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Rodeln bei Olympia 2018 : Loch „verschenkt“ die Goldmedaille

Die Enttäuschung in groß: Felix Loch nach dem verpatzten vierten Lauf. Bild: Reuters

Bis zum vierten Durchgang hat Felix Loch Gold im Rodeln fast sicher. Dann unterläuft ihm ein folgenschwerer Fehler – davon profitiert auch sein Teamkollege.

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          „Beautiful“, sagte der Amerikaner. „Muy bien“, sagte die Mexikanerin. Felix Loch hatte den dritten von vier Läufen auf der Olympiabahn mit einem Streckenrekord beendet. Der Amerikaner Chris Mazdzer würde ihn in einigen Minuten übertreffen, aber Loch war auf dem besten Weg zu seinem dritten Olympiasieg im Rennrodeln nacheinander. 2010, 2014, 2018: Der Sieger würde Loch heißen.

          Der vierte Lauf, die 20 besten Rodler der ersten drei Durchgänge haben sich qualifiziert. Es fällt Schnee, zum ersten Mal seit einer Woche in Pyeongchang. Der 20. nach drei Runden beginnt. Die Namen werden schnell prominenter, Semen Pawlitschenko, Europameister aus Russland, chancenlos. Wolfgang Kindl, Österreich, Weltmeister, chancenlos. Alle hatten Fehler gemacht in den Läufen zuvor. Alle, außer Felix Loch. Als schließlich 19 Rennrodler unten sind, führt der Österreicher David Gleirscher. Noch nie ist er im Weltcup unter die ersten drei gefahren. Zweiter ist der Amerikaner Chris Mazdzer, Dritter der Thüringer Johannes Ludwig. Dem schießen seit Minuten die Gedanken durch den Kopf. „Ich dachte: Fünfter bei der ersten Olympiateilnahme, das ist geil. Dann fällt einer zurück, aber David ist schneller. Ich dachte: ich brauch’ nur einen, nur einen. Chris und Felix waren noch oben. Chris fährt vor mich. Ich dachte: Felix macht sowieso keinen Fehler. Das wars, undankbarer Vierter.“

          Loch startet, vier Paddelschläge, er hat mehr als zwei Zehntelsekunden Vorsprung. Er steuert sicher durch die ersten Kurven, der Schlitten ist „zurückgenommen“, auf Sicherheit eingestellt, wie Sportdirektor Thomas Schwab später erzählt. Erste Zwischenzeit, zweite, der Vorsprung ist stabil. Loch steuert auf Kurve neun zu, die Schlüsselstelle der Bahn, den „Scharfrichter“, wie Georg Hackl, der dreimalige Olympiasieger, die komplexeste Stelle der Bahn nennt. Dreimal ist Loch fehlerfrei hindurch gekommen, hat laut Hackl die „Bahn beherrscht wie kein anderer“. Beim vierten Mal nicht. Ein „ganz kleiner Fehler eigentlich“, sagt Schwab später. Aber nicht zu korrigieren. Loch touchiert die Bande rechts von ihm, steht quer, verliert an Fahrt. Im Ziel sind aus zwei Zehntelsekunden Vorsprung mehr als zwei Zehntelsekunden Rückstand geworden. Loch ist Fünfter. Er schlägt die Hände vor den Helm.

          Gleirscher und Mazdzer springen auf und ab. Ludwig steht für einen Moment wie angewurzelt. „Ich wusste nicht richtig, was ich sagen soll. Ich war überglücklich und hatte gleichzeitig Mitleid mit Felix. Keiner hat das erwartet. Felix hat immer zum Saisonhöhepunkt gezeigt, dass er seinen Stiefel runter fahren kann. Aber Felix ist auch nur ein Mensch.“ Loch sitzt lange vornübergebeugt auf seinem Schlitten. Schließlich setzt er sich in die Umkleidekabine. Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, der das Rennen an der Bahn verfolgt hatte, kommt dazu. Er bleibt ein paar Minuten. Danach geht Loch zur Doping-Kontrolle. Zu hören ist an diesem Abend nichts mehr von ihm.

          Felix Loch verspielt im letzten Durchgang seinen Vorsprung aus den ersten drei Läufen und verpasst seinen dritten Olympiasieg nach 2010 und 2014. Bilderstrecke

          Johannes Ludwig beginnt sich zu freuen, auch für David Gleirscher, den Sieger aus Österreich. „Der beste Rodler über vier Läufe hat gewonnen“, sagt Ludwig: „Die Bahn ist nicht einfach. Sie verlangt uns viel ab. Heute war ein toller Tag für den Rodelsport, es war keine Materialschlacht“, sagt er auf der Pressekonferenz. Gleirscher fühlt sich „wie im Märchen“. Er hatte sich doch erst in Lillehammer, auf den letzten Drücker für Olympia qualifiziert. Mazdzer gewinnt als erster Amerikaner eine Medaille im Einzel. Er grinst und grinst und grinst.

          Am Dienstag vergangener Woche, zu Trainingsbeginn auf der Olympiabahn, war Loch von einem englischen Kamerateam nach seinen Zielen gefragt worden. Er will mit einer Medaille nach Hause kommen, sagte Loch. Klappt das nicht habe er drei Goldmedaillen zuhause, die beiden Einzelmedaillen und jene für den Team-Sieg 2014. „Das ist ja nicht so schlecht.“ Eine vierte, sagt Bundestrainer Norbert Loch sechs Tage später, habe sein Sohn „verschenkt. Felix muss man jetzt zur Seite stehen. Er hätte nur geradeausfahren müssen“, sagt er: „Aber er kann mit Niederlagen umgehen.“

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