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Handball : „Life Kinetik“ für künftige Kraftpakete

Ihr erstes Spiel unter Heuberger verloren die Deutschen um Patrick Groetzki mit 26:29 gegen Dänemark. Bild: dapd

Die Niederlage gegen Dänemark ist für den neuen Handball-Bundestrainer Martin Heuberger keine misslungene Premiere, sondern der erste Schritt auf einem langen Weg.

          3 Min.

          Vor die oberen Ränge der Berliner Max-Schmeling-Halle waren schwarze Vorhängen gezogen, damit man die leeren Stühle nicht sehen konnte. Eine nur halb gefüllte Halle ist kein schönes Bild für die Fernsehkameras, und so saßen die rund viertausend Zuschauer dann in der unteren Etage zumindest halbwegs dichtgedrängt beim deutschen Auftakt des Supercups gegen Dänemark. Dass die Zeiten vorbei sind, in denen die deutsche Handball-Nationalmannschaft ihr Publikum wie von allein fand, ließ sich in Berlin aber so natürlich nicht verdecken.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Beim Auftakt im Supercup ging es ja nicht nur gegen den Weltmeisterschaftszweiten und um die Vorbereitung auf die Europameisterschaft im Januar. Es war auch ein Neubeginn im deutschen Handball, und man übertreibt nicht, wenn man sagt, dass es sich um eine Zäsur nach der vierzehnjährigen Amtszeit von Heiner Brand handelt, einer Ära, wie es sie im deutschen Sport nicht oft gegeben hat.

          Premierennervosität vor Anpfiff

          Aber die Neugier auf Martin Heuberger, der nach dem Abschied der Handball-Legende mit dem Schnauzer, die Nationalmannschaft international wieder flott machen soll, hielt sich in Berlin in Grenzen. Heuberger hätte sich einen größeren Rahmen gewünscht, aber auch so spürte der neue Bundestrainer vor dem Anpfiff Premierennervosität. „Aber mit Spielbeginn war sie dann ruckzuck weg, da war ich sofort in meinem Element“, sagt Heuberger. Nach seinem ersten Auftritt stand eine 26:29-Niederlage gegen die Dänen und die Erkenntnis, dass es noch ein weiter Weg ist zurück in die Weltspitze. „Heute war ein erster Schritt. Es ist für mich keine misslungene Premiere. Aber ich bin traurig, weil ich gewinnen wollte. “

          Jahrelang war Heuberger Assistent unter Bundestrainer Heiner Brand - jetzt gibt er selbst die Kommandos.
          Jahrelang war Heuberger Assistent unter Bundestrainer Heiner Brand - jetzt gibt er selbst die Kommandos. : Bild: dpa

          In der ersten Viertelstunde hatte die deutsche Mannschaft ihre stärkste Phase. Heuberger ließ sein Team wie angekündigt zeitweise in einer offensiveren Abwehrvariante antreten. Deutschland führte dank eines attraktiven Tempospiels bald mit 9:5, aber dann hatte sich der WM-Zweite besser auf die Deutschen eingestellt und demonstrierte seine Klasse. „Danach haben wir vergessen, weiter unser Tempospiel umzusetzen. Die Mannschaft hat zwar aufopferungsvoll gekämpft, um das Spiel noch umzubiegen, aber wir haben zu viele einfache Tore bekommen.“ Zur Pause lag das Team von Heuberger zwar noch mit 14:13 vorne, nach dem Wechsel wurden die Kräfteverhältnisse dann auch im Ergebnis offensichtlich.

          Orientierungs- und Findungsphase

          Das Resultat war für den Bundestrainer, dem jahrelangen Assistenten von Brand, an diesem Abend nicht ganz so wichtig. Er wollte vor allem sehen, ob seine Spieler die Veränderungen, an denen sie in der Trainingswoche gearbeitet hatte, erfolgreich umsetzen würden. „Wir sind noch so ein bisschen in der Orientierungs- und Findungsphase“, sagt Heuberger. „Aber ich habe vieles gesehen, was wir auch im Training versucht haben. Derzeit seien ihm Ergebnisse daher nicht ganz so wichtig, auch in den kommenden Spielen des Supercups an diesem Samstag in Hannover gegen Schweden und am Montag in Halle in Westfalen gegen Spanien werde er darauf achten, dass alle Spieler im Kader ihren Einsatz und ihre Chance mit Blick auf die Europameisterschaft bekommen. In Serbien soll sich dann zeigen, ob das Team nach dem Niedergang zuletzt bei der Weltmeisterschaft mir Rang zehn und davor bei der EM mit Platz elf nun unter Heuberger tatsächlich die Wende gelingt. Zudem steht bei der EM auch die Olympiateilnahme auf dem Spiel.

          Dank eines attraktiven Tempospiels gingen Uwe Gensheimer und seine Mitspieler schnell mit 9:5 in Führung, dann aber stellten sich die WM-Zweiten aus Dänemark auf die Deutschen ein und drehten das Kräfteverhältnis.
          Dank eines attraktiven Tempospiels gingen Uwe Gensheimer und seine Mitspieler schnell mit 9:5 in Führung, dann aber stellten sich die WM-Zweiten aus Dänemark auf die Deutschen ein und drehten das Kräfteverhältnis. : Bild: dpa

          „Es kann nicht von Anfang an alles klappen“, sagte Holger Glandorf nach der Auftakt-Niederlage in Berlin. „Aber darauf können wir aufbauen, wir sind nicht so weit weg.“ Heuberger setzt vor allem auf Leidenschaft, Kampfkraft und Teamgeist als unverzichtbare Voraussetzungen für den Erfolg der Weltmeister von gestern. Neben kleinen spieltechnischen Veränderungen setzt er „auf Altbewährtes, was Heiner Brand in den letzten Jahren mit der Mannschaft entwickelt hat.“ Ein Schwerpunkt seiner Arbeit aber soll in den kommenden Monaten die Verbesserung der körperlichen Fitness sein. Dafür hat Heuberger zwei Experten geholt. Martin Zawieja, der 1988 bei Olympia Bronze im Gewichtheben gewann, soll die Nationalspieler durch Krafttraining stärken, der ehemalige Magdeburger Handballer Stefan Kloppe soll mit „Life Kinetik“ für bessere Koordinationsfähigkeiten sorgen. Heuberger verspricht sich davon, „dass Wahrnehmungs- und Konzentrationsfähigkeit gesteigert werden können“.

          Die bessere athletische Ausbildung soll auch Verletzungen vorbeugen, von denen die Nationalspieler zuletzt häufiger betroffen waren. „Auch die gestandenen Spieler müssen sich körperlich verbessern“, sagt Heuberger. Dass es ohne Kraft- und Muskelzuwachs international nicht mehr geht, versucht Heuberger seinen Spieler nach der Niederlage auch am überragenden Mikkel Hansen klar zu machen. „Wenn man sich erinnert, wie der drei Jahren ausgesehen hat“, sagt der Bundestrainer über den einst eher schmächtigen Dänen. Und was aus Hansen wurde, soll auch aus dem deutschen Handball wieder werden: „Ein Kraftpaket.“

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