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Olympia-Marathon verlegt : Tokio fühlt sich vom IOC geohrfeigt

Lernen von Doha: Marathon soll bei Olympia 2020 nicht im heißen Tokio gelaufen werden Bild: dpa

Der IOC-Beschluss, die olympischen Marathonwettbewerbe 2020 im kühleren Sapporo austragen zu lassen, stößt in Tokio auf heftige Kritik. Die Gouverneurin wagt einen kühnen Vergleich.

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          Die Gouverneurin von Tokio, Yuriko Koike, ist bekannt dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt. Sarkastisch kommentierte sie den Beschluss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Marathonwettbewerbe der Olympischen Spiele im kommenden Jahr nicht im heißen Tokio, sondern im kühleren Sapporo auf der nördlichen Hauptinsel Hokkaido stattfinden zu lassen. Wenn man sich über kalte Orte unterhalte, könne man die Sportereignisse doch auf den nördlichen Territorien abhalten, sagte Koike am Tag nach der Ohrfeige des IOC für Tokio aus dem fernen Doha. Die nördlichen Territorien sind vier Inseln der südlichen Kurilen, die Japan als Territorium beansprucht, die seit dem Zweiten Weltkrieg aber von Russland regiert werden. Sie liegen ein wenig weiter östlich von Hokkaido.

          Patrick Welter
          (pwe.), Wirtschaft

          Der scharfe Kommentar der Gouverneurin zeigt, wie sehr die Entscheidung des IOC die Verwaltung der Hauptstadt Japans getroffen hat. Dass es im Sommer in Tokio sehr heiß und sehr schwül ist, war den IOC-Mitgliedern schon bekannt, als sie 2013 der Metropole den Zuschlag gaben. Tokio und die Organisatoren haben sich bemüht, die damit verbundenen Schwierigkeiten zu lindern.

          Die Startzeit des Marathons und der Geher-Wettbewerbe wurde auf 6.00 und 5.30 Uhr morgens vorverlegt, und die Strecken sollen mit Hitze-reduzierendem Belag ausgestattet werden. Unter anderem sollen Befeuchtungsanlagen feinen Nebel erzeugen, um Zuschauer vor Hitzschlag zu schützen. Noch im Juli hatte IOC-Präsident Thomas Bach die Vorbereitungen Tokios als außergewöhnlich gut gelobt. Die plötzliche Umverlegung der Marathon- und Geher-Wettbewerbe kam deshalb für Tokio wie ein Blitz aus heiterem Himmel. „Es gab keine Diskussion“, klagt Koike. Ende Oktober soll darüber mit dem IOC in Tokio gesprochen werden. Koike verlangt eine Erklärung.

          Ebenso überraschend kam das Glück, zur Sommer-Olympiastadt zu werden, für Sapporo. Der erfreute Bürgermeister Katsuhiro Akimoto erfuhr von der Entscheidung des IOC nach eigener Aussage aus den Medien. Natürlich sagt er nicht nein und bietet Tokio, wo man gerne auf das provinzielle Hokkaido herabblickt, sofort Hilfe an. Sapporo richtet jährlich einen beliebten Marathonwettbewerb aus. 1972 trug die Stadt die Olympischen Winterspiele aus und erwägt, sich für die Winterspiele 2030 zu bewerben. Da kann ein in Rekordzeit ausgerichteter olympischer Marathon nicht schaden.

          Für die Athleten wird das Laufen und Gehen in Sapporo angenehmer. Das IOC erklärte, dass die Sommertemperaturen dort 5 bis 6 Grad niedriger seien als in Tokio. Doch Sapporo biete nicht die Kulisse der japanischen Hauptstadt, klagt der japanische Marathonläufer Yuma Hattori. 1964, als Tokio erstmals Olympische Spiele ausrichtete, war die Hitze kein Problem. Das Sportereignis fand im Oktober statt. Die Sendepläne der großen Fernsehanstalten verlangen mittlerweile aber olympische Termine im Sommer.

          Die verärgerten Kommentare Koikes werden das IOC nicht mehr von Sapporo abbringen. Mori, der Chef des japanischen Vorbereitungskomitees, erklärte schon, dass man sich den Wünschen des IOC und der Fachverbände nicht entgegenstellen könne. Der Ärger der Gouverneurin liegt wohl auch darin begründet. Koike war zu einem früheren Zeitpunkt mit ihrer Idee, manche Wettbewerbe kostensparend aus der Hauptstadt heraus zu verlegen, auf Widerstand gestoßen.

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