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Handball-Bundesliga : Flensburg besiegt Kiel und will mehr

  • -Aktualisiert am

Nicht zu halten: Mogensen hängt die Kieler Dahmke (links) und Hansen ab Bild: dpa

Gleich beim ersten großen Kräftemessen der beiden Topteams in dieser Saison zeigt Flensburg Stärke. Kiel verliert das Derby mit 25:30. Doch nicht nur auf dem Spielfeld hat die SG die Nase inzwischen vorne.

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          In seinen beiden Jahren beim THW Kiel hat Rasmus Lauge wegen vieler Verletzungen kaum Spuren hinterlassen. Zum Sommer wechselte der 24 Jahre Däne auch deshalb zur SG Flensburg-Handewitt, um weiter nordwärts endlich austrainiert angreifen zu können. Bereut hat er seinen Schritt bisher nicht. „Was die Fans hier selbst in Testspielen anstellen, ist unglaublich“, sagt Lauge.

          Am Sonntagnachmittag erlebte der Regisseur sein erstes Handball-Nordderby als Teil der Flensburger Mannschaft, und gleich wurde es vor ausverkauftem Haus ein 30:25 der SG gegen den THW. Lauge sagte: „Dieser Sieg war ein deutliches Statement von uns. Vor diesen Fans zu spielen, ist großartig.“ Flensburg investierte vor der Saison erheblich in die Breite. Trainer Ljubomir Vranjes hat durch Lauge, Kentin Mahé, Petar Djordjic und Hendrik Toft viel mehr Möglichkeiten als früher.

          Gleich beim ersten großen Kräftemessen der beiden Topteams wurde deutlich, dass die große Varianz im Kader ein erheblicher Flensburger Vorteil sein könnte. „Der große Favorit auf die Meisterschaft hat gewonnen“, resümierte später der unzufriedene Kieler Geschäftsführer Thorsten Storm. „Wir haben das Torwartduell verloren und zu viele individuelle Fehler gemacht.“ Storms Flensburger Pendant Dierk Schmäschke bekräftigte die Anwartschaft auf den ersten Meistertitel seit 2004.

          Er sagte: „Wir haben diese Saison viel vor und haben mit diesem verdienten Sieg einen guten Start hingelegt. Es ist aber ein ganz langer Weg zur Meisterschaft, und wir müssen aufpassen, nirgendwo Punkte liegen zu lassen.“ Auf Seiten der SG traf das dänische Außen-Duo Lasse Svan und Anders Eggert mit je neun Toren am besten. Für die Kieler war Domagoj Duvnjak fünfmal erfolgreich. Im Flensburger Tor bot der 37 Jahre alte Mattias Andersson mit zahlreichen Paraden die schon fast gewohnte Glanzleistung.

          Top-Transfer ohne Hand am Ball

          „So ein Torwart bedeute in einem solchen Spiel alles“, sagte Rasmus Lauge später schlicht und ergreifend. Der Sieg gegen Kiel war die zweite gute Nachricht dieser Woche aus Flensburger Sicht. Denn am Donnerstag hatte die SG ihre „Flensburg Akademie“ eröffnet. 21 Talente bewohnen die Räume in der Nordstadt schon seit Januar; etwa 250 Bewerbungen um die begehrten Akademie-Plätze hatte es aus ganz Europa gegeben.

          Dementsprechend stolz waren die Flensburger auf die 2,2 Millionen Euro teure Einrichtung mit integriertem Internat, die seit einem runden Jahrzehnt in der Planung war und jetzt von privaten Förderern realisiert wurde. Unter dem Motto „der Zukunft ein Zuhause geben“ will die SG fortan verstärkt auf den Nachwuchs setzen und Talente an den Profikader heranführen – eine bislang verschlafene Entwicklung, die auch in Kiel längst auf der Agenda steht. Zumindest was die Räumlichkeiten betrifft, hat die SG seit Donnerstag die Nase vorn.

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          Im Spiel war es ähnlich. Kiel hat erhebliche Probleme im Kader, leidet an Verletzungen, hat Filip Jicha und Aron Palmarsson abgegeben und stand am Mittwoch gegen die TSV Hannover-Burgdorf schon am Rande einer Niederlage. Es läuft beileibe nicht rund. Die 15:12-Halbzeitführung der SG war im Grunde noch viel zu niedrig gegen einen schwachen THW, der bald auf Nikolas Katsigiannis im Tor setzte.

          Denn Top-Transfer Niklas Landin brachte keine Hand an den Ball. Es war eine schnelle, hektische, intensive Partie mit vielen Fouls, Rangeleien und Auseinandersetzungen. Über Jahre hatte die Rivalität der beiden Nord-Klubs kaum mehr eine Rolle gespielt – man schien sich arrangiert zu haben in der Konstellation mit Kiel als Dauermeister und Flensburg als Verfolger. Diesmal ging es hart und bissig zur Sache.

          Am Ende kocht die Flensburger Halle

          Ständig in Unterzahl, profitierte die SG von einer verblüffenden Passivität in der Kieler Deckung. Die Dreitoreführung hielt bis in die 58. Minute. Flensburgs Anführer Thomas Mogensen besiegelte den Sieg seiner Mannschaft mit seinem Treffer zum 30:25 zwei Minuten vor dem Abpfiff. Am Ende kochte die Halle – und auch der Kieler Coach Alfred Gislason, der mit einigen Pfiffen der Schiedsrichter sehr unzufrieden war.

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