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Boom im Weitsprung der Frauen : Siebenkampf in der Sandkiste

Model in der Grube: Shooting-Star Alexandra Wester Bild: AP

Weitspringerin Xenia Stolz erwartet heiße Wettkämpfe an diesem Samstag in Bad Langensalza. Sie ist eine von sieben deutschen Springerinnen, die um drei Olympia-Plätze wetteifern.

          Die Vorhersage ist sonnig und warm, es kann aber auch hitzig werden. Gemeint ist das Wetter. Aber auch die Atmosphäre. „Es wird richtig zur Sache gehen“, kündigt Xenia Stolz forsch an. Und meint das Weitsprung-Meeting am Samstag (14 Uhr) in Bad Langensalza. Sieben von acht deutschen Springerinnen, die Hoffnungen hegen, sich für die Olympischen Spiele von Rio zu qualifizieren, werden in der Kleinstadt im Thüringer Becken am Start sein. Da könnte es durchaus zu Spannungen kommen, aber auch zu Entladung. „Jede pusht sich, jede wird alles geben“, kündigt Xenia Stolz an.

          Sieben Meter ist die Traummarke im Frauen-Weitsprung, bei 6,70 Metern beginnt die erweiterte Weltklasse. Es ist zumindest das Maß, das als Qualifikationsnorm für Olympia zählt. 6,65 Meter würden schon für die Teilnahme an den Europameisterschaft in Amsterdam reichen - theoretisch zumindest. Doch das Feld ist so dicht besetzt, dass jede Einzelne mehr anbieten muss. „Ich glaube, dass ich 6,80 Meter springen kann“, sagt Xenia Stolz selbstbewusst: „Das traue ich mir absolut zu.“ Ihr bisheriger Hausrekord liegt bei 6,74 Metern, Hessenrekord, aufgestellt im vergangenen Jahr in Bad Langensalza. „Am heißesten Tag des Jahres“, wie sie sich erinnert.

          Die „Sieben“ im Visier: Nadja Käther ist schon lange dabei. Bilderstrecke

          Xenia Stolz kommt zwar mit allen Bedingungen zurecht, mag es aber am liebsten warm. Sie wurde 1989 in Anapa geboren, einem Badeort am Schwarzen Meer, der für mildes, beinahe mediterranes Klima bekannt ist. Im Alter von elf Jahren siedelte sie mit ihrer Mutter aus Russland nach Deutschland, trainierte zunächst in Treysa, ehe sie über Frankfurt und Gelnhausen 2015 nach Wiesbaden wechselte. In der hessischen Landeshauptstadt wollte sie zwar vor allem ihre Ausbildung zur Polizeikommissarin absolvieren, doch sie fand dort in Peter Rouhi auch den richtigen Trainer, der sie zu ungeahnten Weiten und den Teilnahmen an Hallen-EM 2015 und -WM 2016 führte.

          Die 1,74 Meter große Athletin lebt in erster Linie von ihrer Schnelligkeit, weniger von ihrer Sprungkraft. „Zu viele Muskeln würden bei mir stören“, sagt sie. Stattdessen achtet sie darauf, ihr Wettkampfgewicht unter 60 Kilo zu halten, damit die „Spritzigkeit“ stimmt und sie Anlauf und Absprung dynamisch gestalten kann.

          Junge Wilde und mittelalte Hasen

          Nach einem intensiven Trainingslager in Belek fühlt sich Stolz stark genug, den harten Wettkampf in der umkämpften Disziplin anzunehmen. Angeführt wird das Aufgebot von Sosthene Moguenara. Die 26-Jährige von der LAZ Saar ist als einzige aktive Deutsche in ihrer Karriere schon über die magischen sieben Meter geflogen (7,04). Gleich dahinter folgt Shootingstar Alexandra Wester: Die attraktive Kölnerin mit Model-Ambitionen war im Winter mit 6,95 Metern ins Rampenlicht gesprungen. Die ebenfalls erst 22-jährige Lena Malkus aus Münster schaffte schon 6,94 Meter und gehört genauso zu den „jungen Wilden“ wie Malaika Mihambo, 22, von der LG Kurpfalz. Sie hat 6,90 stehen, fehlt als einzige Top-Springerin aber in Bad Langensalza. Die Älteste im Feld dort ist die Frankfurterin Claudia Rath, die mit ihren 30 Jahren eine Sonderstellung genießt, zumal sie als Siebenkämpferin eigentlich andere Prioritäten setzt. Die „mittelalten Hasen“ Melanie Bauschke (Berlin) und Nadja Käther (Hamburg), wie Xenia Stolz 27 Jahre alt, runden das starke Feld ab.

          Ein großes Geheimnis hinter dem Weitsprung-Boom sieht die Wiesbadenerin nicht: Eine treibe eben die andere an. Abgerechnet wird der Sprung-Kampf schon nach den Deutschen Meisterschaften Mitte Juni: Danach werden die drei Springerinnen ausgewählt, die Deutschland bei EM und Olympia vertreten sollen. „Ich bin guter Hoffnung“, sagt Xenia Stolz über ihre Chancen, zu den Top-Drei zu gehören.

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