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Rennstall Start-Up Nation : Radeln und werben für Israel

  • -Aktualisiert am

Neues Team, alte Aufgabe: Rick Zabel steht für die Kollegen als Helfer bereit. Bild: Augenklick/Roth

Der Radrennstall Start-Up Nation ist neu. Und die Ziele sind nicht zu gering angesetzte. Im Team des Milliardärs Sylvan Adams sollen auch drei Deutsche für Spitzenergebnisse sorgen.

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          Um große Worte sind Gründer in der Regel nie verlegen. Als Anfang Dezember in Tel Aviv der neue Rennstall Israel Start-Up Nation vorgestellt wurde, sagte Mitbesitzer Sylvan Adams: „In ein paar Jahren wollen wir große Rundfahrten gewinnen.“ Er schloss dabei die Tour de France ein und gab einen ambitionierten Zeitrahmen vor wie einst Dave Brailsford. „Wir können das in weniger als fünf Jahren schaffen“, prognostizierte Adams forsch. Brailsford hatte sich mit dem Team Sky fünf Jahre Zeit gegeben für den ersten britischen Toursieger und in der dritten Saison das Ziel erreicht.

          Für die beginnende Saison sind die Ansprüche von Adams nicht ganz so hochfliegend, für einen Neuling in der Worldtour dennoch beachtlich. „Wir wollen ein Klassikermonument gewinnen. Außerdem würde ich gern mindestens einen Etappensieg bei einer großen Rundfahrt haben. Und eine Top-10-Plazierung in einer Grand Tour wäre auch gut“, sagte Adams.

          Dazu hat der Rennstall, der im vergangenen Jahr noch als Israel Cycling Academy an den Start ging und nur dank einer Wildcard am Giro d‘Italia teilnehmen durfte, das Personal erheblich aufgestockt. Vom Team Katusha-Alpecin, von dem auch die Lizenz stammt, kamen unter anderen der Roubaix-Zweite Nils Politt und dessen Kölner Trainingsgefährte Rick Zabel. Mit Sprinter André Greipel ist ein dritter Mann aus der Kölner Trainingsgruppe dabei. Ihm sollen Etappensiege gelingen, Politt das „Klassikermonument“ gewinnen, und Zabel will beiden nach Kräften bei der Erfüllung dieser Ziele helfen. Für das letzte große Saisonziel, die Top-10-Plazierung in der Gesamtwertung der Tour de France, ist der ebenfalls neu verpflichtete frühere Tour-Vierte Dan Martin zuständig.

          Um das munter zusammengewürfelte Team zusammenzuschweißen, gab es im Dezember ein Trainingslager in Israel. Dabei wurden fleißig Kilometer abgespult. Die Trainingsgruppen gerieten beim Ausflug in die Negev-Wüste in einen veritablen Wüstensturm. Die Gesichter der Rennfahrer sahen am Ende ähnlich erschöpft und verdreckt aus wie bei Regenwetter während des Klassikers Paris-Roubaix. „Das war so nicht geplant, aber es stärkt den Charakter“, sagte Adams, der als Amateurfahrer an der Ausfahrt teilgenommen hatte, zum Höhepunkt des Sturms aber im Begleitauto verschwand.

          Zum Trainingslager gehörten auch ein Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem sowie ein Arbeitseinsatz in der ebenfalls von Adams finanzierten Radsportnachwuchs-Akademie. „Es ist sehr wichtig, dass alle unsere Fahrer nach Yad Vashem gehen, besonders für die Deutschen. Es ist schwer für sie, das zu ertragen, aber die Jugend von heute ist natürlich nicht verantwortlich für das, was damals die Vorfahren machten“, sagt Adams, ein Immobilienmilliardär aus Kanada, der seit fünf Jahren in Israel lebt und Sohn zweier Holocaust-Überlebender ist. Die deutschen Profis wirkten – wie ihre Teamkollegen aus den anderen Nationen – sichtlich beeindruckt, mochten über ihre Eindrücke aber nicht öffentlich sprechen.

          Spuren hatte auch der Arbeitseinsatz an der Jugendakademie hinterlassen. Das Team wirkte regelrecht aufgekratzt. „Es war echt cool. Ich war ja früher auch auf einem Sportinternat. Wir haben für die Kids einen Cross-Parcours gebaut. Eine Gruppe hat die Strecke abgesteckt. Eine andere hat Lehm geschippt für die Auf- und Abfahrten von einem Hügel. Und dann haben wir noch eine Steilkurve und Wassergräben gebaut“, erzählte Zabel.

          Präsentiert wurde das neue Team am Hauptsitz des Namensgebers und neuen Ko-Sponsors Start-Up Nation Central. Das ist ein Inkubator für junge Unternehmen vor allem aus Israels Technologiesektor. In die neue Partnerschaft will der Ko-Sponsor, der selbst maßgeblich vom amerikanischen Investmentbänker Paul Singer finanziert wird, vor allem innovative Produkte und Technologie einbringen. „Das können neue visuelle Systeme für Radprofis sein, die von Mobileye entwickelt werden“, sagte Laura Gilinski, Vizepräsidentin von Start-Up Nation Central. Mobileye, ein Pionier des autonomen Fahrens, wurde einst von jenem Inkubator mitausgebrütet und später von Intel gekauft. In dieses Szenario passt auch die neue Partnerschaft. In dieser Woche kündigte der Radsportrennstall eine Kooperation mit dem Formel-1-Rennstall Williams an.

          „Wir würden gern Palästinenser im Team haben“

          Für Adams, dessen erstes und wichtigstes Ziel ist, Israel ein freundlicheres Image in der Welt zu verschaffen, war aber auch bedeutsam, dass der Israeli Roy Nissany Testfahrer bei Williams ist. Er sei, so ließ das Team verlauten, auch befreundet mit den beiden Radprofis Guy Niv und Guy Sagiv. Die beiden schrieben israelische Radsportgeschichte, als sie den Giro d‘Italia zu Ende fuhren. In dieser Saison soll ihnen das bei der „Mutter aller Rundfahrten“, der Tour de France, gelingen.

          Israelische Rennfahrer bei der Tour zu präsentieren war auch der Anlass für Adams, sich ins Rennen um die frei werdende Lizenz von Katusha zu begeben. Ein Auge darauf hatte auch Bjarne Riis geworfen, der stattdessen bei Team NTT (ehemals Dimension Data) einstieg. Bei seinem Imagefeldzug für Israel setzt Adams auch auf internationale und interkonfessionelle Verständigung. Im Nachwuchsrennstall fahren bereits ein muslimischer und ein drusischer Sportler. Palästinensische Athleten begrüßt Adams emphatisch: „Wir würden gern Palästinenser im Team haben, nicht nur im Nachwuchsteam. Sie sollen Topniveau erreichen und im Worldtour-Team fahren. Wir wollen die natürliche Heimat für sie sein.“

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