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Pascal Hens im Gespräch : „Ich gehe immer vorneweg“

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Volle Kraft voraus: Der HSV Hamburger und Pascal Hens wollen auch 2012 ganz oben stehen Bild: dpa

Pascal Hens geht mit dem HSV als Meister in die Handball-Saison. Im FAZ.NET-Interview spricht er über das Hamburger Hoch, Olympia-Hoffnungen und seine Rolle als Kapitän der Nationalmannschaft.

          3 Min.

          Pascal Hens hat viel vor. Zum ersten Mal geht sein Verein, der HSV Hamburg, als deutscher Handball-Meister ins Titelrennen, das an diesem Wochenende mit dem heimspiel gegen TuS N-Lübbecke (20.15 Uhr / FAZ.NET-Handball-Bundesliga-Liveticker) beginnt. Der 31 Jahre alte Hens will als Führungsspieler mithelfen, dem neuen Trainer Per Carlén bald ebenfalls Titel zu bescheren. Und mit der deutschen Auswahl will Kapitän Hens angreifen: über die EM Anfang 2012 in Serbien wollen sich die Deutschen mit dem neuen Bundestrainer Martin Heuberger auf den letzten Drücker für die Olympischen Spiele in London qualifizieren.

          Sie sind Meister, Pokalsieger, Weltmeister. Gibt es noch ein persönliches Ziel?

          Ich würde gern noch mal ein olympisches Finale erreichen. Wenn ich an 2004 in Athen denke, wo ich mit Rückenschmerzen auf der Tribüne hockte und wir gegen Kroatien das Zeug hatten, zu gewinnen, aber verloren: Das war ganz bitter. Außerdem würde ich gern die Champions League gewinnen.

          Sie waren oft verletzt. Wie geht es Ihnen jetzt?

          Danke, gut. Ich habe die letzte Saison gut überstanden, was Verletzungen angeht. Trotzdem habe ich am Ende der Saison gar nicht mehr trainiert, weil ich immer Probleme mit den Sprunggelenken habe, schon immer. Vieles ist verschlissen. Ich bin so oft umgeknickt. Im linken Fuß habe ich nur noch zwei Bänder, weil das dritte gar nicht mehr wächst. Das bleibt nicht aus, wenn man so lange Bundesliga spielt.

          Liegen die vielen Verletzungen an Ihrer Spielweise?

          Schwer zu sagen. Man muss so spielen, wie man der Mannschaft am besten hilft. Da versuche ich, mich weiter zu entwickeln. Das stört mich übrigens bei den Kritiken an mir - es werden nur die Tore gezählt, nicht die Anspiele gesehen oder wenn ich Dampf mache, um andere frei zu spielen. Es werden immer nur die Tore gesehen: Hens zwei Tore, also war er schlecht.

          Würden Sie sagen, Sie haben Ihre Art verändert?

          Es ist meine Art, von hinten mit Dampf zu kommen. Dann ist es schwierig für die Abwehr, mich zu stoppen. Das wird auch meine Art des Spiels bleiben. Ich mache viel Krafttraining, um stabiler zu werden. Ich wiege jetzt 103 Kilogramm bei 2,03 Meter Größe - ein normales Gewicht. So kann ich meinen Körper gut kontrollieren. Wenn du aber aus der Luft gepflückt wirst, ist es unmöglich, kontrolliert zu fallen. Ich werde mein Spiel nicht verändern. Aber weiterentwickeln.

          Haben Sie schon ein Bild von Per Carlén, ihrem neuen Vereinstrainer?

          Ich gehe offen an die Sache ran. Per Carlén wird neue Ideen reinbringen, aber nicht alles anders machen als Martin Schwalb. Er hat viel mit Schwalb gesprochen. Wir sind deutscher Meister, da wird Carlén nicht alles auf den Kopf stellen.

          Freuen Sie sich auf den neuen Trainer?

          Das wird man noch sehen. Das hängt davon ab, wie sehr er uns im Training quält. Komisch ist es schon - ich habe so lange mit Martin Schwalb gearbeitet. Jetzt kommt noch mal was Neues. Das finde ich gut.

          Macht es einen Unterschied, als Meister in die Saison zu gehen?

          Wir haben immer den THW Kiel gejagt, jetzt sind wir Meister, und sie jagen uns. So einfach ist das.

          In der Stimmungstabelle bei den Heimspielen haben Sie den THW schon länger überholt.

          Wir sind stolz auf das, was wir hier geschaffen haben. Als wir anfingen, waren 3000 Zuschauer in der großen Halle. Da war keine Stimmung. Jetzt sind wir in Hamburg richtig angekommen. Die Halle war ja zuletzt proppevoll, obwohl wir schon Meister waren.

          Sie haben angemerkt, dass immer Sie und Michael Kraus kritisiert werden, wenn es in der Nationalmannschaft nicht läuft. Nervt das sehr?

          Es nervt, dass man immer nur zwei Namen liest, die an allem schuld sind. Ich sehe das nicht so. Wer Sachverstand hat, schätzt das anders ein. Kritik ist okay. Aber dass wir bei der WM in Schweden als Team versagt haben, kann man nicht an zwei Leuten festmachen.

          Waren Sie als Kapitän überfordert?

          Es ist meine Rolle, vorneweg zu gehen. Ich bin lange dabei. Egal, ob ich als Kapitän fungiere. Es liegt mir auch, vorneweg zu gehen. Wir hatten als Mannschaft einfach Abstand zur Leistung der anderen. Gegen Island und in Österreich haben wir in der EM-Qualifikation im Juni dann etwas auf der Grundlage von Kampf und Einstellung geleistet. Das muss für die Zukunft wieder unser Weg zum Erfolg sein. Dass das in den letzten beiden Jahren nicht geklappt hat, daran sind auch Mimi und ich schuld. Ich habe den neuen Bundestrainer Martin Heuberger auch so verstanden, dass das, was uns früher stark gemacht hat, der Einsatz, der Kampf, wieder zu unserer Stärke werden soll.

          Wenn es gut läuft, haben Sie bis London 2012 einen Spielemarathon vor sich.

          Ich habe schon im Urlaub spekuliert und zu meiner Frau gesagt, ich hoffe, dass ich nächstes Jahr keinen Urlaub habe. Ich hoffe, dass wir die Quali für die Olympischen Spiele spielen und dann auch die Olympia-Vorbereitung haben. Meine Frau würde sehr gern mit meinem Sohn bei Olympia in London zuschauen. Das ist das große Ziel. Aber es ist ein harter, langer Weg.

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