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Leichtathletin in Berlin : Konstanze Klosterhalfens erträumte Rückkehr

Hat sich für die Zukunft einiges vorgenommen: Konstanze Klosterhalfen Bild: Picture-Alliance

Läuferin Konstanze Klosterhalfen klingt beim Berliner Istaf zwischen vielen urlaubsreifen Athleten so, als wolle sie etwas beweisen. Und sie stellt „eine lebende Legende“ als neue Trainerin vor.

          3 Min.

          Das schmerzverzerrte Gesicht von Konstanze Klosterhalfen täuschte. Als Fünfte des 1500-Meter-Laufs beim Berliner Istaf (in 4:05,26 Minuten) war sie zwar abgeschlagen hinter Siegerin Kate Grace aus den USA (4:01,33). Aber sie war gesund, sie war dabei und sie wurde bejubelt. „Ich kann gar nicht erwarten, dass ich wieder ein bisschen Kondition habe, um auf der Schlussbahn zu beschleunigen und vorbeizugehen“, verriet sie anschließend: „Daran habe ich im Ziel gedacht: Das macht dann ein bisschen mehr Spaß.“

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          20.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion am Sonntagabend, live im Fernsehen und vor allem wieder: im Rennen – von solch einer Rückkehr hatte das 24 Jahre alte Lauf-Talent nach der langwierigen Pause und Reha wegen eines Belastungssyndroms im Beckenbereich geträumt.

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          Bei den Olympischen Spielen von Tokio war sie nach nur acht Wochen Training über 10.000 Meter gestartet und Achte geworden. Von der Form, die sie bei ihrem letzten Start zuvor in Deutschland hatte, bei der deutschen Meisterschaft 2019 in Berlin, ist sie noch ein wenig entfernt. Und so schien die Rheinländerin, die einem amerikanischen Team des Sportartikelherstellers Nike angehört, vor Unternehmungslust zu sprühen. Ja, Urlaub müsse sein, sagte sie, aber dann gehe es gleich in die Hallen-Saison.

          Sie klingt, als wolle sie beweisen, ihre Verletzungspause genutzt zu haben. „Wenn man es richtig macht, geht man stärker daraus hervor, vor allem mental“, sagte sie: „Man schätzt, was man hat.“ Im kommenden Jahr gibt es große Titel zu gewinnen in ihrer neuen Heimat Oregon und in Deutschland: bei der Weltmeisterschaft in Eugene und bei der Europameisterschaft als Teil der European Championships in München.

          „Ich bin echt am Ende“

          Beim Kehraus der Leichtathletik-Saison im Berliner Olympiastadion verkörperte Konstanze Klosterhalfen ein Gefühl von Aufbruch. Viele Stars und Statisten schienen sich nach Berlin zu schleppen, zur Zugabe nach dem Finale der Diamond League. Gesa Krause spurtete zwar zum Sieg über 3000 Meter Hindernis (9:26,00 Minuten), widersprach aber dem Eindruck von Frische, den sie bei ihren leichtfüßigen Sprüngen erweckt hatte: „Ich bin echt am Ende.“

          Dasselbe signalisierte Malaika Mihambo, wie sie zum Schluss ihres Wettbewerbs, ganz anders als in Tokio vor sechs Wochen, neben der Sandgrube an der Bande lehnte. Im August wartete sie gespannt die letzten Sprünge ihrer Konkurrentinnen ab, bevor sie sich der Goldmedaille sicher sein konnte. In Berlin fiel, so schien es, die Anstrengung der Saison von ihr ab, als sie mit 6,70 Meter Zweite hinter der Britin Jazmin Sawyers (6,73) wurde.

          Sie freue sich auf die ruhige Zeit mit Freunden und Familie, sagte die Olympiasiegerin. Diese Zeit könnte ruhiger und länger werden als gewohnt. Urlaub macht die Weltenbummlerin diesmal in Österreich, und zur Hallen-Saison hat sie sich noch nicht entschieden. Karsten Warholm siegte, in 48,08 fast zwei Sekunden langsamer als bei Weltrekord und Olympiasieg, über 400 Meter Hürden und konstatierte: „Mein Körper ist müde.“ Ohne Worte, blass und mit einem Gesichtsausdruck, als sei sie bei der Arbeit im Büro, gewann die russische Olympiasiegerin Marija Lassizkene den Hochsprung mit 1,98 Meter.

           Drängt zurück ins Rennen: Konstanze Klosterhalfen (links)  im 1500 Meter Lauf beim Berliner Istaf
          Drängt zurück ins Rennen: Konstanze Klosterhalfen (links) im 1500 Meter Lauf beim Berliner Istaf : Bild: Imago

          Nur Valarie Allman würde wohl gern weitermachen. Die Diskus-Olympiasiegerin und Diamond-League-Siegerin aus Amerika ist so stark wie nie und steigerte ihre Bestleistung auf 71,16 Meter – Nordamerika-Rekord. Johannes Vetter freute sich, dass er im 17. Wettbewerb der Saison an die neunzig Meter weit warf – er siegte zum fünften Mal beim Istaf, diesmal mit 88,76 Meter – und gönnte sich eine Ehrenrunde mit deutscher Flagge. Er sei urlaubsreif, konstatierte auch er. Nächstes Ziel: Italien.

          Konstanze Klosterhalfen war in Berlin in Begleitung von Sonia O’Sullivan. Die Irin wurde 1995 in Göteborg Weltmeisterin über 5000 Meter, in Sydney 2000 Olympia-Zweite auf dieser Distanz, 1998 Cross-Weltmeisterin auf zwei Distanzen und Europameisterin über 3000, 5000 und 10.000 Meter. Sie bestritt Rennen von 800 Meter bis zum Marathon, vor und nach der Geburt ihrer Kinder.

          „Eine lebende Legende“, sagte die Deutsche und stellte sie als ihre Trainerin vor, mit der sie arbeite, wenn sie in Europa sei. Sie verbrächten viel Zeit miteinander. In Amerika arbeite sie weiter mit Pete Julian. Julian ist der einstige Assistent von Alberto Salazar, der das Nike Oregon Project gründete und wegen Verstoßes gegen Anti-Doping-Regeln und wegen sexuellen und emotionalen Fehlverhaltens vom Sport ausgeschlossen worden ist. Der Kontakt zu Salazar sei unterbrochen, sagte sie in Berlin.

          Die Zusammenarbeit mit der vielseitigen, inzwischen 51 Jahre alten Sonia O’Sullivan deutet darauf hin, dass Klosterhalfen sich auf die 5000 Meter konzentrieren wird, die Strecke, auf der sie bei der Weltmeisterschaft von Doha 2019 Dritte wurde. „Wer in der Weltspitze mitlaufen will, muss schnelle 800 Meter laufen können und Ausdauer von oben mitbringen“, sagte sie. „Ich arbeite daran. Es ist schön, die Geschwindigkeit zu spüren.“

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