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Vielseitigkeit : Genialer Sam und Fisherman’s Lake

  • -Aktualisiert am

Selbst ein Olympiasiegpferd wie Sam erwischt mal einen nervösen Tag Bild: AP

Michael Jung braucht im Parcoursspringen einen Patzer des Führenden – und in der Teamwertung steht es um die deutschen Reiter überraschend schlechter als gedacht.

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          Selbst Michael Jung ist kein Außerirdischer, auch wenn die Vielseitigkeitsbranche das ständig behauptet. Manchmal muss auch der geniale Schwabe mit Schwierigkeiten kämpfen. Doch einer wie er weiß, wie er damit umzugehen hat, auch im olympischen Cross Country. Und so kam er trotz schwieriger Umstände ohne Fehler und innerhalb der erlaubten Zeit ins Ziel eines für olympische Verhältnisse sehr schweren Geländekurses. Jungs sechzehn Jahre alter Wallach Sam, wie fast alle Spitzenathleten genial und hochempfindlich zugleich, war am Start kaum mehr zu bremsen. Schon im Stall war es zu laut gewesen für eine angenehme Nachtruhe, und er hatte vor Aufregung zu schwitzen begonnen. Und der Lärm der Umgebung, die schneidenden Töne aus den Lautsprechern, die Rufe der Zuschauer und die vielen Pferde beim Aufwärmtraining hatten an den Nerven des braven Braunen gezerrt, so dass er reichlich energiegeladen auf die Strecke ging, bereit zur Flucht.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die gewohnte Mühelosigkeit war weg, aber die Zusammenarbeit klappte trotzdem, weil der Reiter ruhig Blut behielt. „Er war sehr nervös, sehr motiviert“, sagte Jung. „Aber er ist ein unglaubliches Pferd, mit seinem kraftvollen Galopp – und er kann alles springen.“ Vor den beiden abschließenden Parcoursspringen an diesem Dienstag liegt der Titelverteidiger auf dem zweiten Platz hinter dem Australier Christopher Burton auf dem erst neun Jahre alten Hannoveraner Santano, der schon in der Dressur die Zuschauer mit seinen schwungvollen Bewegungen entzückt hatte. Im Gelände gewann dieses Paar an diesem Tag sogar den Stilpreis gegen Jung. Wegen ihrer perfekten Geländeritte schlagen für die beiden immer noch die Strafpunkte aus der Dressur zu Buche: 37,60 zu 40,90. Da es für jeden Abwurf beim Parcoursspringen vier Strafpunkte gibt, kann sich noch viel ändern – allerdings muss Jung fehlerfrei bleiben und auf einen Patzer Burtons warten.


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          In der Mannschaftswertung führt Australien vor Neuseeland und Frankreich. Die Deutschen sind Vierte, ihre Chance auf das dritte Mannschafts-Gold nacheinander ist damit auf das Prädikat unwahrscheinlich gesunken. Mit Sandra Auffarth und Opgun Louvo startete die Gold-Equipe von London schon unglücklich in diesen Geländetag. An zwei Wasserhindernissen gab es Zwischenfälle, die wie Verirrungen aussahen, nur einer wurde letztlich als Verweigerung gewertet. Es schien, als ließe sich ihr Pferd nicht so geschmeidig wie sonst über die vielen Schwierigkeiten dirigieren. Im zweiten Wasserkomplex, Fisherman’s Lake genannt, musste sie vor dem letzten Sprung über einen schmalen Holzfrosch abwenden, obwohl dieses Schnitzwerk unter dem bewölkten Himmel nicht so abschreckend wirkte wie befürchtet. Die dafür verhängten Strafpunkte wurden später zurückgenommen. Die Weltmeisterin aus Ganderkesee, vor vier Jahren in London Bronzemedaillengewinnerin in der Einzelwertung, konnte selbst nicht recht erklären, was ihr widerfahren war. „Das hat Wolle noch nie gemacht“, sagte sie, den Stallnamen ihres Pferdes benutzend, „aber für mich ist das okay. Wir haben zusammen schon so viel erreicht, ich bin ihm nicht böse.“

          Als erste Starterin hätte Sandra Auffarth den drei Mannschaftskollegen eigentlich Sicherheit geben sollen, doch die mussten nun selbst ihren Weg finden. Julia Krajewski aus Warendorf, die als Ersatzreiterin kurzfristig ins Team gerückt war, kämpfte auf ihrem Samurai du Thot vergeblich mit den Schwierigkeiten des Kurses – nach drei Verweigerungen wurde sie disqualifiziert. So hätte Ingrid Klimke aus Münster auf Hale-Bob, mit 48 Jahren die Älteste im Team und bei ihrem sechsten Olympiastart auch die Erfahrenste, die deutsche Equipe im Gold-Rennen halten sollen. Doch eine Verweigerung in Fisherman’s Lake, dazu, wie bei Auffarth, Strafpunkte wegen Verpassens der vorgeschriebenen Zeit, warfen sie und die deutsche Mannschaft weiter zurück.

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