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Politische Verzichte : Olympia-Boyköttchen

  • -Aktualisiert am

Olympische Ringe am Flughafen im russischen Sotschi Bild: dpa

Der Fraktionschef der FDP fordert einen Boykott der Politiker für die Spiele in Peking. Doch wenn allein der Polit-Tross fernbleibt, ist das zwar ehrenhaft – löst aber nicht den Kernkonflikt.

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          Boykottiert die Winterspiele 2022 in China! Das ruft Alexander Graf Lambsdorff. Der stellvertretende Fraktionschef der FDP lässt sich zwar ein Hintertürchen offen, falls der „Völkermord an den Uiguren“ nachvollziehbar entkräftet werde. Aber damit ist kaum zu rechnen. Eher mit einem kaltlächelnden Hinweis aus Peking, der gemeine Deutsche möge sich nicht in innere Angelegenheiten der Volksrepublik einmischen. Also wird der Graf nicht mehr zurücktreten können von seiner Position: Bleibt daheim.

          Daran sind die Deutschen inzwischen gewöhnt. Allerdings galt die Aufforderung gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland nicht den Athleten, sondern seinesgleichen. Der Spitzensport wird aufatmen.

          Auf die Anwesenheit von Abgeordneten, die vielen Olympiateilnehmern bei der Entwicklung ihres Talents mit Steuergeldern unter die Arme greifen, werden sie im Zweifel verzichten. Weil die ursprüngliche Idee, Sportler seien Repräsentanten des Landes, also auch der politischen Kultur, etwa der Rechtsstaatlichkeit, überholt ist? Das Finanzierungsmodell, die Rechtfertigung der Regierung für diesen Aufwand, die Symbolik bei Olympia, Flagge und vor allem Hymne („Recht und Freiheit“), sagen etwas anderes: dass die Olympiamannschaft, ob nun bewusst oder unbewusst, eine politische Botschaft ins Stadion trägt. Insofern hat der Vorschlag von Graf Lambsdorff eine Bedeutung. Politikern mit demokratisch-freiheitlicher Gesinnung verbietet sich die Teilnahme an einer olympischen Party zu Ehren einer Regierung, die „jeden Tag für schwerste Menschenrechtsverletzungen“ (Lambsdorff) verantwortlich gemacht wird.

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          Was aber geschieht, wenn der Polittross aus Berlin, der Sportausschuss die Spiele demonstrativ boykottiert? Nicht das, was man vielleicht erwartet. Chinas Führung wird auch ohne Staatschefs auf der Ehrentribüne seine Show durchziehen. Politische Boykotte, wie der kleine zu den Winterspielen 2014 in Russland, dienen vor allem der Selbstachtung: Bundespräsident Gauck reiste nicht. Wir fanden es gut.

          Das löst aber nicht den Kernkonflikt, den Graf Lambsdorff mit seinem Vorschlag zu umgehen versucht. Indem sich Politiker quasi opfern, um jungen Athleten nach zehnjähriger Vorbereitung das Olympia-Erlebnis, für manche die einzige Chance im Leben, nicht zu verderben. Das ist ehrenhaft. Aber es gibt nur ein Mittel, Regierungen wie in China oder Machthabern anderer Länder deutlich zu machen, dass olympische Sportfeste nicht auf blutigem Boden stattfinden dürfen: der Rückzug einer Reihe namhafter Olympiateams.

          Dass es dazu kaum kommen wird, hängt mit der Kaltblütigkeit des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zusammen. Es hat trotz der Kritik vor und nach den Sommerspielen 2008 in China die Menschen mit der Wahl Pekings als Feierstätte wieder in eine Zwangslage manövriert. Weil es auf die Wirtschaftskraft Chinas setzte. München, aussichtsreichster Kandidat, heißt es mitunter süffisant, sei ja nicht bereit gewesen. Das stimmt. Die Bürger trauten dem IOC nicht.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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