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Eintracht Frankfurt : Der Kandidat, mit dem alle können

  • -Aktualisiert am

Kandidat mit allerbesten Aussichten: Wolfgang Steubing wird bei der Eintracht vielen Erwartungen gerecht. Bild: Wolfgang Eilmes

Wolfgang Steubing geht völlig unbeschadet aus dem Wirbel um die Eintracht hervor – und wird wohl neuer Aufsichtsratsvorsitzender.

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          In den vergangenen Wochen ist es hoch hergegangen bei der Frankfurter Eintracht. Die Diskussion um Trainer Thomas Schaaf, die mit dessen Flucht aus Frankfurt endete, hat vielen im Verein geschadet. Zuerst dem Vorstand. In der Öffentlichkeit entstand das Bild, dass Finanzvorstand Axel Hellmann als einer der Hauptkritiker Schaaf vergraulte und dass Heribert Bruchhagen es als Vorstandsvorsitzender versäumte, ein Machtwort zu sprechen und rechtzeitig für Ruhe zu sorgen.

          Peter Heß
          (peh.), Sport

          Auch der Aufsichtsrat der Fußball AG und der Verwaltungsrat des Eintracht e.V. erschienen als Gesamtgremien phasenweise in einem schlechten Licht, weil kolportiert wurde, dass einzelne Mitglieder hinter vorgehaltener Hand Schaaf in Frage gestellt hätten.

          Eine der Führungsfiguren der Eintracht, die völlig unbeschadet aus den vergangenen Wochen hervorgegangen sind, ist Wolfgang Steubing. Der 65 Jahre alte Wertpapierhändler hielt sich mit allen öffentlichen und halböffentlichen Kommentaren zurück. Was ihm noch nie schwergefallen ist. Steubing macht um seine Person wenig Aufhebens. Seit Jahren wirkt er als Gönner und Mäzen, manche sehen in ihm auch eine graue Eminenz, weil er sowohl im Aufsichtsrat der AG als auch im Verwaltungsrat des e.V Sitz und Stimme hat.

          Streubing wird wohl gewählt

          Der Begriff graue Eminenz traf allerdings nicht zu. Steubing verzichtete darauf, seinen Einfluss und seine Kontakte zu nutzen, um eine eigene Karriere oder um seine Philosophie im Verein voranzutreiben. Er verstand sich eher als Stimme der Vernunft und des Ausgleichs. So war es jedenfalls bis jetzt. Von diesem Montag an wird die Versuchung größer für ihn werden, an Strippen zu ziehen. Denn auf der Hauptversammlung der Eintracht Frankfurt Fußball AG wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt werden.

          Steubing ist der Kandidat, mit dem alle können und der mit allen kann. Mit den Aktionären, die den Aufsichtsrat bestellen, und mit dem Vorstand. Wurden die Mitglieder des letzten Aufsichtsrates entweder in modern (gleich pro Hellmann) oder altmodisch (gleich pro Bruchhagen) aufgeteilt, so traf das nicht auf Steubing zu.

          Mit Fischer versteht er sich gut

          Er zeigte für beider Positionen (mehr finanzielle Risikobereitschaft, defensives Wirtschaften) Verständnis und bewertete die Arbeit beider Vorstände in der Öffentlichkeit positiv. Auch mit Eintracht-Präsident Peter Fischer, dem Vertreter des Hauptaktionärs (Eintracht e.V. mit 62,9 Prozent), versteht sich Steubing sehr gut. Allein dadurch, dass Fischer sowie Eintracht-Vizepräsident Burkert und Eintracht-Schatzmeister Förster dem neuen neunköpfigen Aufsichtsrat als Vertreter des Hauptaktionärs angehören werden, ist eine Wahl Steubings zum Vorsitzenden dieses Gremiums schon wahrscheinlich.

          Vorgänger: Wilhelm Bender macht als Aufsichtsratsvorsitzender Platz.
          Vorgänger: Wilhelm Bender macht als Aufsichtsratsvorsitzender Platz. : Bild: dpa

          So wird Steubing erstmals in seiner langen Beziehung zur Eintracht aus dem Hintergrund in die vordere Reihe vorrücken. Seine Liebe zur Eintracht entstand in der Kindheit, Alfred Pfaff war sein Idol. Und dieser Liebe blieb er immer treu, auch wenn er zunächst Rot-Weiss Frankfurt zu einer Blüte verhalf und dafür in der Stadt bekannt wurde, weil er den Verein als Präsident führte.

          Der Finanz- und Aktienfachmann, der die Wertpapierhandelsbank Steubing AG gründete, half damals der Eintracht im Stillen, durch Rat und durch finanzielle Zuwendungen. Nun, mit 65 – seiner Aktiengesellschaft ist er noch als Aufsichtsratsvorsitzender verbunden –, lebt der zurückhaltende, fast scheue Finanzfachmann seine Liebe so öffentlich wie noch nie aus.

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