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Kombinierer Eric Frenzel wird bei der Olympia-Eröffnung die deutsche Fahne tragen. Bild: dpa

Fahnenträger Eric Frenzel : Mach’s wie Maria

Eric Frenzel darf die deutsche Fahne bei der Olympia-Eröffnung tragen. Das ist ein kleiner Coup für den Kombinierer. Auf dem Weg zum ehrenvollen Job in Pyeongchang gab es aber ein paar Hürden zu überwinden.

          Die Zeit war schon fortgeschritten, als Eric Frenzel endlich im Deutschen Haus im Birch Hill Club oben auf den Hügeln über Pyeongchang ankam. Der Flieger hatte mehrere Stunden Verspätung, trotzdem wirkte der 29 Jahre alte Sachse noch recht frisch, als er lächelnd durch ein Spalier von applaudierenden Gästen schritt. „Das war ja ein Empfang so ähnlich wie vor vier Jahren in Sotschi nach meinem Olympiasieg“, sagte er, „dabei habe ich noch gar nichts gemacht.“ Aber der Applaus galt dem Mann, für den es „eine große, große Ehre“ ist, dass er die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier an diesem Freitag (12.00 Uhr MEZ im F.A.Z.-Live-Blog, bei ARD und Eurosport1) im Olympiastadion zu Pyeongchang tragen darf.

          Schließlich hatte er ja bei der Wahl mit 31,4 Prozent der Stimmen so prominente Konkurrenten wie die nimmermüde Eisschnellläuferin Claudia Pechstein (24,5 Prozent), die alpine Rennläuferin Viktoria Rebensburg (16,7), die Rodlerin Natalie Geisenberger (8,7) aus dem Feld geschlagen und auch den Eishockeycrack Christian Ehrhoff (18,7). Ein kleiner Coup. Die Nordischen Kombinier stehen nicht gerade im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Da tut so ein medienwirksamer Auftritt vor dem großen Einmarsch schon mal gut. „So eine Chance, die Fahne einer Nation tragen zu dürfen, hat man ja nicht oft. Ich bin sehr stolz“, sagte Frenzel, der entsprechend gewürdigt wurde. Nicht nur als ein herausragender Athlet, sondern auch als Mensch: Ein bodenständiger, gelassener, uneitler Zeitgenosse. „Mehr Vorbild geht nicht“, behauptete Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Donnerstag.

          „Natürlich war meine Familie hellauf begeistert, als wir das erfahren haben“, sagte Frenzel, der seine ganze Kraft aus seinem kleinen Familienunternehmen zu Hause bezieht. „Ich habe dieses Jahr wieder viele tolle Momente erlebt, die für mich teilweise viel, viel mehr wert sind als jeder sportliche Erfolg. Meine Familie gibt mir Rückhalt, auch wenn es sportlich nicht so läuft.“ Wobei es ganz so gut wie in den Jahren zuvor, als Frenzel fünfmal den Gesamt-Weltcup gewann, tatsächlich nicht gelaufen ist in der Olympiasaison.

          Deswegen gab es ein paar Hürden auf dem Weg zum Fahnenträger zu überwinden. Frenzel war zuletzt nicht gerade in Bestform beim Springen. Eine Verklebung im Bereich der Kniegelenke machte eine Behandlung der Faszien nötig, um überhaupt in die tiefe Abfahrtshocke zu kommen. Erst beim Weltcup-Einsatz in Seefeld Ende Januar war wieder ein Aufwärtstrend zu erkennen. Deswegen hatte Bundestrainer Hermann Weinbuch auch zur Bedingung gemacht, dass Frenzel das volle vorolympische Trainingsprogramm in Oberstdorf mitmachen musste. Also flog er zwei Tage später als vorgesehen nach Südkorea und musste zudem auf drei Tage Freizeit mit der Familie verzichten. Aber da seine Frau und die drei Kinder ohnehin bald nach Pyeongchang kommen, war das kein großes Problem. Und jetzt hat Frenzel mehr Zeit zur Anpassung, denn die Kombinierer haben erst am 14. Februar ihren ersten Wettkampf.

          Weinbuch ist mächtig stolz auf Frenzel: „Wenn ein Kombinierer die Fahne tragen darf, ist das eine Auszeichnung für uns und unsere Sportart, die ja nicht so im Fokus steht. Dementsprechend hat er das auch wahrgenommen. Weil es eine einmalige Sache ist, die in einem Sportlerleben lange nachhallen wird.“ Ob Frenzel, der ja nicht gerade in der höchsten Gewichtsklasse spielt, vor dem Ernstfall noch die Gelegenheit hat, mit der stattlich-unhandlichen Fahne zu üben, ist noch nicht sicher. „Aber ich werde sie schon eine Zeitlang halten können“, sagte er. In einer Hinsicht aber würde er sich gerne an seine Vorgängerin Maria Höfl-Riesch halten. Die alpine Rennläuferin hat 2014 in Sotschi die deutsche Fahne beim Einmarsch getragen – und ist anschließend Olympiasiegerin geworden.

          Deutsche Fahnenträger bei Olympischen Winterspielen seit 1928

          1928 St. Moritz: Karl Neuner (Partenkirchen/Nordische Kombination)
          1932 Lake Placid: Martin Schröttle (Riessersee/Eishockey)
          1936 Garmisch-Partenkirchen: Georg von Kaufmann (Bayrischzell/Langlauf)
          1952 Oslo: Helmut Böck (Nesselwang/Langlauf)
          1956 Cortina d'Ampezzo: Anderl Ostler (Riessersee/Bob)
          1960 Squaw Valley: Helmut Recknagel (Zella- Mehlis/Skispringen)
          1964 Innsbruck: Georg Thoma (Hinterzarten/Nordische Kombination)
          1968 Grenoble: BRD Hans Plenk (Berchtesgaden/Rodeln) DDR Thomas Köhler (Oberwiesenthal/Rodeln)
          1972 Sapporo: BRD Walter Demel (Zwiesel/Langlauf) DDR Klaus Bonsack (Oberwiesenthal/Rodeln)
          1976 Innsbruck: BRD Wolfgang Zimmerer (Ohlstadt/Bob) DDR Meinhard Nehmer (Oberhof/Bob)
          1980 Lake Placid: BRD Urban Hettich (Schonach/N. Kombination) DDR Jan Hoffmann (Karl-Marx-Stadt/Eiskunst.)
          1984 Sarajevo: BRD Monika Holzner (Inzell/Eisschnelllauf) DDR Frank Ullrich (Oberhof/Biathlon)
          1988 Calgary: BRD Peter Angerer (Hammer/Biathlon) DDR Frank-Peter Roetsch (Zinnwald/Biathlon)
          1992 Albertville: Wolfgang Hoppe (Oberhof/Bob)
          1994 Lillehammer: Mark Kirchner (Scheibe-Alsbach/Biathlon)
          1998 Nagano: Jochen Behle (Willingen/Langlauf)
          2002 Salt Lake City: Hilde Gerg (Lenggries/alpiner Skisport)
          2006 Turin: Kati Wilhelm (Zella-Mehlis/Biathlon)
          2010 Vancouver: André Lange (Oberhof/Bob)
          2014 Sotschi: Maria Höfl-Riesch (Partenkirchen/Ski alpin)
          2018 Pyeongchang: Eric Frenzel (Oberwiesenthal/Nordische Kombination)

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