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SV Darmstadt 98 : „Wir haben genauso Siegertypen wie damals“

  • -Aktualisiert am

Zwei aus der Erfolgsära: Trainer Dirk Schuster und Marcel Heller Bild: Jan Huebner

Beim SV Darmstadt 98 lief es schon einmal besser. Offensivspieler Marcel Heller erklärt, warum die Mannschaft trotzdem stark ist und worauf sie sich nun konzentrieren muss.

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          Gehen Sie in Frankfurt in die WM-Arena, um sich von den Eintracht-Topstürmern Luka Jovic und Ante Rebic inspirieren zu lassen?

          Wenn es meine Zeit zulässt, warum nicht? Aber ich habe ja auch einen Fernseher zu Hause – und dort ist es schön warm. Natürlich ist es toll, wie es zurzeit bei der Eintracht läuft und wie vor allem die Stürmer vorne miteinander harmonieren. Ich bin jedoch ein eigener Spielertyp. Deshalb schaue ich mir sowieso nicht so viel von den anderen ab.

          Auch Sie sind als Offensivspieler sehr schnell und trickreich. Können Sie sich am Spiel eines Luka Jovic oder Ante Rebic umso mehr begeistern?

          Klar reißt man vor dem Fernseher die Augen ein bisschen weiter auf, wenn Luka Jovic wie gegen Düsseldorf in der Bundesliga fünf Tore in einem Spiel macht. Wenn ein Kollege egal wo super Offensivaktionen hat, ist es für einen Offensivspieler wie mich immer interessant, sich das anzuschauen.

          Nach einer Saison in der Bundesliga in Augsburg sind Sie im Sommer nach Darmstadt zurückgekehrt. Tickt Ihr Trainer Dirk Schuster, mit dem die „Lilien“ einst den Durchmarsch von der dritten in die erste Liga geschafft hatten, sportlich genauso wie früher?

          Jeder entwickelt sich ein bisschen weiter. Ich als Spieler, Dirk Schuster als Trainer. Er hat seine Linie beibehalten, ein Großteil seiner Arbeit entspricht der aus den sehr erfolgreichen Jahren. Aber es kommen immer Kleinigkeiten dazu, die er neu entwickelt. Die Art, welchen Gegner wir wie bespielen können zum Beispiel im Anlaufen. Oder wie tief wir stehen. Der Trainer Dirk Schuster war bereits früher mit seinem Tun erfolgreich. So viel zu verändern gibt es also nicht.

          Sie sind jetzt 32. Zwei Tore und vier Vorlagen zieren Ihre aktuelle Zweitliga-Bilanz. Wo haben Sie sich weiterentwickelt?

          Überall, auch vom Charakter her. Aufgrund meiner Erfahrung möchte ich Verantwortung übernehmen und für jüngere Spieler da sein, ihnen helfen. Außerdem ist mein Passspiel ein bisschen sauberer geworden, ich versuche, die Flanken noch besser hineinzuschlagen und noch effizienter zu sein.

          War die „Lilien“-Mannschaft bei den Aufstiegen besser als die jetzige?

          Das lässt sich schwer vergleichen, aber ich bin absolut überzeugt von der jetzigen. Wir sind gut aufgestellt. Wir haben genauso Siegertypen wie damals in der Mannschaft. Aber in unseren Hoch-Zeiten hat einfach sehr viel funktioniert. Auch das Spielglück war oft auf unserer Seite.

          Im Moment schaut es in Darmstadt nach Abstiegskampf aus. Wie schwer fällt es Ihnen, mit der Normalität umzugehen nach der rauschenden Zeit in Darmstadt?

          Es ist nicht schwer. Natürlich ist das eine schöne Erinnerung. Es war ein einzigartiges Erlebnis. Aber jetzt zählt das Hier und Jetzt, wir leben nicht in der Vergangenheit. Heute wollen wir uns stabilisieren und Punkte holen. Und das Potential dazu haben wir ohne Frage.

          Für Sie war der Darmstädter Durchmarsch in die Bundesliga das „achte Weltwunder“. Haben Sie die Hoffnung auf ein neuntes?

          Jeder Fußballprofi strebt den größtmöglichen Erfolg an, aber wir müssen nach der zurückliegenden Saison und in unserer Situation auch realistisch bleiben. Ein solches Szenario ist aktuell in ganz weiter Ferne. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche. Wir hatten vor dem 1:1 in Regensburg eine kleine Phase, in der wir nicht gepunktet haben. Wir wollen jetzt wieder konstant Zähler sammeln.

          Nach den vier Niederlagen nacheinander hieß es, Darmstadt müsse beim Verteidigen zu alter Stärke zurückfinden, darauf muss der Fokus gerichtet sein. Wie gehen Sie damit als Offensivspieler um?

          Unser System ist erst einmal mehr auf die Defensive ausgerichtet, stabil zu stehen und die Null zu halten. Das erhöht am Ende die Siegchance, hinten den Kasten sauber zu halten. Für einen Offensivspieler ist es zwar nicht das Schönste, Defensivarbeit zu verrichten. Aber es gehört im Fußball heute einfach dazu.

          Man muss hellwach sein und darf seine Gegenspieler nicht aus den Augen verlieren. Wenn wir Phasen im Spiel haben und teilweise ein bisschen höher stehen und vorne attackieren, ist das schöner für mich, weil ich dann kürzere Wege zum Tor habe. Nur so, wie der Trainer das System auslegt, muss man auch arbeiten. Und darauf sind wir unter Dirk Schuster alle gut getrimmt.

          Stürmer sollen vorne eiskalt zuschlagen. Wie groß ist der Kräfteverschleiß für einen nach hinten arbeitenden Angreifer?

          Natürlich fehlt dir die ganze Kraft dann irgendwann vorne, wenn du dauernd nach hinten mitarbeitest. Das gilt auch für die Konzentration. Lässt du vorne eine Chance liegen, fragen sich die Leute: Was hat der jetzt gemacht? Von außen ist das schwer nachzuvollziehen. Aber wenn du auf dem Feld stehst, spürst du den Verschleiß. Ich verstehe jedoch einen Trainer, wenn er sagt, dass es kein Dauerzustand sein kann, sich vorne nur auf das Toreschießen zu konzentrieren.

          An diesem Freitag empfängt Darmstadt die Mannschaft der Stunde, den Tabellenzweiten Fürth. Sind die Franken ein gefundenes Fressen für die „Lilien“?

          Das würde ich nicht sagen. Fürth ist eine vom Trainer gut eingestellte Mannschaft und hat einen Lauf. Die dortige Aufwärtsentwicklung erinnert mich an unsere erfolgreiche Zeit in Darmstadt. Jetzt wollen wir Fürth aufhalten.

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