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High Diving bei der WM : Im Rausch der Höhe

Hinab in die Tiefe: Aus über zwanzig Metern stürzen sich Klippenspringer ins Wasser Bild: AFP

Aus wilden Klippenspringern werden WM-Teilnehmer: Wenn es im Hafenbecken von Barcelona beim High Diving um Mut und Lust am Fliegen geht, wird Anna Bader kaum zu schlagen sein. Sie ist die Abenteurerin unter den waghalsigen Akrobaten.

          Vierundzwanzigeinhalb Meter. Da muss man erst mal schlucken. Vierundzwanzigeinhalb Meter, das ist so etwa der 10. Stock. Mehr als doppelt so hoch wie das Zehn-Meter-Brett. Weit mehr. Vierundzwanzigeinhalb Meter, das ist die größte Höhe, aus der Anna Bader bisher gesprungen ist. 2008 war das, in Italien. Anna Bader ist Klippenspringerin, am vergangenen Wochenende erst wurde sie Europameisterin. Wieder mal, es war schon ihr siebter EM-Sieg.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Kurz davor gewann sie in Malcesine am Gardasee das erste Frauenspringen in der Geschichte der Weltserie. Anna Bader ist, mit anderen Worten, die beste Klippenspringerin Europas, und vielleicht sogar die beste der Welt. Genaueres wird sich dazu wohl am Dienstag kommender Woche herausstellen. Da geht es im Hafen von Barcelona zum ersten Mal um den Titel einer Weltmeisterin im High Diving: Wasserspringen von einer Plattform aus 20 Meter Höhe. Die 29 Jahre alte Mainzerin Anna Bader wird die einzige deutsche Teilnehmerin sein.

          Eine Höhe mit null Fehlertoleranz

          Wie geht das, Wasserspringen aus einer Höhe, in der andere schon beim Hinunterschauen weiche Knie bekommen, vom Herunterspringen gar nicht zu reden? Aus der die Athleten zwei, drei Sekunden durch die Luft fliegen und dann mit bis zu 90 Kilometern in der Stunde aufs Wasser prallen?

          Aus der es nicht mehr möglich ist, wie sonst im Wasserspringen üblich, kopfüber einzutauchen, weil der Körper dabei Schaden nehmen könnte, und der Sprung deshalb mit einem halben Salto abgeschlossen wird, um mit den Füßen voran ins Wasser zu schießen? Aus einer Höhe, bei der null Fehlertoleranz herrscht? Jeder winzige Schnitzer verheerende Folgen haben kann? „Die größte Herausforderung ist die mentale“, sagt Anna Bader. „Zehn Meter sind ja schon hoch, aber aus zwanzig ist das Risiko nochmal größer.“

          Kopfüber in die Tiefe: Anna Bader bei einem Event Mitte Juli in der Schweiz

          Anna Bader ist sich der Gefahren bewusst, anders geht es nicht. Natürlich spielt da auch Angst eine Rolle. Aber nicht unbedingt eine negative. Sie ist eher eine Art Schutz, eine ultimative Erinnerung an die Notwendigkeit, die volle Konzentration zu behalten auf die Abläufe des Sprungs, auf die Bewegungen in der Luft. Anna Bader geht die Sprünge lange im Kopf durch, bis die absolute Sicherheit da ist, das absolute Vertrauen, den Sprung in dem Moment ausführen zu können, in dem es drauf ankommt.

          „Man muss die Angst ausschalten“, sagt sie, „man muss das abspulen, was man sich vorgenommen hat.“ Vor allem, wenn es um einen neuen Sprung geht. „Man muss sicher sein, dass es gutgeht“, sagt sie, „sonst macht man das nicht lange.“ Anna Bader macht das nun seit acht Jahren, und die schlimmste Verletzung in dieser Zeit, sagt sie, sei eine Prellung des Steißbeins gewesen. Insofern ist die Sache mit dem Risiko relativ. Unter einer Bedingung. Einer ziemlich wichtigen freilich: „Es darf nichts Grundsätzliches schiefgehen.“

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