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Schwimm-WM : Der lange Countdown des Paul Biedermann

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Ab ins Wasser: An diesem Sonntag startet die Schwimm-WM auch für Paul Biedermann Bild: dpa

Paul Biedermann geht in Kasan seine letzte WM an. Die Vorbereitung des deutschen Schwimmstars auf den Schlusspunkt Rio verläuft ohne großen Rummel – anders als bei seinem amerikanischen Konkurrenten Michael Phelps.

          Es ist ein recht langer Countdown, zugegeben. Aber er läuft, und in diesen Tagen der Schwimm-Weltmeisterschaft von Kasan hört man die Uhr zum ersten Mal vernehmlich ticken. Paul Biedermann wird in Kasan zum letzten Mal bei einer Schwimm-Weltmeisterschaft starten. Seine Wettkampf-Karriere soll noch maximal 378 Tage dauern, am 13. August 2016 enden die olympischen Schwimmwettkämpfe in Rio de Janeiro. Dann ist Schluss für den erfolgreichsten deutschen Schwimmer seit den Zeiten von Michael Groß.

          Paul Biedermann - zweimal Weltmeister, sechsmal Europameister im großen Becken, der erste Mensch, der es schaffte, 200 Meter in weniger als 100 Sekunden zu kraulen, auf einer 25-Meter-Bahn, will noch einmal zu Olympia, dann soll es genug sein. Wäre Biedermann Amerikaner, die Geschichte der kommenden 378 Tage, die Geschichte dieses Countdowns, wäre gutes Drehbuchmaterial für ein Sportepos. Großes Kino könnte daraus werden, womöglich in der Kategorie Blockbuster.

          Wer es nicht glaubt, mag vergleichen, was sich um Biedermann abspielt und welchen Rummel es rund um Michael Phelps geben wird, bis es in Rio ins Wasser geht, der erfolgreichste Olympionike der Historie der neuzeitlichen Spiele will schließlich auch dabei sein in Brasilien. Weil aus 18 Goldmedaillen 19 werden sollen, mindestens, und auch für Phelps dürfte dann endgültig Schluss sein. Nun hat Biedermann keine 18 olympischen Goldmedaillen gewonnen, besser als Platz fünf war er auf einer olympischen Einzelstrecke nie - und doch ist es überaus spannend, die Herangehensweisen der beiden zu spiegeln und die Zerrbilder zu betrachten.

          Weil Biedermann eben nicht Amerikaner ist, sondern aus Halle an der Saale kommt. Weil er, der von seiner ersten WM vor zehn Jahren in Montreal in Erinnerung behalten hat, wie er „endlich mit den ganz Großen, Phelps, Ian Thorpe das Einschwimmbecken geteilt hat“, nun sagt, er habe noch gar nicht daran gedacht, dass ihn Jüngere in Kasan anschauen könnten mit dem Gedanken: „Da ist der Biedermann. Mal sehen, was der macht.“

          Texas statt Tatarstan für Michael Phelps

          Weil aus seinem Leben eine große Schwimmerkarriere geworden ist, vor allem, weil er Phelps besiegen konnte, vor sechs Jahren in Rom, bei der Weltmeisterschaft, über 200 Meter Freistil, und Zeiten schwamm, die noch heute Weltrekord bedeuten über 200 (1:42,00 Minute) und 400 Meter (3:40,07 Minuten) Freistil. Es war die Zeit der Hightech-Anzüge, aber der Rekord über die längere Distanz wackelt seit Jahren erheblich, vor allem wegen Sun Yang, Biedermanns größtem Konkurrenten in Kasan.

          Biedermann ist als Erster der Jahresbestenliste nach Russland gekommen, schneller als 1:45,60 Minute war 2015 niemand über 200 Meter Freistil auf diesem Planeten, und die 200 Meter, Vorläufe und Halbfinale am Montag, Finale am Dienstag, sollen sein einziges Einzelrennen in Kasan werden. Phelps dagegen tritt, nach seiner Sperre wegen Trunkenheit am Steuer und der deshalb verpassten WM-Qualifikation nicht in Tatarstan an, sondern in Texas. Schwimmt bei den amerikanischen Meisterschaften in San Antonio, die parallel zur WM ausgetragen werden.

          Michael Phelps ist nicht in Kasan, sondern schwimmt in der Heimat

          Auch Yannick Agnel, der Olympiasieger von London, bleibt der WM fern, Trainingsrückstand. Vier bis sechs Medaillen sollen die deutschen Beckenschwimmer in Kasan gewinnen, so sieht es die Zielvereinbarung mit dem Deutschen Olympischen Sportbund vor, „utopisch“, sagte Chefbundestrainer Henning Lambertz vor der WM dazu. Bei der WM vor zwei Jahren in Barcelona, die Biedermann nach einer langwierigen Infektion wegen Trainingsrückstands ausließ, gewann Marco Koch eine Silbermedaille. Das war‘s für den Deutschen Schwimm-Verband in Barcelona.

          Auf Biedermann, der an diesem Sonntag, dem ersten Wettkampftag im zur Schwimmarena umgebauten Fußballstadion von Rubin Kasan, in der 100-Meter-Freistil-Staffel seinen ersten WM-Start seit vier Jahren erlebt, wird es also ankommen bei dieser WM. Biedermann weiß das. Aber Biedermann sagt, er könne sich theoretisch auch vorstellen, mit einem achten Platz zufrieden zu sein. So lange er am Ende eines Rennens das Gefühl habe: „Das war alles. Ich bin total kaputt, ich komme kaum aus dem Becken. Das war alles, was möglich war.“

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