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Eintracht Frankfurt : Vor Freude verletzt

Frankfurter Doppelpack: Joselu trifft gegen den 1. FC Nürnberg zweimal ins Tor, Kollege Aigner bereitet zwei Treffer vor. Bild: dpa

Ein Akt der Befreiung: Selbst ohne ein Führungstrio verschafft sich die Eintracht mit dem 5:2 in Nürnberg Luft im Kampf um den Klassenverbleib. Für Trainer Veh hat ein Jubelsprung schmerzhafte Folgen.

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          Irgendwie passte die Szene zu diesem Spiel. Als Joselu in der 88. Minute das 4:2 erzielte und letzte Zweifel am wichtigen Auswärtssieg in Nürnberg zerstreute, sprang Eintracht-Trainer Armin Veh vor Freude jubelnd in die Höhe. Als er wieder auf dem Boden landete, verzog er das Gesicht. Der Frankfurter Coach hatte sich eine Zerrung in der linken Wade zugezogen. Nachdem kurz danach der eingewechselte Vaclav Kadlec in der zweiten Minute der Nachspielzeit den 5:2-Endstand herstellte und für kollektive Erleichterung bei der Eintracht-Delegation sorgte, hielt sich Veh deshalb mit weiteren Freudensprüngen zurück. „Ich bin sehr glücklich“, sagte er später. Der Eintracht war es nach dem 1:4-Tiefschlag in der Vorwoche gegen den SC Freiburg endlich geglückt, einen Mitbewerber im Kampf um den Klassenverbleib gehörig auf Distanz zu halten. Der Vorsprung vor dem geschlagenen

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          1. FC Nürnberg ist auf sechs Punkte angewachsen. Als Tabellenzwölfter darf die Eintracht etwas durchatmen, mehr aber auch nicht. „Es war der berühmte Befreiungsschlag“, sagte der sichtlich erleichterte Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen. „Doch bei 29 Punkten ist es eher ein Befreiungsschlag des Augenblicks.“

          Tranquillo Barnetta war herausragend

          Der Dienstausflug ins Frankenland hätte schlechter nicht starten können. Denn neben Alexander Meier und dem gar nicht mehr zur Verfügung stehenden Sebastian Rode musste Trainer Veh kurzfristig auch Pirmin Schwegler ersetzen. Der Kapitän, der schon am Donnerstag beim Üben fehlte, weil er sich unwohl fühlte, schaute sich das torreiche Spektakel in einem Nürnberger Hotelzimmer an – mit 39 Grad Fieber. Die Eintracht ohne Führungstrio: Es machte die schwere Aufgabe nicht leichter, doch Veh konnte sich auf seine Spieler verlassen. „Wir haben insgesamt eine gute Mannschaftsleistung gezeigt“, lobte Bruchhagen.

          Herausragend an diesem 23. März war einer der Kleinsten: Tranquillo Barnetta. Als der Schweizer Torschütze des 1:0 gefragt wurde, ob dies sein bestes Spiel im Eintracht-Trikot war, wiegelte der 28 Jahre alte offensive Mittelfeldspieler ab: „Das müssen andere beurteilen.“ Es war aber Barnettas bester Auftritt im Eintracht-Trikot, seit er vom FC Schalke gekommen war. Endlich schlug der Eidgenosse gefährliche Flanken, Freistöße und Eckbälle. Und er wusste auch als Vollstrecker in der 21. Minute zu gefallen. Dabei profitierte er von einer perfekten Vorarbeit des ungemein fleißigen und umsichtigen Stefan Aigner, der auch beim zweiten Frankfurter Treffer (49.) uneigennützig den besser stehenden Nebenmann, diesmal Joselu, bediente. Als auch noch Alexander Madlung ein abgewehrter Kopfball von Martin Lanig vor die Füße fiel und der Innenverteidiger auf 3:0 erhöhte (53.), schien das Spiel entschieden.

          Mit Wucht: Eintracht-Verteidiger Madlung macht Pekhart das Leben schwer.
          Mit Wucht: Eintracht-Verteidiger Madlung macht Pekhart das Leben schwer. : Bild: dpa

          Doch der „Club“ kam durch Josip Drmic (64.) und José Campaña (71.) auf 2:3 heran. Joselu aber konterte entscheidend – und Veh zerrte sich die Wade. Der Eintracht war entgegenkommen, dass die Nürnberger von der 80. Minute auf Javier Pinola verzichten mussten, der nach einer Notbremse an Joselu Rot sah. In der Analyse dieses kurios verlaufenen Spiels blickte Vorbereiter Aigner zurück. „Gegen Freiburg haben wir gut gespielt und verloren. Gegen Nürnberg haben wir gut gespielt und gewonnen.“

          Aigner gab einiges von der Marschroute preis, die sich die Frankfurter für die Begegnung in Nürnberg vorgenommen hatten. „Der Trainer hatte uns in der Besprechung mitgeteilt, dass wir uns nicht dem Spaß am Fußball nehmen lassen sollten. Wir als Mannschaft wollten nach dem 1:4 gegen Freiburg eine Reaktion zeigen.“ Ein Vorhaben, das verwirklicht wurde. „Unsere Leistung war sehr gut“, sagte Aigner. „Bis zum 3:0 hatten wir so weit alles im Griff.“ Als die Nürnberger jedoch zweimal eiskalt zuschlugen und dem Ausgleich aus Frankfurter Sicht bedrohlich nahe kamen, spürten die Eintracht-Profis nach Auskunft von Aigner „den großen Druck, der auf uns lastete“. Bloß nicht verlieren, bloß nicht in den Tabellenkeller rutschen. „Die Gegentore haben uns aus der Ruhe bringen lassen.“ Umso wichtiger daher, dass der starke Joselu mit seinem zweiten Treffer für Entspannung sorgte.

          Schön auch, so die Einschätzung des Torschützen Madlung, dass mit Bundesligaspielen der Eintracht am Sonntag nun endlich Schluss ist. „Für uns war das schon eine blöde Ausgangslage, dass wir zum Schluss spielen mussten“, sagte Madlung. „Wenn du sonntags spielst, ist der Druck umso größer.“ Vor allem an diesem speziellen Sonntag. Die Eintracht-Spieler wussten schon vor dem Anpfiff, dass sie nicht verlieren durften, nachdem am Freitag Freiburg den SV Werder Bremen 3:1 geschlagen und tags darauf der VfB Stuttgart gegen den Hamburger SV 1:0 gewonnen hatte. Doch anders als noch in der Vorwoche gegen Freiburg hatten sie dem Druck diesmal standgehalten. Veh dürfte es verschmerzen, seine Wade im Überschwang der Gefühle gezerrt zu haben.

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