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Paul Biedermann : „Ich dachte, es ginge noch ein bisschen schneller“

Paul Biedermann kann in Rio seine Karriere krönen. Bild: dpa

Auf seiner Abschiedstour schwimmt Paul Biedermann ins Finale über 200 Meter Kraul. Für den Höhepunkt des zweiten Olympia-Abends sorgt aber ein anderer. Und eine Russin wird ausgebuht.

          3 Min.

          Paul Biedermann hat die Chance, seine Schwimmkarriere mit dem Gewinn einer Olympia-Medaille zu beenden. Der Freistilspezialist aus Halle hat in 1:45, 69 Minuten am Sonntagabend in Rio de Janeiro das Finale der acht schnellsten Schwimmer über 200 Meter Kraul erreicht. Biedermann war der viertschnellste Schwimmer, in seinem Lauf war lediglich der Amerikaner Conor Dwyer um 14 Hundertstelsekunden schneller. Im zweiten Halbfinale allerdings beeindruckte der Chinese Sun Yang mit 1:44,63 Minuten. Zweitschnellster war der Japaner Kosuke Hagano in 1:45,45 Minuten. Hagano hatte am Samstagabend die erste Goldmedaille der Schwimmwettbewerbe in Rio gewonnen, als er über 400 Meter Lagen siegte.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          „Es war okay. Ich dachte, es ginge noch ein bisschen schneller“, sagte Biedermann anschließend. „Morgen ist ein anderer Tag. Für mich zu wissen, dass das der Abschluss ist – da freue ich mich drauf.“ Biedermann schwamm ein sehr kontrolliertes Rennen, wendete nach 50 Metern als Fünfter, nach 100 Metern als Vierter und wendete auf die Schlussbahn als Zweiter. Mitte der letzten Bahn lag er in Führung. Dwyer überholte auf den letzten drei Armlängen.

          Für den Höhepunkt des zweiten Finalabends der Schwimmer sorgte – Michael Phelps. Der Rekordolympionike gewann mit der Vier-mal-100-Meter-Staffel der Amerikaner seine 19. Gold- und 23. Olympische Medaille. Phelps, im Vorlauf noch nicht eingesetzt, sprang als zweiter Schwimmer der Amerikaner ins Wasser, holte den Franzosen Fabien Gilot auch dank einer bemerkenswerten Wende ein und brachte die Vereinigten Staaten in Führung. Bob Bowman, der Cheftrainer des amerikanischen Männerteams und seit Jahrzehnten Phelps‘ Coach, sprach anschließend „von der besten Wende, die ich von ihm je gesehen habe.“

          Ryan Held und Nathan Adrian hielten die Spitzenposition vor den Franzosen, Adrian, Olympiasieger über 100 Meter Freistil in London 2012, schwamm in 46,97 Sekunden die schnellste Einzelzeit. Australien wurde dank Schlussschwimmer Cameron McEvoy, drei Hundertstelsekunden langsamer als Adrian, Dritter. Phelps, der 2014 sein Comeback verkündet hatte, nachdem er nach den Spielen von London 2012 zurückgetreten war, sagte anschließend: „Das waren die schnellsten 100 Meter Freistil meiner Karriere. Die letzten Vier-mal-100-Staffel meiner Karriere, das fühlt sich verdammt gut an. Die Jungs sind unglaublich, sie werden in vier Jahren für euch da sein – ich bin raus.“

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          Am Montag ist im Schwimmstadion kein Staffelfinale angesetzt. Höhepunkt des Abends wird die Entscheidung über 200 Meter Freistil. Der Vergleich der Finalteilnehmer von Rio – das Rennen beginnt am Montagabend um 22:20 Uhr Ortszeit/ 03:20 MESZ – mit jenen von London 2012 zeigt, wie sehr sich auf Biedermanns Paradestrecke ein Generationswechsel vollzogen hat. Neben Biedermann, der in London mit dem fünften Platz eine schwere Enttäuschung erlebte, ist nur Sun Yang wieder im Finale vertreten. Yannick Agnel, der Olympiasieger von 2012, war schon im Vorlauf  am Mittag ausgeschieden und hatte seinen Rücktritt angekündigt.

          „Auf französisch sagen wir: Mir fehlten die Waffen für den Wettkampf. Ich habe alles gegeben, wahrscheinlich war es das. Ich weiß, was ich will, und das spielt sich nicht im Wasser ab. Ich habe Glück gehabt, ich habe bekommen, was ich wollte, ich habe alles gewonnen“, sagte der erst 24 Jahre alte Agnel, der 2013 in Barcelona auch Weltmeister über diese Strecke geworden war. Eines aber war Agnel noch aufgefallen: Biedermann habe immer noch eine sehr gute, hohe Wasserlage. „Und seine letzte Bahn ist immer noch so stark.“


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          Bei den Finalläufen am Sonntagabend schwammen die Sieger der ersten drei Finals jeweils Weltrekord. Auf den Sieg der Schwedin Sarah Sjöström über 100 Meter Schmetterling in 55,48 Sekunden folgte der Auftritt des Briten Adam Peaty, der seinen erst im Vorlauf aufgestellten Rekord abermals verbesserte, auf 57,13 Sekunden. Die Amerikanerin Katie Ledecky, die auf allen Freistilstrecken ab 200 Meter klare Favoritin ist, verbesserte den von ihr gehaltenen Weltrekord um knapp zwei Sekunden auf 3:56,46 Minuten.

          Ledecky sagte, sie habe sich eine Zeit von 3:56 Minuten bereits in einem Gespräch mit ihrem Trainer Bruce Gemmell im Jahr 2013 nach der Weltmeisterschaft in Barcelona als Ziel für 2016 gesetzt. Ledecky schwamm 4,99 Sekunden schneller zum Sieg über 400 Meter Freistil als die Französin Camille Muffat 2012 in London. Bereits am Samstag hatte die Ungarin Katinka Hosszu in 4:26,35 Minuten einen Weltrekord über 400 Meter Lagen aufgestellt und die alte Bestmarke um mehr als zwei Sekunden verbessert.  Zudem hatte die australische Frauenstaffel bei ihrem Sieg über Vier-mal-100-Meter einen neuen Weltrekord aufgestellt.

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          Hörbaren Dopingverdacht äußerten die Zuschauer im olympischen Schwimmstadion gegenüber der Russin Julija Jefimowa, die über 100 Meter Brust als Zweitschnellste ins Finale einzog. Sie war in 1:05,72 Minuten eine Hundertstelsekunde langsamer als die Schnellste der beiden Halbfinalläufe, Lilly King aus den Vereinigten Staaten. Sowohl im Vorlauf am Mittag wie am Abend vor dem Halbfinale wurde Jefimowa, die erst am Freitag die Startberechtigung erhalten hatte, ausgebuht – auch von Stimmen aus dem Athletenblock.

          Die Russin, 2014 wegen Steroidmissbrauchs gesperrt und Anfang des Jahres wegen des Nachweises von Meldonium im Körper, darf in Rio starten, nachdem der Internationale Sportgerichtshof die Abrede des Internationalen Olympischen Komitees mit dem russischen NOK gekippt hatte, wonach Sportler mit Doping-Vergangenheit nicht in Rio starten sollen. Wie sehr das staatlich unterstützte russische Doping-System einige Schwimmer in Rio bewegt, zeigt auch die Aussage von Steffen Deibler. Der Hamburger hatte, nachdem die deutsche 4-mal-100-Meter-Freistilstaffel am Mittag im Vorlauf ausgeschieden war, die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees, Russland von den Paralympics auszuschließen, sei „definitiv das richtige Zeichen“. 

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