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Handball-Kommentar : Fehlschlag und Fortschritt

  • -Aktualisiert am

Abfahrt aus Belgrad - keine Ankunft in London: Der Bundestrainer bei der Abreise von der EM Bild: dpa

Immerhin: Eine Debatte um den Handball-Bundestrainer muss nicht geführt werden. Trotz des Scheiterns in Belgrad. Jetzt ist der Nachwuchs gefragt - und Martin Heuberger hat ein Auge für Talente.

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          Schön, dass der Deutsche Handball-Bund (DHB) weiß, was er an Martin Heuberger hat. Dass er weiterhin zu ihm hält, wie die Funktionäre des Verbandes nun betont haben, in der Stunde einer großen sportlichen Enttäuschung. Dieses Wohlwollen ist natürlich eine Selbstverständlichkeit, trotz des Scheiterns der Deutschen in Serbien. Eine Debatte über den neuen Bundestrainer muss jetzt nicht geführt werden.

          Obwohl das große Ziel verfehlt wurde, machte die Nationalmannschaft unter Heuberger sogar einen Fortschritt: Der bodenständige, offensichtlich unbeirrbare Südbadener weckte wenigstens ihren Kampfgeist wieder. Er trug die Deutschen immerhin eine ganze Weile, bis die Mängel in diesem Team damit nicht mehr auszugleichen waren. Den Deutschen fehlt es vor allem an einem schlagkräftigen Rückraum, an Ordnung und Wucht in ihrem Zentrum.

          Das ist schon seit langem ein Manko, auch Heiner Brand hatte es nicht beheben können. Heuberger hatte nicht zuletzt deswegen ein schwieriges Erbe angetreten; er musste weitgehend damit auskommen, was Brand ihm hinterlassen hatte. Und er hatte stets betont, dass besseres Personal derzeit nicht zur Verfügung stehe.

          Jetzt dürfte es wenigstens zu einem kleinen Einschnitt kommen. Das ist vielleicht sogar das Gute an dem Fehlschlag von Belgrad - er verdeutlichte in krasser Form den Bedarf an frischen Kräften. Handball-Deutschland wird sich noch ein Stück mehr von der „Generation 2007“ lösen müssen.

          Exzellenter Nachwuchsförderer

          Die Zeit scheint gekommen, Korrekturen am Nationalteam vorzunehmen, es gibt ja in der Bundesliga doch manche Kandidaten dafür, die zu testen sich lohnte. Trotz des immer wieder aufkommenden Lamentos, dass die deutschen Spieler einen schweren Stand hätten im eigenen Land. Heuberger hat ein Auge für Talente, er ist ein exzellenter Förderer des Nachwuchses, er hat das als erfolgreicher Junioren-Bundestrainer eindrucksvoll bewiesen.

          Er gilt deshalb als geeigneter Mann, um einen Wandel einzuleiten, selbst wenn dies erst einmal nur in moderater Form geschehen sollte. Und er genießt durch seine bestimmte, aber auch umgängliche Art mehr Akzeptanz in der Bundesliga als sein knorriger Vorgänger Brand; das dürfte die notwendigen gemeinsamen Anstrengungen, den deutschen Handball wieder zu stabilisieren, erleichtern.

          Heuberger bleiben nun einige Monate für Überlegungen und Experimente. Mitte des Jahres aber werden er und sein Team wieder gefordert sein, in den nächsten Qualifikationsprüfungen. Der DHB lässt keinen Zweifel daran, dass er eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2013 erwartet. Deutschland, soll das bedeuten, wird es sich nicht erlauben können, nach Olympia ein weiteres großes Turnier zu verpassen. Dann würde auch die Welt Heubergers in Schutterwald gehörig durcheinander gewirbelt werden.

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