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Handball-Bundesliga : Die schwer gebeutelten Füchse aus Berlin

  • -Aktualisiert am

Verheddert! Die Berliner Füchse – und Torwart Silvio Heinevetter – stecken in der Bredouille. Bild: Imago

Die Berliner Füchse müssen eine besondere Verletzungsserie verkraften. Sie haben wegen der Misere den Anschluss in der Handball-Bundesliga verloren – und erhalten dennoch Applaus.

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          Das Bild vom Frankfurter Flughafen hatte Symbolcharakter. Zwei Profis der Berliner Füchse sitzen auf einem Elektrofahrzeug und werden zum Gate gebracht, in den Händen die Krücken, die verletzten Beine bandagiert. Die Nationalspieler Fabian Wiede (Deutschland) und Mattias Zachrisson (Schweden) kamen an jenem 20. Oktober ebenso lädiert von der Vereins-Weltmeisterschaft in Qatar zurück wie Kevin Struck und Christoph Reißky. Knapp vier Wochen später sind die vier Genannten so wie die Langzeitverletzten Paul Drux, Marko Kopljar, Simon Ernst und Stipe Mandalinic immer noch absent, und zu allem Unglück schmerzt den formstarken Torwart Malte Semisch die Bandscheibe – Einsatz unmöglich. Prompt wurde der 42 Jahre alte Petr Stochl reaktiviert.

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          Neun Ausfälle in einem Profikader, das ist selbst in der Vollkontaktsportart Handball sehr ungewöhnlich. Längst wird der schmale Kader der Füchse vom sehr talentierten Nachwuchs aufgefüllt. Doch passieren darf nun nichts mehr, denn wettbewerbsfähig sind die Berliner in dieser Verfassung nur in Maßen. Seit dem ehrenvollen 24:29 gegen den FC Barcelona im Finale der Mannschafts-WM folgten Niederlagen bei den Rhein-Neckar Löwen (25:28), gegen den TVB Stuttgart (25:30) und gegen MT Melsungen am Donnerstagabend (24:26). Als Meisterschaftsanwärter gestartet, haben die Berliner den Anschluss in der Bundesliga verloren.

          Mit Ausnahme der Niederlage gegen die Stuttgarter waren alle Spiele ordentlich, bedenkt man, dass Trainer Velimir Petkovic in Wiede, Drux, Zachrisson, Kopljar und Mandalinic der komplette wurfstarke Rückraum samt Zweitbesetzung fehlt. Am Donnerstag hatte sich dazu auch noch Wael Jallouz abgemeldet, jener sprungstarke Tunesier, der die Sorgen wenigstens etwas gelindert hatte. Er saß nur auf der Bank. Statt der erfahrenen Nationalspieler lenkte der Däne Jacob Holm das Spiel, gaben Freddy Simak und Lennart Gliese aus der zweiten Mannschaft ihr Bestes. Trotz der Heimniederlage applaudierten die Fans in der Max-Schmeling-Arena, und Geschäftsführer Bob Hanning lobte: „Sie haben phänomenal und mit Leidenschaft gespielt. Dass dann Fehler passieren, ist ganz normal.“

          Trainer Petkovic hatte vor der Saison die Arbeit Hannings gelobt, der wegen der Personalmisere Spieler wie Jallouz und Holm nachverpflichtet hatte. Allerdings fehlen Ernst und Mandalinic ihrem Team wegen Kreuzbandrissen schon so lange, dass sie Anfang nächsten Jahres wohl wie Neuzugänge begrüßt werden, und Kopljar mit seinem Achillessehnenriss konnte dem Team auch noch nicht helfen. Die erfreuliche Erkenntnis des breiten Kaders hat sich für Petkovic spätestens mit den Verletzungen Wiedes und Zachrissons erledigt – und erst recht, als sich auch der dritte Profi im halbrechten Rückraum abmeldete, Christoph Reißky. „Ich will nicht lamentieren und bin einfach nur stolz, wie die Jungs das machen“, sagt Petkovic.

          Der Kader war aus der Erfahrung der vergangenen Jahre vergrößert worden. Der bei etwa sechs Millionen Euro liegende Etat der Füchse ist schwer zu erwirtschaften in der Hauptstadt; auch deswegen war die Handball-Gruppe immer eher klein, aber fein. Oft schon musste Hanning mitten in der Saison Spieler holen, weil andere ausgefallen waren. Über die Gründe für den hohen Krankenstand kann man nur spekulieren. Gerade Wiede und Drux sind von Blessuren derart gebeutelt, dass der Begriff „Pech“ es nur schwer umschreibt. Bis zum Ende des Jahres werden einige Profis zurückkehren. So lange vertraut Petkovic seiner Mischung aus alten Hasen wie Stochl und Talenten. Schon an diesem Samstag (13.30) geht es im EHF-Pokal in Aalborg weiter.

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