bratislava, wo dieser Tage die Eiskunstlauf-EM stattfindet.

          Die viermalige Europa- und fünfmalige Weltmeisterin ist eine der großen Attraktionen bei diesen Titelkämpfen, will sie doch nach all den erfolgreichen Jahren an der Seite von Robin Szolkowy mit dessen Nachfolger eine ähnlich glanzvolle Laufbahn hinlegen. Von leuchtenden Perspektiven aber war am Mittwochabend, als Savchenko, Massot und Trainer Alexander König nach siebenstündiger Fahrt in Bratislava ankamen, noch keine Rede.

          Ein Hexenschuss macht Savchenko zu schaffen

          Ein Hexenschuss, den Aljona Savchenko während des Abschlusstrainings in Oberstdorf bei der Landung eines dreifachen Wurfflips erlitten hatte, machte ihr zu schaffen. Körperlich und mental. Ihre zurückeroberte Bewegungsfreiheit nach achtzehn Monaten Sperre durch die Internationale Eislauf-Union (ISU) schien an gesundheitliche Grenzen geraten, ihrem EM-Comeback drohte Gefahr. „Ohne Drama geht es bei uns nicht“, skizzierte König die Lage, ehe sich tags darauf die Mienen aufhellten und alle Zeichen auf Wettkampfmodus standen. Die Übungsstunde in der Trainingshalle verringerte die Sorgen des Paars erheblich.

          Wie gut die Atmosphäre in dieser deutsch-französischen Eiskunst-Gemeinschaft ist, war einen Tag vor dem Wettkampfauftakt mit dem Kurzprogramm unverkennbar. Es wurde viel gelächelt und geredet auf dem Eis. Auch in Oberstdorf, wo Aljona Savchenko und Bruno Massot mit ihren jeweiligen Lebenspartnern wohnen, bestimmt im Zweifel ein atmosphärischer Hochdruckeinfluss das kooperative Klima. Die Freudlosigkeit, die dem Chemnitzer Hochleistungskombinat Savchenko/Szolkowy unter der Knute ihres strengen Lehrmeisters Ingo Steuer zuzeiten anzumerken war, hat sich in Oberstdorf bisher nicht eingenistet.

          Aljona Savchenko genießt ihr neues Glück an der Seite ihres englischen Verlobten Liam Cross, den sie am 18. August im Allgäu ehelichen wird; Massot ist froh, dass seine Freundin aus Caen nach Oberstdorf gezogen ist; und Trainer König, ein Berliner mit sonniger Aura, spaltet in strittigen Momenten nicht wie gelegentlich Steuer, sondern ist umstandslos auf Versöhnung bedacht.

          Der 49 Jahre alte Eislauflehrer ist unter den Umständen genau der Richtige, gemeinsam mit seinen Läufern nach neuen Horizonten zu suchen und neue Perspektiven aufzuspüren. „Manchmal geht es bei uns wie in einer Großfamilie zu“, beschreibt er das Gemeinsamkeitsgefühl rund um die tägliche Arbeit. DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf erkennt Aljona Savchenko in ihrer Bereitschaft zum kommunikativen Miteinander manchmal kaum wieder. „Das Gute an neuen Verbindungen ist, dass sie offen für Veränderung sind“, sagt Dönsdorf und unterfüttert seine These auch mit fachlichen Beobachtungen. Savchenko offenbarte bei ihren Küren mit Partner Szolkowy häufig Schwächen bei den Einzelsprüngen.

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          „Mich überrascht am meisten“, sagt Dönsdorf, „wie sicher und mit welcher Qualität sie den Dreifachsalchow inzwischen beherrscht.“ Manchmal messen sich Savchenko und Massot in einem internen Sprungwettbewerb daran, wer am häufigsten fehlerfrei gelandete Dreifachtoeloops oder Dreifachsalchows in Serie schafft. Natürlich gibt es immer noch Momente, in denen die manchmal vulkanische Läuferin wütend wird oder dem impulsiven Massot, der auf dem Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft ist, der Geduldsfaden reißt. Dann greift König beschwichtigend ein. Massot kann es manchmal nicht schnell genug gehen, das Spitzenniveau seiner Partnerin zu erreichen. „Er tut ganz viel dafür und versucht, in jedem Training fehlerfrei zu bleiben“, sagt König, „diese Sicherheit versetzt ihn in die Lage, mehr von der Kunst des Eislaufs zu erfühlen.“ Das war für den aus der Normandie kommenden Läufer angesichts seiner früheren Partnerinnen auf mittelmäßigem Niveau gar nicht möglich.

          In Bratislava kämpft der deutsche Meister erstmals um die international begehrten Medaillen mit - kostbare Erinnerungsstücke, die Aljona Savchenko alle Jahre wieder erworben hat. Nach der langen Sperre kann sie aufs Neue auf höchste Auszeichnungen hoffen. Schließlich fehlen von den starken russsischen Paaren die Titelverteidiger Kawaguti/Smirnow und die Olympiazweiten von 2014, Stolbowa/Klimow, wegen Verletzungen. Einzig die Olympiasieger Wolossoschar/Trankow scheinen noch zu gut für Savchenko/Massot. Vielleicht überreichte ob der glänzenden Aussichten in Bratislava die 32 Jahre alte Paarlaufmeisterin ihrem am Donnerstag 27 Jahre alt gewordenen Partner Massot auch deshalb kein Präsent. „Das Geschenk gibt’s am Samstag“, sagte Savchenko. Dann fällt die Entscheidung in der Paarlauf-Konkurrenz.

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