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Neue Medien im Handball : „Macht nicht dümmer“

  • -Aktualisiert am

THW-Torwart Niklas Landin: Nimmt mit seinem Bruder einen Podcast auf – allerdings auf Dänisch. Bild: dpa

Im Handball ist zuletzt eine ganze Bandbreite neuer Medienformate erschienen. Ob Autobiographie, Podcast oder Erzählungen aus den Niederungen des Amateursports – wir stellen sie vor.

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          Klaus-Dieter Petersen hat neben seiner Handballkarriere erstaunlich viele Aus- und Fortbildungen gemacht. Bis zum technischen Betriebswirt hat es der frühere Kreisläufer der deutschen Nationalmannschaft gebracht. Beiläufig machte er seinen Fitnesstrainer, dort noch ein Fernstudium, und Handballlehrer wurde er auch. Im typischen Petersen-Sprech würde es wohl so klingen: „Macht nicht dümmer.“

          Der Sportjournalist Jörg Lühn aus Neumünster erzählt in seinem Buch „Das Herz muss voller sein als die Hose“ trocken aus Petersens Leben. Anders ginge das auch gar nicht. Bei Petersen saßen die Pointen, und bei Lühn tun sie das auch. Petersen hat seit 1989 stolze 340 Mal für die Nationalmannschaft gespielt; er hat die tristen Zeiten rund um die Wende miterlebt und ist auf dem Höhepunkt im Oktober 2004 als Europameister und Silbermedaillengewinner abgetreten. „Pitti“ war der Abwehrchef der Deutschen, die ehrliche Haut beim THW.

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          Einen anderen Weg, Einblicke zu gewähren, wählen die Magazinmacher André Tzschaschel und Sascha Klahn. Mit ihrem gerade zum zweiten Mal erschienenen Heft „7 / Bock auf Handball“ schließen sie eine Lücke. „7“ nähert sich dem Handball aus Sicht der Fans, bedient wird der Wunsch nach Nähe. So wird „Handballer des Jahres“ Timo Kastening bei seiner Lieblingsbeschäftigung begleitet – dem Hausputz. Die Themen sind der Zahl Sieben untergeordnet, also der Teamstärke bei Anpfiff. Alfred Gislasons sieben Grundsätze zu Trainerarbeit, Niklas Landins sieben Ratschläge für Talente, Timo Kastenings sieben Karriere-Meilensteine. Auch Überraschendes ist dabei: Was die besten deutschen Schiedsrichter von „Dark“ lernen, einem 650 Kilogramm schweren Pferd aus Magdeburg.

          Wenig Glamour, viel Bier

          Dass Handball nichts mit Glamour, aber viel mit Bier zu tun hat, zeigt Daniel Duhr. Schon die Titel sind kleine Kunstwerke: „Handball-Hölle Bezirksliga. Siebte Liga – Erste Sahne.“ Band zwei: „Handball-Himmel Kreisliga. Abstieg in den Olymp.“ Und das neueste Werk: „Handball Hardcore Kreisklasse. Höhepunkte am Karrieretiefpunkt.“ Duhr zündet seit 2017 ein Feuerwerk an Sprachwitz. Wer unterklassigen Handball nicht kennt oder nie selbst gespielt hat, bekommt ihn hier voll auf die Zwölf: Derb. Zotig. Brutal.

          Ein Sachbuch mit biographischem Hintergrund nennt der 34 Jahre alte Nationalspieler Martin Strobel seine Autobiographie. Strobel galt lange als Star der Zukunft, doch der großen Karriere standen Verletzungen im Weg – zuletzt bei der Heim-WM im Januar 2019: Knieschaden gegen Kroatien. Bis dahin hatte er seine Sache als Regisseur gut gemacht, obwohl er mit Balingen nur in der zweiten Liga spielte. Kein geringer Druck lastete auf ihm, wie Strobel beschreibt. Reflektiert und bescheiden schaut er auf seine Karriere zurück und beleuchtet, welche Lehren er aus der ersten Laufbahn für seine zweite mitnehmen konnte. Dabei hätte mehr Emotion das Lesevergnügen gesteigert.

          Voll aufs Ohr geht es, wenn Niklas Landin und sein Cousin Jonas, Fernsehmoderator bei „Danmarks Radio (DR)“, eine Stunde lang über Handball plaudern. „Duften af harpiks“ heißt der auf Dänisch erhältliche Podcast, der Duft des Harzes. Die Landins plus ihr Studiogast geben Geschichten aus dem Innenleben des Handballs preis, die immer unterhaltsam und leicht, nie böse oder verletzend sind.

          Besprochene Publikationen:

          Klaus-Dieter Petersen mit Jörg Lühn: Das Herz muss voller sein als die Hose, Eigenverlag 2020, 17,90.

          Martin Strobel: Höhepunkt am Tiefpunkt, Eigenverlag 2020, 18.

          Daniel Duhr: Handball Hardcore Kreisklasse, Eigenverlag 2020, 13,95.

          Magazin „7 / Bock auf Handball“, Vier Ausgaben pro Jahr, 7 pro Heft.

          Podcast „Duften af harpiks“, direkt im Browser. Oder bei Spotify, Apple und via Facebook.

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